CITY AND COLOUR: „Alle Songs sind wichtig“

Anfang Juni erschien das dritte Solo-Album von Dallas Green alias City And Colour, seines Zeichens Gitarrist und Sänger bei der kanadischen Hardcore-Band Alexisonfire. „Little Hell“ heißt das gute Stück und ist der mit Spannung erwarteten Nachfolger des  2008’er Album „Bring Me Your Love“, das in Kanada mit Platin ausgezeichnet wurde. Dallas Green zeigt sich auf „Little Hell“ überraschend facettenreich und bringt eindrucksvoll seine Songwriter-Qualitäten zum Vorschein. Kein Wunder also, dass er in seiner Heimat in der ersten Woche gleich auf Platz 1 der kanadischen Album Charts landete und alle Erwartungen übertraf. Wir erreichten Dallas Green via Handy auf dem Weg nach Leeds, wo er am Abend eine Show spielte. Er saß dabei im Tourvan, die Verbindung war miserabel, aber dennoch zeigte er sich mitteilungsfreudig.

Wie fühlst du dich so kurz nach dem Release deines neuen Albums „Little Hell“?

Ich fühle mich großartig. Ich war sehr gespannt auf die Veröffentlichung des Albums, schließlich war es bereits im Februar fertig gewesen. Die Monate von der Fertigstellung bis zum Release haben sich leider etwas gezogen. Jetzt ist es draußen, ich bin mächtig stolz auf „Little Hell“ und freue mich auch wieder auf Tour gehen zu können.

Das Album ging in Kanada direkt auf Platz 1 der Charts. Hättest du jemals damit gerechnet so erfolgreich zu sein?

Nein. Umso mehr freut es mich, dass meine Musik so angenommen wird.

Wo liegen die Unterschiede zwischen „Little Hell“ und dem letzten Album „Bring Me Your Love“?

Ich denke, dass ich auf „Litte Hell“ viel mehr ausprobiert habe und die Songs in unterschiedliche Richtungen gehen.

Gibt es einen Song, den du besonders hervorhebst?

Nein, denn alle Songs sind wichtig. Das ist der Grund warum man ein Album macht. Alles hat seine Bedeutung und ergibt das Ganze.

Bei den Aufnahmen zu „Little Hell“ hast du alles erst einmal auf Tape aufgenommen, anstatt es direkt Digital auf dem Rechner zu haben. Wie bist du auf diese fast schon altmodische Idee gekommen?

Ich hab schon immer viel ausprobiert und nicht immer die Möglichkeit gehabt so zu arbeiten. Diesmal war ich jedoch in der Lage alle Songs in dieser Form aufzunehmen und ich finde, dass es einen deutlichen Unterschied macht und viel besser klingt.

Worin liegen die Unterschiede, ob man als City And Colour einen Song schreibt oder für Alexisonfire?

Nun ja, City And Colour ist mein Ding und ich kann aus meiner persönlichen Sichtweise die Texte schreiben. Ich brauche mich mit niemand abzustimmen und kann meine Idee umsetzen. Bei Alexisonfire sitzen fünf Jungs im Proberaum und hauen sich alle Ideen und Songpuzzle um die Ohren bis wir alle auf einen gemeinsamen Nenner gekommen sind, der uns alle glücklich macht.

Bei deinen Texten hat man oft das Gefühl, dass du besonders gerne über die Beziehung zu deiner Frau singst…

Ja klar, aber nicht alle Songs handeln davon. „The Grand Optimist“ ist über mich und meine Eltern. „O Sister“ handelt von meiner Schwester. Bei „Northern Wind“ könnte man meinen, dass es um meine Frau geht, aber sie hatte nur die Idee zu diesem Song gehabt. Sie war nämlich der Meinung, dass ich ein Liebeslied schreiben sollte, da meine Fans Liebeslieder mögen und dies auch erwarten würden. Deshalb habe ich mich noch einmal an einen Song gemacht und „The Northern Wind“ geschrieben.

Du hast auf „Little Hell“ sehr viele und unterschiedliche Instrumente gespielt. Welches Instrument hat dir besonders gefallen?

Auf dem letzten Song „Hope For Now“ habe ich Schlagzeug gespielt, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Aber meine Fähigkeiten als Drummer sind begrenzt und dieser Song war der Einzige, für den meine Fähigkeiten gereicht haben. Bei den anderen Songs wäre ich sicherlich sang und klanglos untergegangen.

Was viele gar nicht wissen ist, dass du letztes Jahr sogar PINK auf einigen Shows supportest hast. Wie kam es denn dazu?

Pink war auf einem Konzert von mir in Los Angeles und kam nach der Show auf mich zu. Sie mochte meine Musik und wir unterhielten uns an dem Abend über alles Mögliche. Wenige Wochen später bot sie mir an, ein paar Shows mit ihr zu spielen. Ich sagte natürlich zu, denn wenn man die Chance hat vor einem so großen Publikum zu spielen, muss man diese nutzen. Leider konnte ich zeitlich nicht alle Shows ihrer Tour spielen, dennoch war es fantastisch. Vor allem war es spannend zu erleben,  wie das Publikum auf mich reagiert, schließlich kannten die meisten mich nicht einmal und waren wegen Pink da.

Gibt es ein Land, wo du gerne auf Tour bist?

Ich liebe Australien. Dort habe ich auch einer meiner besten Shows gespielt, woran ich immer noch gerne zurück erinnere. Das war einer dieser Tage, wo man eigentlich überhaupt keine Lust hatte. Ich war müde vom Jetlag und hatte kein gutes Gefühl. Doch während der Show verwandelte sich alles und ich merkte, wie mächtig Musik sein kann.

Gibt es auch Länder, wo du dir sagst: Einmal und nie wieder?

Nee, dass gibt es nicht. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Club den man am liebsten nicht mehr betreten möchte, weil es schlichtweg Bruchbuden waren.

Überrascht es dich, dass deine Shows hier in Deutschland binnen zwei Tagen komplett ausverkauft waren?

Ja, das ist großartig. Ich werde zum ersten Mal als City And Colour in Deutschland auf Tour sein und hoffe, dass ich die Erwartungen des Publikums erfülle. Mit Alexisonfire habe ich mich bis jetzt immer sehr wohl in Deutschland gefüllt und freu mich auf viele altbekannte Gesichter, die ich hoffentlich auf den Shows treffen werde.

Was können die Fans von dir im Oktober erwarten?

Meine Jungs und mich, wie wir mit dem Publikum einen schönen Abend miteinander verbringen werden.

Info: www.cityandcolour.ca

(Markus A. Tils)