DAMPFMASCHINE: „Provozieren? Klar!

Mit ihrem letzten Album “I love My Body” haben Dampfmaschine vor zwei Jahren beachtliche Aufmerksamkeit erzielen können – nicht zuletzt wegen ihrer begnadeten und schweißtreibenden Liveperformance. Am 12. August erscheint mit „Bete zur Maschine“ der langersehnte Nachfolger des Rock-Fünfers aus dem Osnabrücker Raum.  Sänger Siggy Rock nahm sich die Zeit, um in diesem E-Mail Interview uns einige Neuigkeiten rund ums neue Album mitzuteilen.

„Immer laut und niemals leise“ – seid ihr Typen getreu dem Motto „Hans Dampf in allen Gassen“? 

Siggy Rock: Ja, sicher. Immer Dampf! Aber wir können auch ganz zärtlich sein.   Was versetzt euch in „Stress“ und wie geht ihr damit um?   Siggy Rock: Unser Drummer natürlich. „Ein Mann im Stress“ das bin nicht ich – das ist der Getriebene da draussen. Irgendwann knallt der durch und dann will ich nicht in der Nähe sein.

„Bete zur Maschine“ wurde wieder bei Claus Grabke in Gütersloh aufgenommen. Welchen Anteil hat er an Eurem Sound?

Siggy Rock: Was Claus angeht: Die Absprache vor der Aufnahme, wie wir was wollen, geschieht mit Ihm zusammen. Wir sind Kumpels und reden auch so miteinander, schließlich arbeiten wir jetzt schon am dritten Album zusammen, und er wusste somit auch in welche Richtung die Sache geht bzw. gehen könnte. Ein Produzent kann sehr hilfreich sein, eine objektivere Meinung einfließen zu lassen. Grabke hat seinen Teil zur Dramatik beigetragen und auch zum Sound der Platte. Das liegt stark an seinem bestens ausgestatteten Studio in Gütersloh – viele Sound-Spielereien sind da passiert, wobei unser Grundsound natürlich old-school Dampfmaschine bleibt.

Ihr klingt laut und wild. Inwieweit muss man beim Proben in diese Stimmung kommen? 

Siggy Rock: Wir müssen gar nichts, das passiert instinktiv! Wir treiben’s schließlich ja schon seit über 10 Jahren zusammen und wissen, was wir zu tun haben.

War es eigentlich hinderlich, dass ihr euch ständig verletzt? Egal ob Finger ab, Oberarmbruch, Bandscheiben. Da fragt man sich, wie das alles passieren konnte, und muss man das als Dampfmaschine in Kauf nehmen?

Siggy Rock: Yo. Natürlich nicht so schön, allerdings hat es uns bisher immer auch etwas gebracht: Das mit Hases Finger hat uns letztlich (und logischerweise) viel reduzierter an das Songwriting herangeführt. Bei Fittens doppelten Oberarmbruch an Silvester war es hingegen positiv, dass wir noch etwas mehr Zeit zum Songs schreiben und zum optimieren hatten. Schließlich sind da noch zwei/drei Mördernummern entstanden, die uns weiter nach vorne gebracht haben und das Album sehr stark prägen. Die Bandscheibe von Rave brachte uns dann mehr Zeit, um ein geeignetes Label wie Redfield zu finden.

Ihr seid von Bitzcore zu Redfield Records gewechselt. Wie ist diese Ehe zustande gekommen?  

Siggy Rock: Alex von Redfield und ich kennen uns seit Ewigkeiten … Wir kommen beide aus dem gleichen Kaff und wir stehen auf regionale Spezialitäten. Das war also absehbar, dass wir irgendwann einmal zusammen kommen.

Was ist der Hauptunterschied zwischen dem aktuellen „Bete zur Maschine“ und dem letzten Studioalbum “ I Love My Body“?

Siggy Rock: Beiden Alben liegen ganz andere Konzepte zugrunde. „I love My Body“ ist ein On-Day-One-Take-Live-im-Studio-Album, da wollten wir unsere Live-Qualitäten umsetzten. „Bete zur Maschine“ ist ein Experiment ganz anderer Art. Durchhören ist angesagt!

Was hat euch dazu bewegt einen Song wie „Haben Haben Haben“ oder auch „Bete zur Machine“ zu schreiben?

Siggy Rock: Jeder Song und jeder Text ist auch immer ein Experiment – da spielt dann oft auch der gute alte Zufall mit ’rein. „Bete zur Maschine“ stand als Albumtitel schon früh fest, der Song war eher solch ein Experiment. Textlich ist dieser vom wunderbaren Kurt Schnitters beeinflusst – eher Dada, eher sinnbefreit. „Haben Haben Haben“ hingegen steht eher in der Tradition von „I Love My Body“ und „Kurz und Klein“ vom Debütalbum: Zack, zack mit etwas Message.

Bei „Bete zur Maschine“ hat man das Gefühl, dass ihr dort einen kleinen Riff von New Noise von Refused – Zufall oder gewollt – genommen habt?

Siggy Rock: „Bete zur Maschine“ ist eher ein gebauter Track als ein geschriebener Song – hier wird grundsätzlich viel zitiert, instrumental, textlich und atmosphärisch in den Kessel geschmissen, in Reihe geschaltet. Der Song wird live auch meist als Intro aus der Konserve laufen.  „Der Sommer stirbt“ Welcher Sommer?  Siggy Rock: Jeder Sommer stirbt irgendwann. Der Sommer 2011 wurde bislang noch gar nicht geboren. Der Sommer deines Lebens. Der Sommer einer Beziehung. Hart aber fair. Wer da jetzt anfängt zu heulen, dem gebe ich 3 Packungen Taschentücher und dann ist aber auch irgendwann mal gut. Prost!

Ihr habt Turbonegro vor wenigen Wochen in Hamburg supportet. Es war die erste Show mit Tony Sylvester als neuem Sänger. Besteht die Faszination Turbonegro immer noch, oder hätten es die Herrschaften mit neuem Sänger lassen sollen? 

Siggy Rock: Die Bauch-Tätowierung des Herrn Sylvester hat mich schon geflasht. Ich glaub’ das war ein Tigerkopf mit aufgerissenem Maul und da Tony auch ein kräftiger Bursche ist, ging das Tigermaul bei jeder Bewegung auf und zu. Nicht schlecht! Allgemein haben Turbonegro eine saubere Show abgeliefert!

Ich hab ein Konzertreview von der Turbonegro-Show gelesen, wo euch Arroganz vorgeworfen wird. Ist das ein typisches Element einer Dampfmaschinen Show, dass man auch mal provozieren muss oder wie sieht ihr das?

Siggy Rock: Weiß nicht, aber ich hab’ das Review auch gelesen. Provozieren? Klar! Arroganz? Naja.

Worauf muss man sich einstellen, wenn man euch live sehen möchte?

Siggy Rock: Schöne Körper, gute Laune sowie ’ne ordentliche Portion Lautstärke.

Vielen Dank dafür, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habe, die letzten Worte gehören Euch.

Siggy Rock: Vielen Dank für das Interview! Kauft unsere Platten! Danke! Immer Dampf! Bete zur Maschine! Dein Siggy Rock

Info: www.immerdampf.de

Dampfmaschine Tourdaten

13.08.11 D- Beckum @ Phoenix Open Air
13.08.11 D- Melle @ Riemsrock 2011
27.09.11 D- Fürstenau @ Rock am Schloss
03.09.11 D- Osnabrück @ Bastard Club
05.10.11 D- Frankfurt @ Elfer Music Club
06.10.11 D- Karlsruhe @ Alte Hackerei
07.10.11 D- Backnang @ JUZE
08.10.11 D- München @ Backstage
10.11.11 D- Siegen @ Vortex
11.11.11 D- Jena @ Rosenkeller
12.11.11 D- Bad Frankenhausen @ White Pig
17.11.11 D- Bielefeld @ Extra Blues Bar
18.11.11 D- Lindern @ Teestube
19.11.11 D- Hannover @ Bei Chéz Heinz
29.12.11 D- Oberhausen @ Turbinenhalle

(Markus A. Tils)