3 FEET SMALLER: „Rock ’n’Roll over the World“

Nachdem „3 FEET SMALLER“, das fünfte Album der gleichnamigen Band aus Wien bereits im Juni in Österreich erschien und dort auf Platz 4 der Charts einstieg, darf man sich nun auch in Deutschland und in der Schweiz auf das neue Album stürzen. Mehr Rock, weniger Punkrock – inklusive einem Feature von Ferris MC. 13 geradlinige Songs, die ihr Ziel nicht verfehlen und eindrucksvoll beweisen, warum 3 Feet Smaller  die erfolgreichste Rockband unseres Nachbarlandes ist.

Eure letzte Platte „December 32nd“ war ein großer Erfolg. Wie habt ihr diesen genutzt?

Roberto Franko: Für uns persönlich war Dec 32nd ein ganz wichtiger Meilenstein, weil wir uns mit der Platte in Österreich etablieren konnten und durch diverse Touren im Ausland auch über die Grenzen hinaus bleibend auf uns aufmerksam machen konnten.

Warum habt ihr trotz der hohen Chartsplatzierung, das neue Album nicht weiterhin auf Sony Music in Österreich veröffentlicht, sondern seit nun auf Cosmix Records?

Roberto Franko: Sony Österreich konnte uns, trotz der respektablen Verkaufszahlen keinen Release im angrenzenden Ausland garantieren, da mussten wir das Label wechseln. Die Zusammenarbeit mit Sony war hervorragend und es gibt auch nach unserer Trennung kein böses Blut.

Bands wie die Donots, 5Bugs oder auch die Itchy Poopzkid haben ihr eigenes Label gegründet. Ist das keine Option für euch, schließlich heißt es auch, dass ihr „3FS“  mit Hilfe des Österreichischen Musikfonds auch komplett finanziert habt.

Roberto Franko: Wenn ein Release nur für Österreich das Ziel gewesen wäre, hätten wir sicher unser eigenes Label gegründet. Da wir aber mit diesem Album vor allem in Deutschland reüssieren wollen und uns hierfür das eigene Netzwerk und die notwendige Manpower fehlt haben wir uns für Cosmix Records und Rough Trade entschieden.

Wie wichtig ist der Österreichischen Musikfonds für Bands, die keine Volksmusik machen?

Roberto Franko: Ohne den Musikfonds wäre es uns finanziell nicht möglich eine Produktion dieser Qualität zu veröffentlichen. Durch die Förderung konnten wir auch frei entscheiden mit welchem Label wir zusammen arbeiten werden.

Euer Album erschien in Österreich bereits am 24.06 und jetzt in Deutschland und in der Schweiz. Wieso habt ihr das so gehandhabt, dass fast 2,5 Monate dazwischen liegen?

Roberto Franko: Da wir in Deutschland ein sehr junges und unbeschriebenes „Thema“ sind benötigen wir eine längere Vorlaufzeit für die Album-Promo als in Österreich. September, ein Monat vor Tourbeginn in D hielten wir als idealen VÖ-Termin.

Von Plattenverkäufen kann heute sicherlich keinen Punkband mehr leben. Was macht ihr Hauptberuflich?

Roberto Franko: Jeder von uns jobbt nebenbei, aber die Band hat absoluten Vorrang. Glückicherweise konnten wir Jobs finden die uns die zeitliche Flexibilität geben so viel wie möglich zu Touren.

Wenn man sich das Video zu „Vienna’s Burning“ anschaut weiß man, wovon dieser Song explizit handelt. Welche Missstände sind denn typisch für Wien, auf die ihr aufmerksam machen wollt.

Roberto Franko: Der Songtext geht nicht auf spezielle Missstände in Wien ein, sondern spiegelt eine generelle Unzufriedenheit unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation wieder. Wie verstehen ihn als grosses Fuck-Off! an alle Mächtigen, egal ob Politiker, Finanzjongleure oder Immobilienspekulanten.

Glaubt ihr, dass ihr durch eure Songs und durch die Musik wirklich beeinflussen könnt?

Roberto Franko: Diesen Anspruch haben wir natürlich nicht, in unseren Texten geht es hauptsächlich um persönliche Erlebnisse und Eindrucke, Emotionen. Wenn jemand sich oder seine/ihre Gedanken in den Lyrics wiede findet

Hat man als Musiker oftmals ein „Deva Vu“?

Roberto Franko: Ja, hin und wieder bei Interviews 😉

Für „Lead Or Follow“ habt ihr Ferris MC (Deichkind) mit ins Boot geholt. Wie seid ihr denn auf den gestoßen?

Roberto Franko: Für Lead Or Follow wollten wir unbedingt einen HipHop-Part um der Nummer eine zusätzliche persönliche Note zu geben. Da der Manager von Ferris MC auch gleichzeitig unser deutscher Label-Chef ist lag eine Zusammenarbeit nahe. Ferris war sofort von dem Song begeistert und hat binnen kürzester Zeit die perfekten Rhymes dazu abgeliefert.

„Feels Like Home“ – was bedeutet es für euch auf Tour zu sein und dort Orte zu finden, die sich wie das eigene Zuhause anfühlen? Gibt es so was überhaupt?

Roberto Franko: Bei Feels like Home geht es generell um Freundschaften. Auf Tour findet man immer wieder Orte an denen man sich wohl fühlt. Das hat hauptsächlich mit den Personen zu tun die man vor Ort trifft. Seien es nun befreundete Bands oder Mitglieder der Local-Crew die einem in der Zwischenzeit ans Herz gewachsen sind.

Der Österreicher sagt gerne, dass der Wiener kein Österreicher ist und umgekehrt. Aber es scheint, dass jeder Wiener ein Wochenendhaus im Wald, – Weinviertel oder wo auch immer hat. Woher stammt diese gegenseitige Abneigung eigentlich?

Roberto Franko: Das ist ein Klischee dem ich so nicht zustimmen kann. Natürlich besitzt jede Region in Österreich ihre Eigenheiten und teilweise ist es für uns auch nahezu unmöglich den örtlichen Dialekt zu verstehen aber vertragen tun wir uns alle. Ach ja: leider besitzt keiner von uns ein Wochenendhaus im Waldviertel…

Wenn man das Nachtleben von Wien genießen möchte. Wo muss man hin, um gute Musik zu hören?

Roberto Franko: Es gibt in Wien einige fette Clubs, hier mein persönliches best-of: Flex, B72, Chelsea, Pratersauna

Die 5Bugs freuen sich bereits auf das Konzert zusammen mit den Itchy Poopzkid im Ottakringer Brauerei. Vor allem auf die Aftershow Party. Wie feiern drei Punkbands?

Roberto Franko: Wie wir schon auf Tour mit beiden Bands erfahren durften, können unsere Kollegen ganz ordentlich feiern. Die After-Show Party in Wien wird sicherlich kein Kindergeburtstag. Und der Umstand, dass die ganze Schose in einer Brauerei stattfindet ist auch nicht ganz uneigennützig 😉

Gibt es noch Ziele, die ihr als Band noch erreichen möchtet?

Roberto Franko: Auf jeden Fall! Raus aus Österreich, soviel Länder bespielen wie nur möglich. Rock `n Roll over the World!

Info: www.3feetsmaller.at

(Markus A. Tils)