THIS LOVE IS DEADLY: „Wir bleiben demütig“

Noise-Rock aus Berlin, ausgearbeitet bis zum letzten Ton, detailverliebt und filigran. Melodien eingepackt in Gitarren-Distortion, verzerrt und verstörend. Vielschichtige Soundeskapaden mit elektronischen Tupfern, Samples und über allem schwebt der Gesang und verführt. Lisa und Louis von standen uns zum Interview zur Verfügung.

Seit wann gibt es „This Love Is Deadly“ und wie habt ihr euch gefunden? 

LOUIS: Lisa und ich haben ca. 2007 angefangen Songs zusammen zu schreiben und diese Zuhause meistens mit Drumcomputer aufgenommen. Anfangs alles recht trashig. Ende 2009 lernten wir unseren Drummer HD kennen und wir machten schlicht ein Rock-Trio daraus. Dadurch wurden wir auch wesentlich besser und professioneller.

Was treibt ihr neben der künstlerischen Betätigung als Musiker? Es ist sicher davon auszugehen, dass THIS LOVE IS DEADLY nicht eure Einkünfte sichert. 

LOUIS: Ich darf behaupten, dass wir alle mehr oder weniger Überlebenskünstler sind. Wir machen in erster Linie Musik und arbeiten auch nebenbei in diesem Bereich.

Was war denn eure musikalische Konditionierung vorher? Man gründet ja nicht von jetzt auf gleich eine Band und macht genau die Musik, die ihr jetzt macht – oder doch? 

LOUIS: Als es mir mit meiner alten Band irgendwann musikalisch zu gefällig und viel zu beherrscht wurde, sehnte ich mich zunehmend wieder nach einer neuen künstlerischen Herausforderung. Somit besann ich mich meiner Jugend Anfang der 90er, das war also Grunge, Punk, Krach, Leidenschaft & vor allem CHAOS. Rockmusik oder Punk alleine schien uns dann aber doch zu ordinär und machistisch geprägt. Also vermischten wir sie mit vielen „zarten“ Elementen, wie sanftem Gesang und sinnlichen RnB inspirierten Grooves & Patterns. Wir haben TLID gegründet und den Namen zum Programm gemacht.

LISA: Ich habe vor der Gründung TLIDs hauptsächlich akustische Musik gemacht, sehr isoliert und eigenbrötlerisch, im Stile Jeff Buckley, Nina Simone, Nick Drake oder Cat Power. Doch habe ich mich zunehmend nach musikalischem Austausch und Elektrifizierung gesehnt. Louis lernte ich zu einer Zeit kennen, in der wir uns beide nach einer gewissen Veränderung sehnten und eine wahnsinnige innere Unruhe in uns trugen. Gemeinsame Einflüsse und eine geteilte Liebe zu Noise und Psychedelic trieben uns der Vision von TLID entgegen.

Woher kommt der Name THIS LOVE IS DEADLY? Gibt es dazu so was wie eine Geschichte oder er eher ein Zufallsprodukt? 

LOUIS: Der Name ist uns tatsächlich irgendwann zugefallen. Ich finde die Vorstellung das Liebe und Tod unzertrennlich zusammengehören unwiderstehlich sexy und sehr inspirierend.
LISA: Ja, die Entstehung des Namens war sehr zufällig – auf einmal stand er im Raum und wir spürten, dass wir auf etwas Besonderes gestoßen waren. Dieser Ausdruck spiegelte eigentlich genau die Energie und Stimmung unserer Musik wider: Die Verschmelzung zweier Gegensätze, die eigentlich keine sind. Ich denke der Name ist unheimlich kraftvoll und kann auf verschiedenste Weise interpretiert werden. Jeder wird seine eigene Bedeutung darin finden.

Euer Album ist geprägt von Gegensätzen. Wer ist bei Euch für die Texte verantwortlich und was wird in Euren Texten thematisiert? 

LISA: Wir schreiben beide die Texte und setzen uns konzeptuell mit der Verschmelzung vermeintlicher Gegensätze und Extreme auseinander. Doch ist uns der Inhalt unserer Texte oftmals nicht so wichtig wie das Gefühl bzw. die Stimmung die der Gesang als instrumentales und rhythmisches Element, im Zusammenhang mit dem Rest der Musik, transportiert.

LOUIS: Es geht vor allem um was auch immer du meinst rauszuhören. Ich finde, dass der Gesang mehr Soundästhetik als Information transportieren soll und die Zuhörer verführen soll eben mal „anders“ hinzuhören. Ihn/Sie oder Es aktiv mit dem Hörsinn und Empfinden in den Sound einzuspannen und auf die Reise zu schicken. Ein episch-psychedelischer Ansatz, wenn man so will.

Seit kurzem seid Ihr bei dem Berliner Label „NOISOLUTION“ dabei. Wie kam der Kontakt zu Arne von „NOISOLUTION“ zustande? 

LOUIS: Arne hatte uns live gesehen und danach gefragt ob wir zusammenarbeiten wollen. Die Sympathie hat gestimmt und uns kam das sehr gelegen.
Wie zufrieden seid Ihr mit den bisherigen Resonanzen auf „THIS LOVE IS DEADLY“? Angesicht der vielen positiven Berichte über Euch müsste doch alles Friede, Freude, Eierkuchen sein, oder?

LOUIS: Es freut uns tatsächlich sehr, dass wir bisher mit unserem Sound positives Interesse haben wecken können. Es war uns auch einfach mal ein Anliegen wieder ein bisschen Soul in die Musik zu bringen. Aber wir bleiben demütig.

LISA: Ich denke wir waren schon ein bisschen überrascht darüber wie positiv unsere Musik aufgenommen wird. Als Künstler kann man da leicht neurotisch werden, da man ja mitten im Entstehungs- und Vollendungsprozess drin steckt und schnell die Objektivität verliert. Trotzdem ist das noch lange kein Grund sich nun entspannt zurückzulehnen, denn noch kennt uns ja kaum jemand. Wir haben noch viel vor, wollen vor allem live mehr Präsenz zeigen, Festivals spielen diesen Sommer und unsere Fühler in Richtung Ausland ausstrecken.

Wie verbringt man eigentlich Weihnachten, wenn man weiß, dass in 2 Wochen das Debütalbum erscheint? Sitzt man da wie auf heißen Kohlen und kann es kaum erwarten? 

LOUIS: Ach was, alles ganz easy. Wir haben die sogenannte „Ruhe vor dem Sturm“ genossen.

Wie würdet Ihr selbst Euren musikalischen Stil beschreiben und inwieweit hebt Ihr Euch Eurer Meinung nach von anderen ähnlich gelagerten Bands ab? 

LOUIS: Ich würde unsere Musik als psychedelisch-alternativ bezeichnen. Eine gewisse Pop-Ästethik muss ich uns auch eingestehen.

Von welchen Bands fühlt Ihr Euch beeinflusst? 

LOUIS: Unendlich viele, beispielsweise: The Beach Boys, Hendrix, Love, Portishead, Daisy Chainsaw, Nina Simone, PJ Harvey, Björk, Dinousaur Jr., Sonic Youth, Patti Smith, Tame Impala und viele viele unbekannte Underground Bands.

LISA: …The Stooges, Nick Drake, Jeff Buckley, The Jesus and Mary Chain, Katie Jane Garside, MBV, The United States of America, Slowdive, Joy Division, etc.

Ihr spielt jetzt einige Shows, aber wie geht es in den nächsten Monaten weiter? Gibt es konkrete Pläne für eine weitere Tour? 

LOUIS: Wir arbeiten gerade an einer kleinen Tournee für März/April und einigen Festivaldaten im Sommer.

Die letzten Worte gehören gerne Euch…. 

Danke für das Interview.

www.thisloveisdeadly.com