ALEX AMSTERDAM: Dem Ganzen mehr „Dampf“ verpassen

Nach dem 2008er Album „Stillness Of A Moment“ hatte Singer/Songwriter Alexander Rosin sein Einmann-Dasein satt und suchte sich für sein neustes Werk drei weitere Mitstreiter, um fortan als Band zu fungieren. Gewohnt locker, doch weitaus experimenteller als zuvor zeigt „Love Is Fiction“ eindrucksvoll, dass „Alex Amsterdam“ als Band weitaus besser funktioniert als alleiniger Singer/Songwriter.

Alex, ich bin ehrlich erstaunt, dass du als Sohn eines bekannten Kinderliedermachers keine Noten lesen kannst! Was lief da schief?

Gar nichts! Ich interessiere mich einfach nicht für die Musik im Theoretischen. Ich hatte auch musikalische Früherziehung und habe früher Klavier gespielt. Aber Noten gingen nie richtig in meinen Kopf. Und ganz ehrlich…ich brauche sie auch nicht. Ich spiele nach Gehör, Herz und Gefühl. Und bisher hat mich meine „Notenlosigkeit“ und nicht wirklich behindert.

Wie bist du auf die Idee gekommen dich „Amsterdam“ zu nennen? Hast du einen besonderen Bezug zu dieser Stadt?

Nö, gar nicht. Ich mag die Stadt, ja. Ich war auch schon öfters dort. Aber einen wirklich Bezug gibt’s nicht. Und ich kann auch mit keiner spektakulären Story zum Bandnamen dienen. Ich habe damals einen Künstlernamen gesucht, da ich nicht unter „Rosin“ spielen wollte um mich klar von dem Schaffen meines Vaters abzugrenzen. Ich hatte diverse Namen auf dem Zettel, wobei es schon was mit „Alex“ vorne sein sollte. Irgendwann hatte ich dann auf „Alex Addicted“ und „Alex Amsterdam“ eingegrenzt. Und mich dann einfach und ohne Grund für „Amsterdam“ entschieden. Klang für mich mehr nach Singer/Songwriter damals. Heute finde ich den Namen weiterhin gut. Leicht zu merken. Plump aber simpel. Und man steht weit vorne im CD Regal.

Nach etlichen Jahren des „Alleinsein“ hast du dir in den letzten Monaten eine Band an Land gezogen. Was war ausschlagend für diesen Schritt?

Ich wollte eine klare Veränderung bzw. mal wieder was Neues ausprobieren. Ich habe schon Solo, als Duo und sogar mit Halbplaybacks auf der Bühne und im Studio gestanden und nun war es Zeit für die Band. Ich liebe es Solo & Unplugged zu spielen. Aber ich wollte mal wieder richtig rocken und dem Ganzen mehr „Dampf“ verpassen. Außerdem waren meine Songs schon immer sehr band-orientiert.

Nichtsdestotrotz tretest Du aber weiterhin auch unter dem Banner „Alex Amsterdam“ auch weiterhin Solo auf. Fällt Dir diese Umstellung leicht, oder muss man sich jedes Mal neu dran gewöhnen?

Nö, fällt leicht. Der Projektname ist ja „Alex Amsterdam“. Egal ob alleine, zu zweit, als Band oder irgendwann als 10-Mann-Combo. Und die Songs sind ja auch immer gleich…nur klingen sie anders.

Wo liegen für Dich die Unterschiede eines Auftritts mit und ohne Band?

Na ja…alleine ist man natürlich viel eingeschränkter als mit einer ganzen Band. Ich stehe da nur mit einer Akustik-Gitarre bewaffnet auf der Bühne und klimper und singe dazu. Mit Band gibt’s 4 Menschen die alle unterschiedlichste Dinge tun und trotzdem zusammen sind. Es ist lauter, es ist druckvoller, es ist variabler. Mir macht es momentan einfach mehr Spaß. Aber es kommen auch wieder andere Zeiten. Ich mag einfach beides.

Du hast in den letzten Jahren alles selbst gemacht. Wie war das bei den Aufnahmen zu „Love Is Fiction“? Hatten Deine Bandmitglieder Einfluss auf die Songs?

Ja natürlich. Ich wollte ja keine Söldner-Truppe von Musikern, die sich nicht einmischen und nur das spielen was ich sage. Ich habe jedem freien Raum für Kreativität gelassen und habe so gut wie keine Vorgaben gemacht. Und das hat so sehr gut funktioniert. Dazu habe ich ja das erste Mal mit einem amtlichen Produzenten zusammen gearbeitet. Er hat uns geführt und geleitet, aber immer nur in enger Abstimmung mit mir und uns. Vieles hat sich dadurch verändern, aber nie existentiell. Es ist nach wie vor der Amsterdam wie man ihn kennt. Halt nur etwas ausgereifter und geschärfter würde ich sagen.

„Love Is Fiction“ heißt nun dein neustes Album und viele Deiner Songs handeln von der Liebe. Sind letztendlich alle deine Songs Fiktion? Empfindest du Liebe als Fiktion?

Haha. Tja…das ist die große Frage! Ich überlasse solche Deutungs-Fragen lieber den Hörern und halte mich da gern bedeckt. Soll jeder seine eigenen Schlüsse daraus ziehen. Nur soviel…man sollte meine oft verzweifelt wirkenden Lyrics und vor allem den Titel nicht zu ernst nehmen. Oder vielleicht doch? Wer weiss. Ich mag es, Leute zu verwirren…

Mit „Better Off Alone“ hast du Dich auch zum ersten Mal an eine Ballade getraut. Warum musste es dann gleich ein Duett werden?

Das würde ich nicht so sehen. Ich habe schon oft Balladen geschrieben…diese kann man sich auf meinen bisherigen Platten auch anhören. Es ist allerdings das erste lupenreine Duett! Und warum es ein Duett werden musste? Warum nicht? Ich hatte Lust drauf, ein Duett zu machen. Ich habe den Song früher auch oft alleine in meinem Solo-Set gespielt. Da fand ich ihn immer etwas langatmig. Aber durch den wunderbaren Gesang von Sofia kriegt er eine ganz besondere Stimmung und gelangt endlich dort hin, wo er von Anfang an hin sollte.

Du selbst beschreibst Dich als Internetsüchtig und hast auf allen erdenklichen SocialMedia Netzwerken ein Profil. Wie ist deine Erfahrung damit? Merkt man, dass sich alles auf facebook konzentriert und man z.B. studieVZ eigentlich vernachlässigen könnte?

Yep. Absolut. Ich konzentriere mich auch voll und ganz auf Facebook was Social Media angeht. Alle, wirklich alle anderen Portale sind meiner Meinung nach absolut irrelevant geworden. Und da es sowieso immer sehr viel Zeit gekostet hat, alle Profile und Portale aktuell zu halten, konzentriere ich mich größtenteils nur noch auf Facebook. Bei studiVZ pflege ich nur alle Nase lang mal aktuelle Infos nach. Bei Myspace habe ich mich seit Monaten nicht mehr angemeldet. Wirklich schade, da es früher mein wichtigstes Tool in Sachen Marketing & Promotion war. Aber das Portal ist tot und wird nicht wiederkehren. Ich werde mich in Kürze komplett abmelden.

Du hast in jeder erdenklichen Stadt gespielt und auch sicherlich die jeweiligen Szenen kennengelernt. Wie empfindest du denn die Musikszene in deiner Heimat Düsseldorf?

Das wurde ich auch schon diverse Male gefragt und ich kann nur immer wieder sagen…schwierig. Es gibt saugute Bands hier in der Stadt, aber viele kriegen den Arsch nicht hoch und machen nur ihr eigenes Ding. Genauso ist es mit vielen Institutionen, Konzertgruppen oder Portalen. Da gibt es viel „Gluckerei“ mit den ewig gleichen Bands. Und diese habe alle eins gemeinsam…sie kommen nicht aus Düsseldorf raus. Und oft werden gerade diese Bands am stärksten von der Stadt oder hiesigen Initiativen gefördert was für mich absolut keinen Sinn macht. Und die Bands arbeiten nicht gut zusammen. Es herrscht kein Zusammengehörigkeitsgefühl wie z.B. in Hamburg. Und auch die Clubszene hier ist mehr als schwierig da es kaum Locations für junge Bands gibt. Und die ganzen „offiziellen“ Nachwuchswettbewerbe hier in Düsseldorf sind zwar gut gemeint, haben aber fast ausnahmslos den falschen Ansatz. Aber dieses Thema ist zu ausschweifend um hier näher darauf einzugehen…

Dein Album wurde unterstützt von der Initiative Musik, die u.a. auch Thees Uhlmann und Jupiter Jones bereits half. Wie wichtig ist diese Fördereinrichtung für Dich gewesen?

Sie unterstützt uns finanziell in erheblichem Maße. Das ist der wichtigste Punkt.

Wie kam es dazu, dass Buchautor Oliver Uschmann den Beipackzettel für „Love Is Fiction“ geschrieben hat und wie findest Du seinen Vergleich, mit No Use For A Name und Oasis?

Oliver ist ein guter Freund von mir, wir kennen uns bereits seit Jahren. Er kriegte damals mein erstes Demo auf den Tisch als er noch Visions-Schreiber war. Seitdem haben wir oft zusammen gearbeitet, er hat schon einige Presseinfos für mich geschrieben und er hat mich meinem jetzigen Produzenten Tobias Röger vorgestellt. Außerdem haben wir schon oft gemeinsame Lesungen/Konzerte gemacht. Und was die Vergleiche angeht…davon halte ich nix. Man sollte Musik nicht vergleichen. Jeder wird beeinflußt von der Musik die er hört. Ich habe alle Oasis-Platten inkl. Singles und zig Bootlegs zuhause. Allerdings nicht eine von No Use For A Name..

Ihr habt gerade eine ausführliche Tour hinter euch. Aber wie geht es in den nächsten Monaten weiter? Stehen schon die ersten Termine für den Sommer (Festivals) fest?

Wir werden jetzt erstmal ein paar Monate Pause und lassen das Album sacken. Ich werde derweil wieder verstärkt solo spielen um das Album weiter zu supporten. Im Sommer sollen dann die Festivals mit Band gespaßt werden. Wir sind bereits mit einigen Bookern im Gespräch. Erste Bestätigungen werden im März veröffentlicht werden. Im Herbst folgt dann Tour Teil 2.

Das letzte Wort gehört  gerne Dir….

Danke für das umfassende Interview & salem aleikum! 😉

Info: www.alex-amsterdam.de

(Markus A. Tils)