JD McPherson: „Eine infektiöse Form der Musik“

Im Rahmen seiner Show in Köln war es Smash-mag.com möglich mit JD McPherson ein kurzes Gespräch über sein Album „Signs and Signifiers“ sowie das Leben auf Tour zu führen. Dabei war auch Jimmy Sutton, der Bassist und Produzent von „Signs and Signifiers“. Im Folgenden lest ihr das, was der sympathische  Amerikaner zu sagen hatte…

Neben deiner Tätigkeit als Musiker bist du auch noch bildender Künstler. Beschreibe doch mal kurz, was du da so machst.

JD McPherson: Momentan habe ich für nichts außer der Musik Zeit, aber als ich als Künstler gearbeitet habe, war das, was ich gemacht habe, stark auf Videoinstallationen bezogen.

Und jetzt hast du den Schritt gemacht, ein Recording Artist zu sein….

JD McPherson: Ich mache gerne alle möglichen Sachen, es nimmt nur immer so viel Zeit weg. Aber wenn ich nach Hause komme, möchte ich am liebsten erst mal gar nichts machen. Aber in eineinhalb Jahren habe ich wieder eine Art-Show, da muss ich wieder ran an die Arbeit.

Nun, jetzt bist du ja nicht zu Hause, sondern on the Road, magst du das Tourleben?

JD McPherson: Ja, definitiv, es ist ein Abenteuer.

Ist das denn jetzt deine erste große Tour?

JD McPherson: Wir sind jetzt seit April non stop unterwegs, seit in den USA das Album erschienen ist. Die Shows in den Staaten waren sehr aufregend und jetzt sind wir gespannt was hier in Europa und Großbritannien passiert..

Und was ist denn jetzt das Besondere am Tourleben?

JD McPherson: Nun, das Aufregendste ist schlicht und einfach das Performen, darauf freut sich jeder in der Band jeden Abend aufs neue, dann kommt noch dazu, dass wir uns alle sehr gut verstehen. Es macht Spaß mit den Jungs von der Band rum zu hängen, obendrein ist es noch sehr schön, neue Städte kennen zu lernen, besonders, wenn man ein bisschen Zeit hat. Aber wie gesagt, Performen ist das Schönste.

Man könnte sagen, dass deine Musik altmodisch ist, was bedeutet dir diese Art von Musik?

JD McPherson: Ich glaube, jeder, der eine Band hat, wird früher oder später die Art von Musik spielen, die er selbst am liebsten mag. Viele von uns in der Band spielen diese Art der Musik schon sehr lange und haben sehr hart dafür gearbeitet, diese Art von Musik spielen zu dürfen. Für mich ist das einfach Rock and Roll, und zwar in seiner ursprünglichsten und pursten Form. Und es macht einfach Spaß, diese Form des Rock and Roll zu spielen, da die Leute, die zuschauen, eine gut Zeit zu haben scheinen, auch wenn sie mit dieser Art der Musik nicht allzu vertraut sind. Es ist eine infektiöse Form der Musik.

Was sind deine musikalischen Helden?

JD McPherson: Also, meine Helden sind Little Richard, viele von den New Orleans-Bluesleuten, das ganze Zeug von Specialty Label, aber auch Fats Domino, dieses ganze Rock/Blues-Zeug, Jimmy Reed, T Bone Walker, alles halt aus dem klassischen Rhythm and Blues und Rock and Roll-Bereich.

Wenn jemand sagen würde, die Musik, die du machst, ist nicht zeitgemäß, nur etwas fürs Museum, was würdest du antworten?

JD McPherson: Ich finde, wenn man nur krampfhaft versucht, etwas Neues zu erschaffen, was es noch nicht gegeben hat, dann könnte es sehr gut sein, dass das Zeitverschwendung ist, da alle Noten schon mal gespielt wurden. Musiker sollten einfach die Musik machen, die sie bewegt um dann eventuell andere Leute mit dieser Musik wiederrum zu berühren.

Jimmy Sutton:   Mal davon abgesehen, wir sind bisher nicht mit so einem Vorwurf konfrontiert worden. Die Leute sagen nicht, das ist alt im Sinne von angestaubt, die Leute sagen: „Wow, das ist zwar altmodische Musik, aber sie hört sich frisch und unverbraucht an.

JD McPherson: Wenn ich einen Song schreibe, achte ich darauf, dass die Lyrics zeitgemäß sind, sie müssen aus der jetzigen Zeit stammen. Aber  es gibt darüber hinaus gar nicht so viele Bands, die das machen, was wir tun, das macht uns ein wenig besonders. Es gibt tonnenweise Künstler und Bands, die Sachen machen, die es vorher schon gab. Alle Künstler, die Jazz oder Blues spielen, oder Zentralamerikanische Musik oder Polka, greifen auf das zurück, was es schon gibt. Oder selbst elektronische Musik, die gibt es schon seit den Sechzigern, es ist irgendwie schon mal alles gemacht worden.

Jimmy, könntest du deine Rolle während des Aufnahmeprozesses von „Signs and Signifiers“ beschreiben?

Jimmy Sutton: Ich habe erst mal das Equipment rangeschafft und das Studio zur Verfügung gestellt. Ich habe mit JDn abgemacht, dass er nach Chicago kommt und ich die Platte produziere um sie dann auf meinem Label zu veröffentlichen. Außerdem habe ich die Musiker für dieses Album ausgesucht, großartige Musiker, die ich während meines Lebens in Chicago kennen gelernt habe. JD selbst hat schon unheimlich viel mitgebracht, ich habe nur geholfen, dass er sich auf seine Arbeit konzentriert und wollte sicher gehen, dass wir das Beste aus ihm raus holen.

JD McPherson: …außerdem hat er einen Killer-Bass auf diesem Album gespielt.

Einer der herausragendsten Songs auf „Signs and Signifiers“ ist meiner Meinung nach der Titeltrack, welcher eine Art fiebrige Atmosphäre hat….

JD McPherson: …cool….

….wie hast du diesen Song geschrieben und welche Rolle nimmt er im Rahmen des Albums ein?

JD McPherson: Dieser Song wurde geschrieben, als ich anfing, mich wohler im Studio zu fühlen und realisierte, dass Jimmy einen weiter gefassten Begriff davon hatte, was wir mit unserer Musik erreichen könnten. Als ich mich also wohler fühlte im Studio und mit Jimmy, begann ich, mehr ungewöhnliche Songeinfälle zu haben. Es ist einer meiner Lieblingssongs bei den Konzerten und auf der Platte. Ich mag, dass er irgendwie meditativ ist und bin sehr stolz auf diesen Song.

Zwei Songs, „Wolf Teeth“ und „Firebug“, stechen ebenfalls heraus, sie tragen eine gewisse Hysterie in sich, als würde grade ein Haus abbrennen. In was für einer Stimmung musst du sein, um solche Songs zu schreiben?

(Zuruf von der Band): wenn er betrunken ist…

JD McPherson: ja, wenn ich betrunken bin( lacht), ..nein, jetzt mal im Ernst: „Wolf Teeth“ war eine verrückte Idee, und wurde zum großen Teil im Studio zusammengesetzt, das war so ein spontanes Gedankenflussding. „Fire Bug“ hatte ich schon geschrieben, bevor ich nach Chicago gekommen bin und ich hatte eine ziemlich deutliche Vorstellung davon, wie der Song klingen sollte. Ich habe zu der Zeit  viel Latino Rock and Roll-Zeugs gehört, und die hatten alle so einen besonderen Sound, zum Beispiel mit den ganzen Tomms. Und so ist daraus so ein Latin-Ding geworden, das war sehr inspirierend. „Wolf Teeth“ war dagegen nur Blödelei.

Auf der anderen Seite gibt es dann einen Song wie „A gentle Awakening“, zart, ruhig, soulfull. Dieser Song hat meiner Meinung nach nicht dieselben Wurzeln wie die anderen Songs auf dem Album, stimmt das?

JD McPherson: Ich weiß, dass der Song sich sehr verschieden zu dem restlichen Album anhört, aber eigentlich kommen viele Bestandteile aus derselben Richtung, wie bei den anderen Songs, die Drums zum Beispiel sind fast gleich mit denen vom Song „Rumble“. Unsere Absicht war: lasst uns den Song machen und dazu die Drums von „Rumble“ nehmen, welches eines der größten Rock-Instrumentals aller Zeiten ist. Und auch die Tremolo-Gitarren wurden von den ganzen alten Helden wie Bo Diddley  und Mickey Baker benutzt. Wir versuchen generell diese ganzen alten Einflüsse zu nehmen um sie dann zu etwas Neuem zusammen zu setzen.

Man merkt, dass ihr euch sehr wohl mit dem fühlt, was ihr gerade macht. Aber habt ihr schon eine Ahnung wie die nächsten Jahre aussehen werden?

JD McPherson: Wir freuen uns schon sehr darauf, ein neues Album zu machen, damit wollen wir nächstes Jahr anfangen. Wenn dieses Album jetzt in eine bestimmte Richtung geht, wird das nächste Album diesen Weg weiter fortsetzen, ein bisschen weiter draußen aber in derselben Stoßrichtung. Wie du schon festgestellt hast, sind wir sehr an Atmosphären in den Songs interessiert. Es gibt auch wirklich viele moderne Platten, die uns zu neuem Material inspirieren, also, wir können es kaum abwarten, wieder ins Studio zu gehen.

Letzte Frage, was erwartest von dem Konzert heute Abend?

JD McPherson: Wir haben schon ein bisschen vom Vorverkauf mitbekommen, so dass wir schon wissen, dass eine ordentliche Menge Leute kommen werden. Es wird spannend, unsere Musik Leuten vorzustellen, die wir noch nie getroffen haben und umgekehrt hoffe ich, es wird auch spannend für sie, so dass es eine ausgeglichene Win/Win-Situation wird.

JD, danke für das Interview

Info: www.jdmcpherson.com

(Martin Makolies)