TIGER LOU: Give Warmsingen a chance

(17.04.2009, Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus) Es ist Frühling und trotzdem frieren wir uns den Arsch ab, als wir vor den Türen des KIOTO (Kultur Im OsterTOr) auf den Einlass warten. Um uns herum tummeln sich die üblichen Indie-Cliquen und fiebern dem ersten Deutschlandkonzert von Tiger Lou in diesem Jahr entgegen. Es geht eine enge Treppe hinauf, bevor wir im großzügigen und schön aufgeteilten Innenraum stehen und uns das erste Beck’s bestellen – wir sind ja schließlich in Bremen.

Sehr zeitig geht die Vorband Muxika77 ans Werk. Die Schweden geben sich ruhigen und melancholischen Soundgerüsten hin, versprühen wenig Energie und sind vom Begriff „warm up“ in etwa soweit entfernt wie Boris Becker von Monogamie. Da hilft auch eine bildhübsche Bassistin nicht großartig weiter. Einzig der Gesang – eine Kreuzung aus The Whitest Boy Alive und Kurt Cobain – reißt noch etwas heraus. Nicht schlimm also, dass Muxika77 genauso zeitig aufhören, wie sie ihren Auftritt begonnen haben.

Vor zwei Wochen spielten Tiger Lou einen Gig in Schweden, seitdem hat die Band eine kurze Tourpause. Außerdem, so lassen wir es uns von Tourmanager André sagen, hat Frontmann und kreativer Kopf Rasmus Kellerman vor der Show „eine Stunde lang ein professionelles Warmsing-Programm absolviert“ – was soll da also heute schief gehen?
Es geht nichts schief. Bereits mit dem Opener „Sam, As In Samantha“ beweist das Kollektiv aus Schweden eindrucksvoll, dass es eine herausragende Live-Band ist. Wir stehen direkt neben dem Mischer der Band und stellen beeindruckt fest: Der Typ liebt und lebt die Musik von Tiger Lou. Er ist vollkommen in seinem Element und geht mehr ab, als das gesamte Publikum den ganzen Abend über. Mit zwei älteren Songs geht es wunderschön weiter: „Sell Out“ und „Functions“ markieren einen der wenigen fröhlichen Momente in der Musik der Schweden. Denn spätestens seit der zweiten Platte „The Loyal“ ist das Songwriting von Rasmus Kellerman stark in düstere Gefilde gedriftet – keine schlechte Entwicklung, aber es ist ja allgemein doch schöner, wenn man mit einem Lächeln vom Konzert nach Hause geht. Das ist bei uns aber nicht anders. Nach knapp 90 Minuten und zwei Zugaben gehen wir sehr zufrieden an die Bar und bestellen das Finale Bier des Abends. Grund für die gute Laune war die weiterhin hohe Qualität der Show und allem voran der Über-Song „Oh, Horatio“. Schöner kann Musik nicht sein. Im KIOTO brandet unterdessen nur mittelmäßiger Applaus für eine großartige Performance auf.

Info: www.tigerlou.net

Setlist:

Sam, As In Samantha
Sell Out
Functions
Trails Of Spit
Coalitions
Albino Apparel
An Atlas Of Those Our Own
The More You Give…
Oh, Horatio
Warmth
The Loyal
Nixon
Like My Very Own Blood

Until I’m There (Zugabe)
Crushed By A Crowd (Zugabe)

(Felix Neumann)