VAINSTREAM: Sonne, Blattläuse und Regen

(03.07. – 04.07.2009, Münster, Am Hawerkamp) Das Line-Up der vierten Auflage des Vainstream Rockfest präsentierte eine erneut gelungene Mischung aus Hardcore, Punk, Folk und Metal. Bei brütender Hitze und heftigen Regenschauer feierten 10.000 Besucher ein berauschendes Festival.

Viele Besucher standen noch in der Schlange, um durch das kleine Nadelöhr am Hawerkamp aufs Gelände zu kommen, als die Lokalmatadore von „Mr. Irish Bastard“ das Festival mit ihrem Folk-Punk eröffnen. Ein Grund, warum der Andrang schon so früh, so groß war, waren die Briten von „Bring Me The Horizon“, die alleine mit ihrem Auftreten die meist jungen weiblichen Besucher zu Kreisch-Attacken verführte. Ja, so was gibt es auch bei Bands die DeathCore spielen! Routinierten Punk legen „Bouncing Souls“ an den Tag, bevor „Muff Potter“ die Herzen ihrer Heimat mit Wohlwollen beflügelten. Ein Heimspiel für das Quartett die ihr aktuelles Album „Gute Aussicht“ präsentierten. „Walls Of Jericho“ sind live eine Bank und Frontfrau Candace Kucsulain ein echtes Energiebündel. Die Exoten waren zweifelsohne die Hip-Hopper von. K.I.Z. Die forderten anstelle einer „Wall Of Death“ die „Wall of Love“, bei der sich die Teilnehmer beim Zusammentreffen umarmen sollten. „Dillinger Escape Plan“ waren ebenfalls einer der Highlights des Tages. Deren Interpretation von Chaos man einfach lieben muss. Das Frontmann Greg Puciato ohne Ende Muskel hat, stellte er unter Beweiß in dem er die Bühne hochklettere, seine Füße einhakte und sich kopfüber nach unten baumeln lies und mühelos wieder seinen Oberkörper hochzog.

Das Wetter wechselte und die Vorboten waren grüne Blattläuse, die das Festivalgelände wie Heuschrecken in Beschlag nahmen. Von der brütenden Hitze war nicht mehr viel übrig und es goss plötzlich wie aus Kübeln. Glück hatten die, die an den Bierbuden Unterschlupf fanden.
„Ignite“ waren und sind weiterhin die Lieblinge der Fans und sorgten dafür, dass der Regen zur Nebensache wurde. Rockiger ging es dann mit „The Gaslight Anthem“ weiter. Letzte Woche standen sie noch gemeinsam mit Bruce Springsteen beim Glastonbury-Festival auf der Bühne und performten „59 Sound“. Aber auch ohne „The Boss“ legten „The Gaslight Anthem“ einen mitreißenden Auftritt hin. Wie von der Tarantel gestochen tobte „Cyco Mike“ –  natürlich mit blauer Bandanas – über die Bühne. „Suicidal Tendencies“ zeigten, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und hauten ein fettes Brett Hardcore hin. „Gogol Bordello“ brachten noch einmal ausgelassene Stimmung mit ihrem Gypsy-Punk und gaben den Besuchern die Gelegenheit noch einmal alle Kräfte zu sammeln, um den Headliner des Abends zu feiern. „Hatebreed“ kamen mit jeder Menge Pyrotechnik und sorgten für einen fulminanten Auftritt, das jedes Hardcore Herz höher schlagen lies. Das Publikum war gefesselt vom Brachial-Sound und verausgabte sich kompromisslos.

Der zweite Tag begann damit, dass man durch die Einkaufsstrassen Münsters flanierte. Anhand der blauen Festivalbändchen an den Armgelenken erkannte man die Besucher des Vainstream Rockfest, die sich in den Cafes tummelten und das schöne Wetter in der Stadt genossen. Das „Sightseeing“ hatte den Nachteil, dass „The Casting Out“, mit den Ex-Boys Sets Fire Mitgliedern Nathan Gray und Joshua Latshaw, ohne einem auskommen musste. Erst als „Sonic Syndicate“ auf der Bühne standen, war man wieder mit von der Partie und freute sich eher auf die Straight Edger von „Have Heart“, die sich auf Abschied-Tour befinden. Doch deren Auftritt konnte die Erwartungen nicht erfüllen, da die Band recht gelangweilt wirkte. Das Feuer scheint wohl wirklich aus zu sein. Schade. Anders „Devil Driver“, die von der tobenden Menge frenetisch abgefeiert wurde. Mit im Gepäck das neue Album „Pray for Villains“, welches just im Moment erschienen war. Für die darauf folgenden „Maroon“ galt ähnliches: Neues Album, neue Songs und ein Publikum, welches einfach nur Lust hatte ordentlich abzugehen. Außerdem waren „Maroon“ einer der wenigen Bands, die dem verstorbenen King Of Pop gedachten und im standesgemäß „Wake Up In Hell“ widmeten. „Dark Tranquillity“ konnten einem schon etwas Leid tun. Bis auf ihre Anhängerschaft, die nicht sehr groß war, suchten die meisten Besucher bei dem Auftritt der Schweden Zuflucht zwischen den Getränken- und Fressbuden. Nicht jeder stand eben auf Melodic-Death-Metal.

Bei „Terror“ steppte der Bär. Nicht nur, weil Shouter Scott Vogel gleich zu Beginn das Publikum aufforderte die Bühne zu stürmen, was auch direkt geschah, sondern weil sie auch für Authentizität im Hardcore stehen und dies eindrucksvoll vermittelten. „Heaven Shall Burn“ hatten mit einem Stromausfall zu kämpfen. Sänger Marcus Bischoff & Co. wechselte spaßeshalber die Bühne und das Publikum ging unerwartet mit rüber, bevor HSB ihren Spaß auflösten und auf der eigentlichen Bühne ihr Set fortsetzten. Die Crowdsurfer kamen auf ihre Kosten und ein einfaches „Um den Turm, ihr wisst schon“, reichte aus, um den Cirle-Pit, um den Mischer-Turm laufen zu lassen. Der Auftritt der Thüringer war das Highlight des zweiten Tages. Parkway Drive sind ähnlich wie die am Vortag auftretenden „Walls Of Jericho“ eine immer wiederkehrende Band, bei der man weiß, worauf man sich einlässt. Dementsprechend gab es jede Menge Mosh und Moves im Pit. Zu guter Letzt durften die Metaller von „Dimmu Borgir“ ran, die in kriegerischen Rüstungen und mit jeder Menge Pyrotechnik die Bühne zum Vorhof der Hölle machten und das gelungene Festival beendeten

Info: www.vainstream.com

(Markus Tils)