PRESSURE FESTIVAL: Part II

(08.09.2009, Oberhausen, Turbinenhalle) Ich muss vorausschicken, dass ich leider nur am Samstag und da erst zur Hälfte des Gigs von TRASH TALK anwesend war. Was für ein Bild bot sich mir dar? Ein eher tristes…die große Halle wirkte beinahe verlassen.

Vor der Bühne tummelten sich gerade einmal anderthalb Reihen Zuschauer und dahinter klafft der obligatorische Moshpit. Der Fronmann der californischen Kombo spackt ab auf der Bühne, dehnt sich nach vorne und hinten und ruft „gymnastics“. Er taumelt, springt in den Graben und macht dort unbekümmert weiter als wäre nichts passiert. Im Pit ein paar verrückt tanzende Menschen. Man kommt sich eher vor wie auf einer Hippieparade als auf einem Konzert. Nach der Umbaupause geben sich die Macker von CDC aus Pennsylvania die Ehre (weiß jemand, wofür genau die Buchstaben stehen? Ich kenn da schon zig Varianten..). Jedenfalls ging da – zum Glück einmalig an diesem Abend – die wilde Beatdown-Luzie ab (is halt Geschmackssache, ne?). Zahlreiche Menschen in Baseball-Hosen mit dem bekannten Schriftzug versammelten sich im Pit und feierten ihre Helden. Nach dem letzten Ton der letzte Kickboxer und weiter im Takt.

Etwas Verwirrung entstand, als dann statt FUCKED UP plötzlich CASEY JONES aus Jacksonville auf der Bühne standen. Die Programmänderung wurde anscheinend so kurzfristig vollzogen, dass das noch nicht einmal auf dem aktuellen Schedule (mit dem Hinweis, dass CEREMONY, D.Y.S. und AMBRUSH abgesagt hatten) stand. Saugeil war’s trotzdem. Schade für diejenigen, die jetzt draußen standen und von der Änderung nichts wussten. Josh James fegte mit einem Elan über die Bühne, der seinesgleichen sucht, hüpfte, sprang, blieb eine Weile im Graben ganz nah an der ersten Reihe, hechtete wieder hoch und umringelte seine Crew. Gleich danach dann tatsächlich  die Kanadier von FUCKED UP, die mit gleich 3 gitarren aufwarteten. Beeindruckend war die Show nicht zuletzt wegen des schwergewichtigen und bärtigen Frontmanns, der zwar nicht viel rumsprang, aber sich gleich zu Anfang obenrum entkleidete, so dass einem buchstäblich die Spucke wegblieb. Was zu sabbern gab es dann auch bei  EVERGREEN TERRACE (die zweite Band aus Jacksonville) – der Band mit dem Surfer-Sunnyboy am Mikro.  Der meckerte dann auch gleich mal darüber, wie leise das Publikum war und wollte zum Dank von den Boxen springen, wurde aber von einem Security-Typen abgehalten.

Allerdings hatte hier die geringe Besucherzahl seine Vorteile, denn wann steht man bei EVERGREEN TERRACE schon mal gemütlich in der ersten Reihe? Der Auftritt war mäßig. Man merkte der Band einfach an, dass sie entweder tourmüde waren, oder aber sich ein begeisterteres Publikum gewünscht hätten. Ähnlich ging es wohl auch den New Yorkern (from the heart, denn einige Bandmitglieder leben Mittlerweile in LA, aber wie blöd klingt LA-HC?!) H2O, auch wenn Toby Morse und Konsorten sich alle Mühe gaben, eine energetische und richtig tolle Show zu liefern. Zumindest schafften sie es, Singalongs und Twostep anzuheizen und legten schonmal eine solide Basis für die Urgesteine des New York Hardcore – AGNOSTIC FRONT (die hatten übrigens eines der geilsten, wenn auch einfachsten Bandshirt-Ideen: AGNOSTIC FRONT (vorne), AGNOSTIC BACK (hinten) – aber das nur am Rande). So ein Auftritt von AF ist immer was Besonderes. Man mag von Roger Miret halten was man, will, aber sein Hulk-Hogan-Charme zieht einfach. Vor allem ist einfach jeder mit der Musik aufgewachsen und spätestens bei „Get it On“ bleibt kein grölender Hals still und mag er vorher auch noch so stumm gewesen sein. Geiler Scheiß!!

Was bleibt zu sagen außer dass es mir trotz aller Punktabzüge – zu große Location mit eher schlechtem Sound und blendend greller Lichtanlage – gefallen hat. Alle schienen Spaß zu haben, keiner zog das Gesicht lang und jeder labte sich an dem exquisiten Essen der Vegan Fastfood Crew. Was will man eigentlich mehr?

Info: www.pressurefestival.com

(Lyra Nanerendij)