MUNFORD & SONS: Grundgütiger!

(19.11.09, Köln, Gebäude9)  Es gibt solche Tage, da ist alles in Ordnung und man möchte nirgendwo anders sein, als da, wo man gerade ist. Dies ist so ein Tag. Die Erdrutsch-Folker von Mumford &Sons spielen heute Abend auf, im Reisegepäck haben sie „Sigh No More“, heißester Kandidat für das Album des Jahres, dabei.  Den Jungs aus England eilt ein kolossaler Ruf, was ihre Live-Qualitäten betrifft, voraus. Ein Bekannter hat es mal so zusammengefasst: „Wenn du die Chance hast, Mumford & Sons live zu sehen, geh nicht hin, renne!“

Und diesem Appell  folgen heute Abend auch jede Menge Menschen, das Gebäude 9 ist voll bis zum Rand. Dass dies ein schöner Abend wird, deutet sich schon recht früh an, Grund dafür: der Support-Act Kristoffer Ragnstam ist für sich gesehen schon eine Wucht und würde einen Konzertbesuch nur seinetwegen rechtfertigen. Der Schwede und seine Begleitband spielen eine halbe Stunde lang das, was man gemeinhin wohl Powerpop nennt. Emotional glaubwürdig, immer mit einem verschmitzten Lächeln vorgetragen,  breitet Ragnstam seine unheimlich clever komponierten, dabei dennoch unmittelbar mitreißenden Kleinode vor dem Publikum aus, welches diese nur zu gerne annimmt. Das erinnert manchmal ein wenig an Moneybrother, ab und an auch an Springsteen, ist im Kern aber einfach nur Kristoffer Ragnstam.  So weit so gut, die Stimmung ist bestens, der Hauptact kann kommen.

Und was dann die nächsten anderthalb Stunden passiert, ist schwerlich in Worte zu fassen. Machen wir es uns mit der Beschreibung erst ein mal etwas leichter und halten fest, dass da vier Jungs, schüchtern lächelnd, auf die Bühne kommen, in einem Outfit, welches die Assoziation Hühnerdieb aufkommen lässt. Es erklingen die ersten Töne von „Sigh No More“, dem Titeltrack des Albums, Marcus Mumford fängt mit einer Stimme, die trotz ihrer Rauheit unendlich gefühlsbetont bleibt, die ersten Zeilen zu singen an und spätestens, wenn Tempo und Intensität des Songs anziehen, ist man einfach nur dankbar, dass man in diesem Moment an diesem Ort ist und wünscht sich nur, dass man dies mit allen Menschen, die man gern hat, teilen könnte. Denn dieses Konzert gerät zu einem Manifest des Zwischenmenschlichen, die Songs kommen auf der Bühne noch intensiver, noch grundsätzlicher rüber, als es schon auf dem brillanten Album der Fall gewesen ist. Egal ob es die eher schnellen Nummern sind, wie „Little Lion Man“ oder „The Cave“ oder ob man gerade den schwermütigen Songs( die aber ebenfalls eine unfassbare Wucht besitzen), zuhört, dieses Festival der unverstellten Gefühle lässt niemanden unberührt. Man hat das Gefühl, dass diese Band um ihr Leben spielt, wenn sie auf der Bühne steht, wobei sie dabei merklich Spaß hat, in „Awake my Soul“ fasst es Marcus selbst am  besten zusammen: „Where you invest your love, you invest your life“. Es fällt schwer, einzelne Songs herauszuheben, da jeder auf seine Weise einen Höhepunkt darstellt. Vielleicht sei hier einfach nur auf den schönen Umstand hingewiesen, dass gerade die Songs besonders beeindruckend sind, die man auf dem Album nicht unbedingt als seine absoluten Favoriten betrachtet hat. Freilich ist dies aber eine völlig subjektive Einschätzung, die von Zuschauer zu Zuschauer variiert. Was aber für jeden dieselbe Gültigkeit besitzt, ist folgendes: Mit diesem Konzert haben Mumford& Sons ungefähr 500 Menschen einen unvergesslichen Moment geschenkt, dessen Erinnerung zu einem kostbaren Schatz wird. Und, ohne überheblich zu wirken: Ich durfte in den letzten Jahren doch so einige Konzerte besuchen,  aber dass das gesamte Publikum ohne Ausnahme derart entrückt und, hier ist der Begriff durchaus angebracht, beseelt ein Konzert verlassen hat,  habe ich so noch nie erlebt. Und so bleibt an dieser Stelle nichts Weiteres zu sagen, als: Danke!

(Martin Makolies)