MAN THE CHANGE: Angst vor’m schwarzen Mann?

(06.01.2010, Essen, Emokeller) Die lokale Punk- und Hardcorejugend (ich verstehe „Jugend“ jetzt mal im mentalen Sinne) hatte sich schon früh am Abend versammelt und wartete mal wieder ungeduldig darauf, dass das Konzert beginnen möge. Im Emokeller Essen zieht sich das bekanntlich immer ein wenig hin, auch wenn die Konzerte der beiden voneinander unabhängigen D.I.Y.* -Konzertgruppen immer in der Wochenmitte stattfinden. Also lenkten sich die Besucher erst einmal ab mit leckerem veganen Essen auf Spendenbasis, Softdrinks und Süßkram. Um halb neun – anderthalb Stunden nach Einlass – konnte es dann endlich losgehen.

Zu aller erst präsentierten THE OMNIPRESENT DISEASE aus Unna ihren „auf die Fresse-Thrashpunk“ und spielten – man weiß nicht ob aus künstlerischen Gründen – bis auf den Schlagzeuger alle die meiste Zeit über mit dem Rücken zum Publikum. Man hatte den Eindruck, einer Proberaumsession beizuwohnen. Was einerseits sicherlich an der gewölbeartigen Location, aber andererseits auch daran lag, dass zumindest das ungeübte Nicht-Punker-Ohr die Lieder nicht so recht voneinander unterscheiden konnte.

Nach einer kurzen Umbaupause gaben sich MUSCLES FROM BRUSSELS aus Solingen die Ehre, deren Gitarrengedudel angenehm vertraut an FALL OF TROY erinnerte. Rumgewirre, getanze und zwischenzeitlich ein unfreiwilliger Pantomimeakt des Sängers wegen Mikrofonproblemen. Wodurch die Band nun überzeugte ist nur schwer zu benennen. Aber sie tat es und zauberte ein Lächeln auf jeden Fußwipper. Zu mehr reichte es leider nicht. Und das sollte den Rest des Abends auch so bleiben.

Die Bewegungsfaulheit des Essener Publikums wollte der Sänger von MAN THE CHANGE aus Mannheim nicht unkommentiert auf sich sitzen lassen. Während der ersten zwei Songs vermampft der barfuß spielende Wirbelwind mit Afro erstmal einen Kirschmuffin und teilt ihn geschwisterlich mit dem Publikum. Als dann das Eis immer noch nicht bricht und die Menge sich einfach nicht mitreißen lässt, folgen provokante Sprüche wie: „Habt ihr zu lange ‚wer hat Angst vor’m schwarzen Mann‘ gespielt, oder was ist los mit euch?“ und „In Nazi-Ulm hatten die weniger Probleme mit nem farbigen Sänger!“ Die Menge schaut betreten auf ihre Füße oder grinst albern vor sich hin, aber aus der Reserve locken lässt sie sich nicht. Bleibt die Frage, ob die Essener wirklich solche Konzertspaßbremsen sind, oder ob den Leuten noch der Jahreswechsel in den Knochen saß. An den Bands lag die fehlende Stimmung jedenfalls nicht.

Info:
www.myspace.com/theomnipresentdisease
www.myspace.com/mymusclesfrombrussels
www.myspace.com/manthechange

(Lyra Nanerendij)

* (D.I.Y. = Do It Yourself; das bedeutet, dass es sich nicht um einen professionellen Konzertveranstalter handelt, sondern um eine unkommerzielle Veranstaltung, die von Leuten organisiert wird, die einfach Spaß daran haben.)