MONEEN / EMERY / DEAF HAVANA live in Hamburg

(24.03.2010, Hamburg, Logo) An diesem Abend kamen die drei Bands MONEEN, EMERY und DEAF HAVANA zusammen, um dem Hamburger Publikum ihr Können unter Beweis zu stellen. Eigentlich sollte EMERY der Hauptact an diesem Abend sein, dennoch, würde ich die anderen Bands nicht als Vorband bezeichnen, denn das hätte besonders MONEEN nicht verdient.

Das Logo zählt in Hamburg zu den eher kleineren Clubs, fernab von der Reeperbahn, wo normalerweise fast alle Konzerte veranstaltet werden. In das Logo passen ca. 450 Leute, von diesen waren aber verwunderlicherweise nur ca. die Hälfte vor Ort.  Musikalisch gab es an diesem Abend eine Mischung aus Punkrock / Emo / Hardcore um die Ohren.

DEAF HAVANA ist eine post-hardcore Band aus Norfolk, England und hierzulande wohl eher bei dem eher jüngeren Publikum bekannt. Zwar war auch ein Großteil natürlich wegen EMERY dort, aber die Texte waren bei den Jüngeren nicht unbekannt. Die Band hat durchweg eine gute Perfomance abgeliefert und kann sich live sehr gut durch den Frontman Ryan präsentieren. Von der Aufstellung her konnte man einen guten Vergleich zu ALEXISONFIRE ziehen, denn die Hauptstimme kam durch Gitarrist James. Shouts und Hin- und Her-Gehopse gab es dann durch Sänger Ryan. Am Anfang wollte das Publikum noch nicht wirklich im Stimmung kommen, doch spätestens nach dem dritten Lied, gab es für die jungen Besucher im Publikum kein Halten mehr. Nach einer halben Stunde musste die Band Platz für die nächste Band machen. DEAF HAVANA sind musikalisch definitiv auf einem guten Niveau, jedoch fehlte etwas Persönlichkeit in ihrer Musik, denn einen richtigen Wiedererkennungswert hatten sie nicht.

MONEEN präsentierten mit dieser Tour ihr neues Album „The World I Want To Leave Behind“. Die kanadische Band aus Brampton war in Topform und schienen ganz heiß auf das deutsche Publikum zu sein, denn seit Oktober 2008 waren sie nicht mehr in Deutschland auf Tour. Die Jungs bretterten gleich zu Anfang los und ließen wahrhaftig nichts anbrennen. Sie präsentierten ein Set aus alten und neuen Liedern, wobei die alten Lieder etwas besser ankamen als die neuen, vermutlich da sie etwas Hardcore lastiger sind und mehr zur Sache gehen, als die neuen. Dass eine Setlist nicht unbedingt in Stein gemeißelt sein muss, zeigten die Jungs wirklich sehr gut, denn ein Besucher schrie ein Lied ins Publikum und die Band widmete das Lied seinem Besucher. Wer braucht schon Setlists, wenn es auch anders geht. MONEEN hat bewiesen, wie wichtig Entertainment auf der Bühne ist. Denn sie ist wirklich keine Band, die einfach nur ihre Lieder zum Besten gibt, sondern das Publikum involviert und es direkt anspricht.  Gleich zu Beginn ließ es sich ein Fan nicht nehmen, den Moshpit sein eigen zu nennen und moshte alles weg was im 3 Metern Umkreis um sich stand, auch die jungen Besucher, die auf einmal gar nicht mehr im Mittelpunkt standen, da sie Moneen wohl kaum kannten. Natürlich blieb das bei der Band nicht unbemerkt und Sänger Kenny versuchte den Fan während er spielt mit seinem Kopf, wie ein Stier wegzudrücken. Allemal amüsant. Auch die Presse musste hartes Fell beweisen, denn Kenny war wirklich Feuer und Flamme und stützte sich mit einem gezielten Griff am Kopf unseres Fotografen ab, da er anscheinend Platz zum performen brauchte. Kurz vor Ende trommelte er dann mitten im Publikum auf einer Tom und lief anschließen damit im Logo herum. Zum Schluss drückte er seine Gitarre einem Besucher in die Hand und beendete somit den Auftritt. MONEEN sind eine großartige live Band, von denen sich andere 0815 Emo-verschnitt Bands etwas abschauen können.

EMERY aus Seattle, Washington, welche oftmals als Christen-Band abgestempelt wird, betrat als letztes die Bühne an diesem Abend. Von Heiligtum und Gott war zumindest live nichts zu sehen, denn sie ließen genau wie alle anderen Bands auf der Bühne die Sau raus. Jetzt kamen die jungen Wilden und auch alle anderen wieder auf Tour und verwandelten das kleine Logo in einen Moshpit. Die Lieder von EMERY haben sehr oft einen ähnlichen Aufbau und bestehen aus feinfühligem und rauem Gesang sowie einer Menge Shouts was es für die Band einerseits etwas schwer Machte  abwechslungsreiches Set zu erstellen. Keyboarder Josh, der für die Shouts verantwortlich ist, hat jedoch die Musik wahrhaftig gelebt und ist auf der Bühne, wie wohl auch alle anderen, zu Hause. Er spielte Keyboard, als würde er gerade auf einem Metalkonzert headbangen und lief während seiner Shouts auf der Bühne auf und ab. Zwar lassen EMERY ihre Gläubigkeit auf der Bühne nicht raushängen, jedoch wurden sie vom Publikum wie Götter gefeiert. Gerade bei den Liedern „Studying Politics“ oder „Miss Behavin“ feierte das Publikum besonders. EMERY standen an diesem Abend für mich im Schatten von MONEEN, denn die live Performance von den Kanadiern konnten die Jungs von EMERY nicht toppen. Ihr einziger Vorteil war wohl, dass sie einzig und allein bekannter und an diesem Abend der Hauptact waren.

Info:
www.myspace.com/deafhavana
www.myspace.com/moneen
www.myspace.com/emery

(Marina Micic)
Foto: Nico Ackermeier (www.honeymilk.de)