Emery / Moneen / Deaf Havana live in Köln

(05.04.2010, Köln, Luxor) Bei Hysterie und kreischenden Mädchen hört der Spaß eigentlich auf, oder? Da geht man auf ein Konzert um Moneen und Emery zu sehen und bekommt eine Ladung Teenager-Gehabe. Osterferien! Schülerinnen haben frei – Verdammt!

Die Englänger von Deaf Havana dürfen an diesem Abend eine Mischung aus ehemaligen Tokio Hotel und Killerpilze Fans ihr Eigen nennen. Es sind so ca. 10 „Girlies“ mit bunten Strähnen im Haar, die so tun als ob Bill Kaulitz vor ihnen stehen würde. So ganz kann man das nicht nachvollziehen, da die Post-Hardcore Mischung von Deaf Havana nicht sonderlich „neu“ oder „revolutionär“ ist, eigentlich eher langweilig. Die Girls stehen drauf, weil hier wohl alle Teenager-Klischees erfüllt werden: Tattoos, Scheitel und Milchbubi-Gesichter. Beim letzten Song stürmen die Nachwuchs-Groupies sogar die Bühne, fallen den Jungs um den Hals und grapschen an deren Hintern rum. Contenance? Nicht heute. Gott sei dank, dass dieser Kindergarten nach dem letzten Song gleich nach hinten zum Merchstand verschwand, um dort die Band zu treffen.

Am heutigen Ostermontag sind nicht wenige nur wegen Moneen da. Die Band aus Kanada hat leider nur den Support-Status inne und somit nicht allzu viel Zeit ihr neustes Album „The World I Want To Leave Behind“ zu präsentieren. Die Songs klingen kraftvoll und pusten den vorherigen Support schnell aus dem Gedächtnis. Das Luxor rückt näher zusammen und der Funke zwischen Band und Publikum entflammt. Gitarrist Chris Hughes wird von Sänger Kenny Bridges als Hippie vorgestellt, der mit seinen Dreadlocks im wahrsten Sinne des Wortes für viel Wirbel sorgt. Brigdes entgegen fungiert als Kommunikator zwischen Band und Publikum. Er unterhält, es macht Spaß und irgendwie wünscht man sich, dass man Moneen gerne auf eine Headliner Tour „für sich“ hören und sehen könnte. Mit „The Passing Of America“ endet das Set von Moneen. Doch bevor der letzte Ton erklingt, lässt es sich Bridges nicht nehmen auf die Schulter der vorderen Reihen zu steigen um eine Trommeleinlage zu absolvieren. Gebührender Applaus für diese Aktion. Mehr als sympathisch auch die Preise für die Bandshirts. 10 Euro und „Hugs For Free“. Was will man mehr?

Mit „The Party Song“ entern Emery nun die Bühne und werden gleich gefeiert. Das Luxor rückt noch enger zusammen als zuvor und wer zum Ausgang einen Blick wirft, der stellt fest, dass hier noch einiges rein gegangen wäre. Somit dürfen es wohl gut 300 Leute sein, die den Osterabend mit Emery verbringen. Das Publikum wird angestachelt von Keyboarder Josh Head, dessen Tanz- und Zappelperformance einfach der Brüller ist. Nebenbei haut er auch mal auf die Tasten und sorgt für die absoluten Schrei-Attacken innerhalb der Emery Songs. Die ersten drei Songs gehören Toby Morrell, der gewohnt sehr gestenreich seine Songs performt. Nicht weniger gestenreich übernimmt Bassist Devin Shelton ab „Rock’n’Rule“ das Mikro und zeigt eindrucksvoll, dass er stimmlich locker mit Toby Morrel mithalten kann. Ein kurzweiliges Set bieten Emery,  sind angetan von der Resonanz, die sich über die letzten Wochen hier in Deutschland erfahren haben und bedanken sich mit breitem Grinsen. Zum Abschluss gibt es mit „Walls“ wohl den bekanntesten Song von Emery und als Zugabe „So Cold I Could See My Breath“ und natürlich „Studying Politics“.

Info:
www.myspace.com/deafhavana
www.myspace.com/moneen
www.myspace.com/emery

(Markus Tils)