ANBERLIN live@Underground Cologne

(17.08.2010, Köln, Underground) Bei der Ankunft erwartet mich eine Menschenschlange bis zum Ausgang mit vielen aufgeregten Menschen, die darum bangen, noch einen der ersehnten Abendkassen-Plätze zu bekommen.

In der Ferne erklingen schon die ersten Töne der Vorband BREITENBACH. Im Underground angekommen, schiebe ich mich an den Rand der Bühne und lausche dem eher klassischen Rock/Alternative-Klängen der Frankfurter Kombo. Der Konzertraum ist angefüllt von Menschen, die Bar daneben ungewohnt leer. Es herrscht eine seltsame Stimmung. Trotz ausverkaufter Veranstaltung kommt keine Bewegung zustande. Vor der Bühne klafft kein Loch, aber es herrscht betretende Stille, die weder BREITENBACH mit ihren Motivationsrufen, noch der charismatische Frontmann der britischen Kapelle YOUNG GUNS – benannt nach einem Western aus den 1980ern – durchbrechen kann.

Alle Versuche, das Publikum zu Aktionen wie Circlepits oder einer Wall of Death anzutreiben, sind zum Scheitern verurteilt. Vielleicht haben die kleinen Mädels, die schmachtend ihre Arme in Richtung Bühne halten, auch einfach noch nie davon gehört. Immerhin scheint es den Jungs nichts auszumachen, denn die Performance ist musikalisch und ästhetisch sehr vorzeigbar.

Der Hauptact – ANBERLIN- steht mit seiner abgelieferten Leistung im völligen Kontrast dazu. Der Auftritt ist eine herbe Enttäuschung und das Gehörte ist in keinster Weise mit dem Klang auf der Platte zu vergleichen. Die Songs sind kaum wieder zu erkennen und dem Sänger gelingt fast kein Ton. Unbeholfen hüpft er über die Bühne und sein aufgesetztes Dauerlächeln wirkt eher irritierend und verstörend, als sympathisch. Ich muss gestehen, dass ich den Ort des Geschehens vorzeitig verlassen habe. Immerhin hat es aber mit den YOUNG GUNS an diesem Abend einen kleinen Lichtblick gegeben. Die nächste Gelegenheit, sich die Jungs mal anzuschauen, bekommt man im Herbst, wenn sie mit Danko Jones auf Tour gehen. Dann haben Sie auch ihre neue Platte mit dem klangvollen Titel „All Your Kings are Dead“ mit im Gepäck.

Info: www.mypsace.com/anberlin

(Lyra Nanerendij)