SCHÖFTLAND: „Freiheit macht besoffen“

(26.09.2010, Köln, Rubinrot) „Auch die Schweiz hat gute deutsche Lieder“ behauptet die Berner Band Schöftland und liefert mit ihrem Album „Der Schein trügt“ den dazugehörigen Beweis. Zwar ist Schöftland auch eine Aargauer Gemeinde, steht aber als Metapher für ein imaginäres Irgendwo, wo man sich besser, wo man sich zu Hause fühlt. An diesem Abend ist es das Rubinrot in Köln.

Auch wenn Schöftland mit Nils Koppruch oder auch Gisbert zu Knyphausen zusammen gearbeitet haben, zählt die Band um die zwei Brüder Floh und Kasper von Grünigen noch als absoluter Geheimtipp. Dementsprechend ist es eine erlesene Auswahl von Musikliebhabern, die das Konzert dem all sonntäglichen Tatort vorziehen. Die Bühne ist vollgepackt mit Instrumenten und es ist ein kleines Wunder, dass alle Bandmitglieder darauf Platz finden. Dabei holen sie  – obwohl der Tontechniker an diesem Abend fehlt – ziemlich viel aus ihrer kleinen Anlange heraus.
Zwar ist der Gesang gegenüber der Musik etwas zu leise eingestellt, aber das stört die Anwesenden nicht wirklich. Es ist ein intimes Konzert in einem Raum, nicht größer als eine Garage.

„Doch der Schein trügt, und der Freund lügt, und trotzdem wollen alle auf die Bühne“, so heißt es in ihrem Song „Der Schein trügt“. Textlich sind es Geschichten aus dem Leben, Beobachtungen der provinziellen Kleinstadt und das Lebensgefühl des sich fragenden und suchenden.
Antworten geben diese Texte nicht, viel mehr sind es Vorlagen um sich Gedanken zu machen.
„Element of Blumfeld“ wurden sie in Foren und Twitter genannt – wo bei gerade diese Schubladen von Hamburger Schule und Element of Crime zu einfach ist und der Band letztendlich auch nicht gerecht wird.

„Seit einer Ewigkeit dreht der Mond um die Erde und die Erde um die Sonne und ich mich um dich“. „Komet“, so der Titel woraus dieser Satz stammt. Oder „Hinter Gittern herrscht die Nüchternheit, und Freiheit macht besoffen“ aus „Niemandsland“. Es sind solche Textzeilen die den Hörer treffen
und an sich reißen. Mit „Bademeister“ gehen Schöftland einen vertrackten Weg, bevor sie sich im Jazz-Gefilde bewegen, um im gleichen Atemzug den kleinen Raum zu rocken. Mal still, mal brachial. Die Band sucht das Kontroverse und schafft dabei mühelos die Balance. Zwischen Balladen, Indie, Rock und Pop arrangieren sich die Musiker und verlieren sich dabei nicht in unnötigen Pathos oder Kitsch. Die Band spielt immer weiter und kommt an dem Punkt wo das Repertoire knapp zum Ende neigt und auch  der Ladenbesitzer diskret hinweist, dass die Zeit vorüber sei.

Info: www.myspace.com/schoeftland

(Markus Tils)