AVENGED SEVENFOLD live@Köln

(11.11.2010, Live Music Hall, Köln) Ja, es ist mal wieder so weit, die närrische Zeit hat angefangen. Ein Ort der Zuflucht für alle Antijecken ist heute Abend die Live Music Hall, Avenged Sevenfold spielen auf, der Fünfer aus Kalifornien hat sein aktuelles Album „Nightmare“ im Gepäck und bietet von der ersten Sekunde an das perfekte Alternativprogramm zur karnevalesken Blödseligkeit.

Beginnend mit dem Titeltrack des neuen Albums entfaltet sich die seit jeher bekannte, zwingende Mischung aus Metal und Heavy-Rock Elementen. Das Publikum frisst Sänger M.Shadows sofort aus der Hand. Kein Wunder bei dieser druckvoll kehligen Stimme, die zwar eine Spur zu leise aus den Boxen kommt, aber dennoch keinen Zweifel an ihrer vortrefflichen Qualität lässt. Ein wundervolles Paradox bei dieser Band ist, dass sie eigentlich all die Standards benutzt, die man bei anderen Bands vielleicht belächeln würde, Kniedel-Gitarrensoli, besagter Gesang und Dampframmenbeats.

Hier, meine lieben Freunde, kommt jedoch der entscheidende Unterschied: Avenged Sevenfold erzeugen aus diesen Zutaten fantastische Songs. Und da es sich eben auch um eine fantastische Live Band handelt, ergibt dies, drei Mal darf geraten werden…richtig, ein fantastisches Konzert. Da ist man gerne dabei, und freundlich geht’s sogar auch zu, denjenigen, die das erste Mal auf einem Sevenfold-Konzert sind, wird „Welcome to the Family“ gewidmet. Dieser Song zeigt im Übrigen recht eindrucksvoll auf, was aus New Metal hätte werden können, hätte es ca. 2000 nicht die Abzweigung in Richtung bedeutungsloser Rotz genommen. Druckvoll, tonnenschwer aber dennoch erstaunlich beweglich, wuchtet sich dieses Brett durch die Live Music Hall, sie dürfen jetzt schwitzen. Eine weitere Besonderheit von Avenged Sevenfold wird bei einem Song wie „So Far Away“ deutlich. Viele Bands, die grundsätzlich eine eher härtere Gangart bedienen, erleiden eine unsanfte Bauchlandung, wenn sie sich in sanftere Gefilde begeben, aufgeblasener Pathos und Geigen verkleistertes Geheule lauten da oft die Symptome. Nicht so bei diesen Jungs hier, die ruhigeren Passagen verweben sich nahtlos mit den härteren Parts, der Schlüssel dazu ist ein ausgefeiltes Spiel mit der Rhythmik. Und dies kommt halt auch an diesem Abend perfekt zur Geltung. Und so kann man von einem einzigen, 70 Minuten währenden Genuss sprechen, der dem Kölner Publikum an diesem Abend geboten wird und man sollte dankbar dafür sein, dass es noch Bands gibt, die sich zwar klassischer Mittel bedienen, diese aber in wahnsinnig lebendige Songs umzusetzen wissen.

Info: http://www.avengedsevenfold.com/

(Martin Makolies)