HAWTHORNE HEIGHTS & WE ARE THE OCEAN live@Köln

(01.11.2010, Köln, Underground) Wenn man sich vier Jahre Zeit lässt und dann wiederkommt, dann muss man sich wohl nicht wundern, wenn einen keiner mehr kennt. Diese Erfahrung mussten auch HAWTHORNE HEIGHTS machen, als sie an Allerheiligen im Underground ihren Tourauftakt in Deutschland gaben. Da nützte auch ein noch so ambitioniertes „It’s good tob e here again“ von Sänger JT wenig.

Die große Masse der eher jüngeren Leute waren wegen dem Support WE ARE THE OCEAN da, die eine ordentliche Show ablieferten. Noch nicht ganz aus der Pubertät heraus, ein wenig verpickelt, aber dennoch durchaus charismatisch warf sich Sänger Dan Brown in den Zuschauerbereich, rannte den Circlepit mit, tanzte mit den Fans und machte das, was man wirklich nur in ganz kleinen Clubs wie dem Underground machen kann: er ließ die Barriere zwischen Bühne und Zuschauerraum verschwimmen.

Viele Zugaben und euphorisierten Teenager später betraten HAWTHORNE HEIGHTS die Bühne. Davor ergab sich eine gewisse Leere jenseits der ersten Reihe, in der sich dann doch ein paar alte Fans versammelt hatten und mitsangen. Die Songs klangen live anders, als man sie von damals gewohnt ist. Der Zeit, als Gitarrist und Shouter Casey Calvert noch unter den Lebenden weilte. Als er 2007 unter mysteriösen Umständen auf der damaligen Tour starb, erlitt die Band einen schweren Schock und beschloss im Anschluss, ihn nicht zu ersetzen. Die geshouteten Parts wurden live von Gitarrist Micah Carli übernommen. Das klang auch ganz okay, wenn auch die Stimme von Casey ein bisschen unverwechselbar gewesen ist. Die neuen Songs kommen mit ein paar winzigen Ausnahmen fast völlig mit cleanem Gesang aus.

Die Band hat sich auf jeden Fall verändert. Die Jungs sind Männer geworden, sind ernster und professioneller. Es fehlt die Verbindung zum Publikum. Der Eindruck des Shocks, der auf dem neuen Album Skeletons entsteht, verdichtet sich bei der Bühnenperformance. Es ist, als seien die drei in Trance, als seien sie gar nicht wirklich da. Das Fehlen von Lebendigkeit und Leichtigkeit wiegt im Vergleich zu den Wirbelwinden von WE ARE THE OCEAN schwer und hinterlässt einen bleiernen Geschmack auf dem Gemüt.

Verlust, Tod und Angst sind die vorherrschenden Themen auf dem neuen Album. Kein Wunder also, dass die Partylaune nicht so wirklich aufkommt. Ohne Zugabe verlässt die Band den Saal und wirkt angesichts der geringen Resonanz etwas abgeschlagen. Andererseits ist es aber vielleicht auch gut und richtig, dass ein schwermütiges Gefühl im Raum steht. Immerhin ist vor drei Jahren ein wichtiger Teil der Band gestorben. Das Leben besteht ja nicht nur aus Party und Fröhlichkeit. Schwermut gehört eben dazu, wenn man erwachsen wird.

Info: www.myspace.com/wearetheoceanuk / www.myspace.com/hawthorneheights

(Lyra Nanerendij)