FRITTENBUDE, CRACKHUREN live @DORTMUND

(08.04.2011, Dortmund, FZW) Hereinspaziert! Hier steigt die Kinderparty. Angesichts der vielen Minderjährigen, die im FZW Dortmund in alter Hardcore-Tradition ein X auf die Hand gemalt bekommen haben, drängt sich dem Besucher der Eindruck auf, statt auf einer Elektrosause auf ein Straight Edge-Konzert geraten zu sein. Doch weit gefehlt. Da im X auf der Hand keine Kindersicherung gegen Flaschen mit alkoholischem Inhalt integriert und Re-Entry möglich ist, wird draußen getrunken und drinnen gekotzt. Komasaufen inklusive.
Die Crackhuren in glitzernden Röcken und Pompoms heizen das Publikum passend zum Rausch dazu an, alle zu Huren zu werden und so richtig auf die Kacke zu hauen. Der Soundtrack dazu ist ebenso unterhaltsam, wie die zwei instrumentierten, schlicht gekleideten, aber in Twilight-Manier vampirgeschminkten Background-Boys. Die Crackhuren machen Stimmung und Spaß und gute Laune. Sie sind tanzbar und unbestreitbar: auch ziemlich talentiert.
Von der Bühnenpräsenz der Crackhuren könnte sich der Hauptact Frittenbude eine dicke Scheibe abschneiden. Aber Performance scheint auch nicht notwendig zu sein, um das antifa-fahnenschwingende Publikum zu begeistern. Die Begeisterung kommt von ganz allein bis hin zur beinahe völligen Ekstase bei der remixten Version von „Raven gegen Deutschland“ von den Frittenbuden-Blutsbrüdern Egotronic, das schließlich in „nie wieder Deutschland“-A-Capella-Rufen der Frittenbuden-Fans mündet. Danach geht die Party weiter. Die Kids tanzen, die Kids singen, die Kids gehen nach draußen zum Trinken. Alles ist schön, alles ist laut und bunt und schnell. Nach dem Konzert werden die Kinder rausgeworfen und dürfen nicht zur Party bleiben. Mit vernebelten und glücklichen Gesichtern ziehen Sie ihrer Wege um ihr restliches Taschengeld an der Tanke auszugeben. Hoffentlich sind sie heile bei Mama und Papa angekommen.
(Lyra Nanerendij)