LA DISPUTE, TOUCHÉ AMOURÉ, DEATH IS NOT GLAMOROUS: „This is more than music“

(06./07.08.2011 Münster, Café Sputnik/Köln, AZ) Sich an zwei Tagen hintereinander die gleiche Show ansehen: Was an die Fans von Teenie-Schmonzettenbands denken und die Frage aufkommen lässt, warum man das tun sollte, lohnt sich eben manchmal doch. Schon allein um einen Eindruck zu erhalten, welchen Unterschied a) die Location und b) das Publikum ausmacht.

06.08.2011 Münster. Der Innenhof des Café ist zum Bersten gefüllt mit einer wuselnden Menge, die durch das Gitter von außerhalb des Geländes von den Menschen ohne Karte oder Gästeliste neidisch und etwas missgünstig beäugt wird. Etwa 400 Besucher haben sich zusammen gefunden, um einen Abend energetischen Hardcores zu erleben.Vor dem Einlass prangt noch ein Schild mit der Aufschrift „16€ AK“, das die Wartenden zu verhöhnen scheint, denn das Konzert ist restlos ausverkauft. Im Innenraum ist es stickig und heiß dank der dort installierten Pizzabäckerei. DEATH IS NOT GLAMOROUS betreten die Bühne und wollen das Haus abreißen, lassen sich aber von den  kühl wirkenden Gemütern sichtlich einschüchtern und wirken irritiert. Der Raum ist proppevoll, aber nur vereinzelte textsicher wirkende Quoten-Mosher verirren sich über den Bühnenrand und retten den Jungs den Abend.Gleich im Anschluss erstürmen TOUCHÉ AMOURÉ die unterkühlten Herzen und aus der Reserve gelockt wird der Text des jüngst erschienenen Albums der Kalifornier in das ausgestreckte Mikro gebrüllt und über die Hände der Menge gesurft. Etwas weniger Körpereinsatz der singenden Menge dann bei LA DISPUTE, die auf der schicken, fest installierten Bühne eine leidenschaftliche, wenn auch routiniert wirkende Show abliefern. Gegen Ende haut Sänger Jordan Dreyer mit nackten Füßen den doch sehr abgegriffenen Satz „This is more than music!“ raus und dann ist auch bald schon Zapfenstreich. Pünktlich um zwölf wird die Bühne geräumt, um dem Partyvolk Platz zu machen. Pluspunkt der Location: sie ist rauchfrei.

07.08.2011 Köln. Wieder ist die Show ausverkauft. Draußen stehen hoffnungsvoll Wartende mit Regenwettergesichtern unter Schirmen und warten darauf, dass doch noch jemand eine Karte übrig hat oder dass sich ihrer erbarmt und sie eingelassen werden. An diesem Abend sind über 550 zahlende Gäste im beschaulichen Kölner AZ anwesend. Wo es in Münster strenge Zeitpläne gab, ist man in Köln schon eine Stunde hinterher. Für die drei Hauptbands ist es bereits der zweite Auftritt an diesem Tag, denn nachmittags hatte man sich beim HORST-Festival in Mönchengladbach die Ehre gegeben. In den Gesichtern der Musiker liegt ein wenig Erschöpfung, aber die Fans legen dafür einiges vor. Diesmal lassen die Stagediver und Sing-Alongs bereits bei DEATH IS NOT GLAMOROUS nicht lange auf sich warten. Die Energie im Raum ist atemberaubend. Kaum zu glauben, dass man hier dieselbe Band wie am Tag erlebt. Die Stimmung ist wie ausgetauscht. Statt kühler Zurückhaltung tobt der Saal vor lauter Lebendigkeit und lässt die Punker-Diskokugel-Schaufensterpuppe, die von der Decke hängt ordentlich wackeln. Die Energie steigert sich bei TOUCHÉ AMOURÉ, die kurzerhand einen Circle-Pit ausrufen, noch weiter und ergießt sich schließlich über LA DISPUTE, die völlig überwältigt, wenn auch ausgepowered wirken. Und dann fällt der Satz vom Tag zuvor „This is more than music!“. Wie einstudiert geht Jordan Dreyer dieser Satz über die Lippen und macht das genaue Gegenteil deutlich: Musik ist eben auch ein Job und wie überall gibt es Wiederholungen und Routinen. Die Menge scheint das nicht zu stören. Erst um halb zwei wird die letzte Zugabe gegeben und im Anschluss von LES TRUCS die Partynacht eröffnet.

Und die Moral von der Geschicht? Das Gleiche ist nicht das Selbe, sondern anders.

(Lyra Nanerendij)