FEINE SAHNE FISCHFILET, EGOTRONIC und DISKOCRUNCH live in Hamburg

(04.01.2013, Hamburg, Hafenklang) Circa zwei Monate nach dem Release ihrer neuen Platte „Scheitern und Verstehen“, welche mit freundlicher Unterstützung des Verfassungsschutzes alle Erwartungen übertraf, spielten die Punkrocker aus Mecklenburg-Vorpommern im Hamburger Hafenklang auf. Schon knapp zwei Wochen zuvor war die Show restlos ausverkauft. Als Support wurden DiskoCrunch aus Hamburg und ein „Very Special Guest“ angegeben. Schon im Vorfeld wurde gemunkelt, dass es sich bei besagtem „Special Guest“ um Egotronic handeln könnte. Da man vor der Show nicht nur die Jungs von Feine Sahne Fischfilet, sondern auch Torsun und Endi (Egotronic) an der Bar sehen konnte, verhärtete sich der Verdacht. 
 
Um 22 Uhr trat DiskoCrunch als erste Band auf, die sich wohl in das Genre des Elektropunks einordnen lassen. Da das Publikum hauptsächlich wegen des Punkrocks von den Fischfilets gekommen war, schauten die meisten Gäste doch noch etwas skeptisch drein. 
 
Als zweiter Support spielten tatsächlich Egotronic. Auch sie schmetterten den Gästen ihren Elektropunk um die Ohren, was auch hier wieder ein paar skeptische Gesichter erkennen lies. Aber spätestens als der Song „Raven gegen Deutschland“ ertönte, war das ganze Hafenklang hellwach.
 
Es muss schätzungsweise 23:45 gewesen sein, als die Jungs von Feine Sahne Fischfilet die Bühne betraten. Das Publikum war gespannt wie Bolle. Mit dem ersten Ton verwandelte sich der Laden in ein Tollhaus. Im Pit ging es mächtig zur Sache. Natürlich hatte Sänger Monchi zu jedem Song etwas zu sagen: politische Appelle und persönliche Geschichten – dadurch merkt man, was die Band alles bewegt und wie sie die Welt ein Stück weit verbessern will. Das Publikum bekam eine bunte Mischung aus neuen und alten Songs zu hören. „In Unseren Augen“, „Riot In My Heart“, „Hast Du Kapiert“ „Dorffeste Im Herbst“ oder „Distel Im Beton“ – Langeweile kam zu keinem Zeitpunkt auf. Den Höhepunkt des Abends bildeten aber wohl zweifelsohne die beiden Tracks „Komplett Im Arsch“ und „Geschichten Aus Jarmen“. Hier war das Publikum kaum zu halten und ein Bier-Schweiß-Gemisch spritzte durch das kleine Hafenklang mit seinen maximal 300 Gästen. Nachdem einige Besucher erfolgreich einen Stagedive hinter sich gebracht hatten, war es auch für Sänger Monchi, der nicht gerade ein Leichtgewicht ist, an der Zeit auf den Leuten zu surfen. Da alle voller Energie waren, klappte auch dieses schwere Unterfangen problemlos. Es ist einfach schön zu sehen, welchen Spaß die Jungs auf ihren Konzerten haben. Man merkt ihnen die Dankbarkeit an, welche sie den Konzertbesuchern entgegenbringen. Ja, sie wirken fast etwas verlegen – sehr sympathisch. 
 
Einen bitteren Beigeschmack hatten allerdings homophobe Äußerungen eines jungen Mannes, der daraufhin von Monchi gebeten wurde das Konzert zu verlassen. Das Publikum begleitete diesen Idioten mit „Auf Wiedersehen“-Rufen vor die Tür (wobei ich ihn nicht wiedersehen muss). Wieso besucht man ein antifaschistisches Konzert, wenn man rassistische, sexistische oder homophobe Äußerungen von sich gibt? Es ist aber toll zu sehen, dass solch eine Scheiße nicht geduldet wird.
 
Trotz dieses Zwischenfalls war es ein herausragender Abend im Hafenklang. Vielen Dank an die Künstler und alle, die ihn in dieser Form ermöglicht haben.
 
„Alerta Antifascista“
 
Info:
 
(Christoph Ahl)