Greenville Festival 2013

greenville_plakat

Vorwort

Hallo liebe SMASH-MAG.com-Gemeinde. Ich war  über das Wochenende vom 26.07. bis zum 28.07.2013 im brandenburgischen Paaren im Glien, nordwestlich von Berlin, auf der zweiten Ausgabe des Greenville Festivals unterwegs. Das Festival fand auf dem Gelände des Erlebnisparks Paaren statt. Ein Artikel über diesen Event war anfangs nicht geplant. Ich wollte einfach nur ein  cooles Wochenende mit meinen Freunden verbringen und nicht den Zwang spüren, bestimmte Bands sehen zu müssen. Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe mich weder um einen Presseausweis noch um einen Fotoausweis bemüht. Jetzt, nachdem ich wieder zu Hause bin, eine warme Dusche genießen konnte und eine Mütze Schlaf nachgeholt habe, juckt es doch in meinen Fingern und die Gedanken und Eindrücke, welche in meinem Kopf kreisen, wollen zu Papier gebracht werden.

Aufgrund des fehlenden Fotopasses durfte die Speiegelreflex leider nicht mit auf das Festivalgelände. Fotos kann ich euch daher leider nicht liefern.

Auch ist es unmöglich sich auf einem Festival alle Bands anzusehen. Man braucht auch Zeit für sich, zum Biertrinken, zum Ravioli essen, Schlafen oder einfach nur um „dumm“ unter dem Sonnensegel zu sitzen und Blödsinn zu machen. Jede/r Festivalgänger/in wird mich verstehen.

Ich will euch aber sehr gerne von einigen Auftritten berichten. Darunter welche, auf die ich mich schon im Vorfeld freute, aber auch schöne Überraschungen und persönliche Neuentdeckungen – denn das ist es, was ein Festival ausmacht: Man erweitert seinen musikalischen Horizont.

Es gab für mich aber auch die ein oder andere totale Enttäuschung. Einige Bands, die viele meiner Freunde als klasse Livebands beschrieben, fand ich einfach nur schlecht. Ich werde hier aber über keine Band ein schlechtes Wort verlieren – Über Geschmäcker kann man sich schließlich nicht streiten! Auf der anderen Seite finde ich ja auch einige Künstler super, mit denen andere rein gar nichts anfangen können.

Die Anreise/Ankunft

Meine Leute und ich machten uns schon am Donnerstag auf dem Weg zum Greenville. Laut Greenville-Homepage sollte der Campingplatz um 14 Uhr seine Tore öffnen. Kurz nach zwei kamen wir an und mussten die erste Enttäuschung einstecken: Die Öffnung des Platzes sollte sich um ca. zwei Stunden verschieben. Aber was muss man auf einem Festival können müssen? Genau, improvisieren! So wurde kurzerhand auf dem Parkplatz ein Sonnensegel zwischen den Fahrzeugen gespannt, der Campingstuhl aufgestellt und die erste Dose Bier geöffnet.

Auf dem Parkplatz hörte ich es munkeln, dass das Ordnungsamt noch nicht mit der Abnahme des Geländes durch sei und sich die Öffnung für die Festivalfans aus diesem Grund verzögerte. Wie dem auch sei, um ca. 16:15 war es endlich soweit und die ersten Menschen konnten Ihre Wochenendcamps errichten und sich zurücklehnen.

Unter den Besuchern waren auch viele des kurz vor Beginn abgesagten Omas Teich Festivals. Die Tickets für Omas Teich waren nun auch auf dem Greenville gültig.

Tag 1 – Freitag, 26.07.2013

Der erste Tag begann, wie sicher bei vielen der bereits am Donnerstag angereisten, mit einem Kater. Was soll man auch anderes am Donnerstagabend machen als Bier zu trinken?

Um 16 Uhr sollte das Greenville offiziell starten. Auf der Hauptbühne, der VISIONS STAGE, durften die Jungs von THE LOVE BÜLOW das Festival eröffnen. Bedauerlicherweise verlief die Ausgabe der Festivalbändchen sehr schleppend, sodass nur wenige Menschen pünktlich an der Bühne waren. Ich schaffte es fast rechtzeitig und konnte bei bestem Wetter dem Indie-Rap der Jungs lauschen. Der Kater war längst wieder verschwunden und so kam wirklich viel Spaß auf.

Nach diesem tollen Einstieg sollte es zu den Hip Hop machenden Brüdern SAM gehen. Diese spielten auf der zweiten, der RADIO EINS BÜHNE. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir einen mit Folie ausgelegten und mit Wasser gefüllten LKW-Container. Bei Temperaturen von 30 Grad und mehr kam an diesem Wochenende jede Abkühlung recht. Also entschloss ich mich kurzerhand mit Anlauf ins kühle Nass zu springen. Nach diesem unplanmäßigem, aber sehr erfrischenden Zwischenstopp, kamen wir endlich an der RADIO EINS BÜHNE an. Mittlerweile waren schon recht viele Menschen im Besitz ihres Armbandes und konnten auf das Gelände. Der Hip Hop der schon erwähnten Brüder SAM kam beim Publikum sehr gut an. Arme auf, Arme ab!

Als nächstes ging es zu FINDUS, welche auf der dritten und letzten Bühne, der GREENVILLE STAGE spielten. Diese Bühne befand sich nicht im Freien, sondern in einer großen Mehrzweckhalle des Erlebnisparks Paaren. Sehr angenehm und eine schattige Abwechslung zur brennenden Sonne. Wie jede Band haben auch die Jungs von FINDUS ihre Fans und machten mit ihrer Mischung aus Punk und Indie für den frühen Freitagabend ordentlich Druck.

Nach FINDUS war es das für mich vorerst. Ich wollte mich für den bevorstehenden Abend am Zelt stärken. Um 22 Uhr war ein Besuch der VISIONS STAGE unumgänglich. Hier spielte der Headliner des ersten Abends – THE BLOODHOUND GANG. Die Show der Bluthunde war an diesem Abend relativ jugendfrei. Kein bekannter Song wurde ausgelassen, es würden unzählig viele Sprüche geklopft. Teilweise waren diese für meinen Geschmack etwas unter der Gürtellinie, aber gut, Stimmung kam trotz dessen auf.

Im Anschluss wollte ein Mädel unserer Truppe unbedingt zur bayrischen Band LABRASSBANDA. Etwas widerwillig schloss ich mich an. Ich muss sagen, dass dieser Entschluss eine der besten Entscheidungen des Wochenendes war. So viel Spaß wie diese positiv bescheuerten Bayern da auf der Bühne verbreiteten hat man nicht häufig. Die Musik ist eine unbeschreibliche Mischung aus verschieden Stilen. Laut Wikipedia aus Blasmusik, Reggae und Punk . Die Menge vor der RADIO EINS BÜHNE tobte. Auf jeden Fall gehört diese Band zu meinen Neuentdeckungen des Festivals.

Die Uhr zeigte nach LABRASSBANDA schon 01:00 Uhr. An den Schlafsack im völlig aufgeheizten Zelt war aber noch lange nicht zu denken. Um 01:15 Uhr kam eines meiner Festivalhighlights – FRITTENBUDE sollten mit ihrem Electropunk die VISIONS STAGE zum Beben bringen. Das taten die drei Jungs auch ohne Wall Of Death, hier reicht schon die einzigartige Wall Of Love. Es wurde gut gefeiert, alle hatten Spaß. Ein wunderbarer Auftritt, welcher meine Vorfreude auf den 30.11.2013, dann nämlich geht es mit der FRITTENBUDE im Hamburger ÜBEL & GEFÄHRLICH rund, ungemein steigen lies.

Völlig verschwitz ging es zum Zelt und nach einer eiskalten Dusche auf die Isomatte. Schlafen und Kraft für den zweiten Tag tanken.

Tag 2 – Samstag, 27.07.2013

Der Samstag begann für mich relativ spät. Um 15:30 wollte ich mir MARATHONMANN ansehen. Ich wartete vor der Bühne, aber nichts passierte. Später las ich auf Facebook, dass die Band im Stau stand und somit ihren Auftritt verpasste. Was solls, so musste wieder improvisiert werden – also ab zur anderen Bühne und TEXAS IS THE REASON ansehen. Ich wusste nicht so recht, was mich erwarten sollte. Nach kurzer Zeit war klar: Indie, Punk, Rock – irgendwie so. Auch hier war ich sehr überrascht. Auf jeden Fall hörbar und eine echt gute Neuentdeckung. In einem kleinen Club machen die Jungs bestimmt richtigen Spaß!

Bald war es soweit: um 17:15 Uhr sollte GENTLEMAN die Hauptbühne betreten. Ich habe ihn schon einmal im Jahre 2006, damals als Schüler, gesehen. Meine Vorfreude war riesig obwohl ich wusste, dass nach nur 45 Minuten alles wieder vorbei sein würde. Eigentlich muss ich nichts weiter sagen, denn was passt besser zu strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30 Grad als Reggae von wohl einem der Besten Künstler seines Genres?

Um 19:30 Uhr sollte die norwegische Folk Band KATZENJAMMER die VISIONS STAGE betreten. Bis vor dem Greenville war ich kein großer Fan dieser Musik, aber als ich mir vor dem Festival schon ein paar Songs der vier sehr attraktiven Norwegerinnen anhörte, wollte ich sie unbedingt live sehen. Was soll ich sagen, es hat sich absolut gelohnt. Jede der vier beherrscht gefühlt 20 Instrumente (mindestens) welche für jedes Lied getauscht werden. Alle können wundervoll singen. Die Mädels spielten mit dem Publikum und rissen alle in ihren Bann. Noch beeindruckender war, dass Marianne Sveen im schätzungsweise siebten oder achten Schwangerschaftsmonat die Bühne aber mal sowas von rockte – Respekt! Auf jeden Fall haben die Mädels einen Fan mehr.

Eine Hip Hop Größe, man kann schon fast sagen eine Legende des Hip Hops, betrat am Samstag um 22:00 Uhr die Bühne: Der WU-TANG CLAN aus New York City. Viel muss ich wohl nicht mehr sagen – der Name sagt doch schon alles. Ich merkte nur, dass ich mehr Songs kannte, obwohl ich den WU-TANG CLAN nie bewusst hörte. Die Arme gingen auf und ab. Vermutlich kauften sich viele Besucher nur aufgrund dieser Show ein Ein-Tages-Ticket für den Samstag. Nach dem Clan bot das Line Up für mich nichts Interessantes mehr, obwohl wie schon am Freitag noch bis spät in die Nacht ein buntes Programm geboten wurde.

Tag 3 – Sonntag, 28.07.2013

Sonntag gab es zum Mittag erst mal ein paar Dosenbierchen bevor es um 14:15 Uhr leicht angetrunken zur GREENVILLE STAGE ging. Dort wurde dann gebührend, wenn auch mit recht wenigen Menschen, zu einer Mischung aus Electro und Pop das Tanzbein geschwungen. Irgendwie haben die beiden Musiker etwas an sich, was mich voll und ganz anspricht. Das habe ich aber auch erst während des Auftritts gemerkt und eigentlich war ich nur dort, da mein Kumpel die sehen wollte, aber TUBBE zählt auch zu meinen Neuentdeckungen des Festivals.

Ich wollte gerne noch ein paar Bands probehören, aber wie es eben so ist, kommen dann interessante Gespräche mit den Campingnachbarn auf. So habe ich TOCOTRONIC komplett verpasst und von den KAISER CHIEFS nur noch fünf magere Minuten gehört. Zu wenig, um hier berichten zu können.

Was ich mir unbedingt ansehen wollte, war der Auftritt von SCALA & KOLACNY BROTHERS. Kennt ihr nicht? Dann mal die Suchmaschine im Internet angeschmissen und reingehört. Ein kleiner Hinweis meinerseits: Ein Mädchenchor gepaart mit echten Klassikern der Pop- und Rockmusik. Leider habe ich die wohl besten Minuten zum Ende hin verpasst, aber ich wollte unbedingt um 21:30 Uhr an der GREENVILLE STAGE zum Auftritt der kanadischen Hardcore-Band COMEBACK KID, meinem Highlight am Sonntag, sein. Wirklich viel los war nicht, aber es gab doch noch einige, die Bock auf Hardcore hatten. So wurde ordentlich gemosht. Der Sänger belohnte sein Publikum und kam für zwei Lieder von der Bühne und sang aus dem Publikum weiter. Alle anwesenden waren bis auf die Knochen durchgeschwitzt. Da es in diesen nassen Klamotten trotz der immer noch hohen Temperaturen ziemlich ungemütlich war, bekam ich vom Headliner des letzten Abends, NICK CAVE & THE BAD SEEDS, nicht wirklich viel mit.

So wurde noch etwas auf dem Campingplatz gefeiert, bis immer dunklere Wolken aufzogen und eine Durchsage zur Sicherung der Zelte aufrief. Alle sollten nach Möglichkeit Schutz in ihren Fahrzeugen oder aber in der Mehrzweckhalle suchen. Ungefähr eine Stunde prasselte der Starkregen auf das Greenville ein. Viele entschlossen sich aus diesem Grund doch schon am Sonntag abzureisen. Alle die blieben kamen aus meiner Sicht nochmal mit einem blauen Auge davon – es hätte auch noch stürmen bzw. noch viel stärker regnen können.

Drumherum – Mehr als nur Musik

Mir ist es erst aufgefallen als ich ein Interview mit dem Greenville-Macher, Carlos Fleischmann, auf artistxite.de las: Das Greenville geht eigene Wege. So ist es wohl das einzige größere Festival, welches nicht von einem großen Mobilfunkanbieter, Bierhersteller oder anderem großen Sponsor unterstützt wird. Es war total angenehm nicht mit Unmengen an sinnlosen Werbeartikeln belästigt zu werden.

Außerdem will das Greenville ökologischer sein als andere Festivals. So werden die ganzen Imbissbuden oder Bierstände von regionalen Anbietern betrieben um die Ökobilanz nicht sinnlos in die Höhe zu schrauben.

Auch das soziale Engagement kam auf dem Greenville nicht zu kurz. Verschiedene Initiativen wie Amnesty International, Viva Con Agua, Kein Bock auf Nazis, Sea Shepherd oder Skate-Aid waren auf dem Greenville vertreten und informierten Interessierte gerne.

Neben den drei Bühnen gab es aber einfach noch eine Art kleine Electro Stage und lud zum verweilen ein. Es gab noch weitere tollen Sachen, die das Festival sehr kurzweilig machten, mir fällt aber leider nicht mehr alles ein.

Das Wetter war bis auf das Unwetter am Sonntagabend grandios. Der Hitze entgegneten die Veranstalter mit einigen Wassersprinklern, unter denen die erhitze Haut der Besucher abgekühlt werden konnte. Darüberhinaus gab es kostenlos Trinkwasser.

Das Gelände des Erlebnisparks Paaren bietet sich aus meiner Sicht hervorragend für dieses Festival an. Überall wächst Gras, selbst der Campingplatz besteht aus einer gemähten Wiese und nicht wie anderswo aus einem staubigen oder matschigen Acker.

Da fällt mir zum Abschluss doch noch ein Kritikpunkt ein: Am Sonntag habe ich gegen 10/11 Uhr vergebens eine Möglichkeit gesucht mein Müllpfand wieder zu bekommen. Den Sack habe ich dennoch neben den Container gestellt und nicht vor lauter „Wut“ auf dem gesamten Gelände verteilt. Und wo ich schon beim Müll bin, will ich hier nochmal an einige Festivalbesucher appellieren, doch einfach mal einen Müllsack an ihrem Camp zu befestigen um den Müll dann da rein zu schmeißen. Zu Hause schmeißt doch auch keiner den gesamten Müll in seiner Bude rum. Wer will schon gerne am letzten Tag in einem riesigen Müllhaufen aufwachen? Aus Liebe zur Umwelt, aus Rücksicht vor den Campingnachbarn oder einfach nur um eventuelle Verletzungen vorzubeugen – Bitte haltet eure Camps sauber. Die breite Masse der Greenville-Besucher hat es doch auch geschafft und ich glaube, dass auch ihr das im nächsten Jahr packen werdet!

Fazit – Wunderschönes Wochenende

Bis auf ein bis zwei kleine organisatorische Schwierigkeiten – die teilweise arschkalten Duschen fallen mir hier nun auch noch ein – fand ich das Festival genial. Ein bunt gemischtes Line Up, nette Leute, kurze Wege zwischen Campingplatz und Festivalgelände, das schon beschriebene grandiose Wetter! Danke für alles. Meine Truppe und ich wollen 2014 wieder das Greenville besuchen – der Name ist dort Programm. Trotz Schlafmangel und viel zu viel Bier waren wir irgendwie vollkommen erholt und etwas traurig, dass alles so schnell vorbei war.

Im nächsten Jahr werde ich euch hoffentlich mit Fotos versorgen können. Des Weiteren bin ich sicher, dass andere Berichte die Bands aufschnappen werden, die in diesem Artikel zu kurz gekommen sind bzw. gar nicht erwähnt wurden.

Bleibt grün, habt Spaß und fahrt 2014 zum Greenville.

(Christoph Ahl)

P.S.: Vielen Dank an Mona, Micha und Joni

Info: www.greenvillefestival.com