DIE KRUPPS live in Krefeld

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(17.09.2015, Krefeld, Kulturfabrik) Es ist Donnerstagabend und die Kulturfabrik in Krefeld füllt sich langsam aber sicher mit dunkel gekleideten Leuten. Randvoll wird es im Inneren der Halle nicht, aber die Reihen sind von vorne bis hinten gut bedeckt.

Bis die Krupps das Mauerwerk mit ihrem Sound erschüttern dauert es noch ein Weilchen. Vorerst dringt durch das matte Licht der Klang von kalter Elektronik. Fast punktgenau zur Startzeit um 20Uhr steht Janosch Moldau auf der Bühne. Als erster den Reigen der Unterschiedlichkeit zu eröffnen, ist wahrlich kein leichtes Los. Moldau hat heute einen zweiten Mann am Synthie mit dabei, so kann sich der Musiker nur auf den Gesang und das gelegentliche Gitarre spielen konzentrieren. Die Musik von Janosch Moldau ist der genaue Gegenpol seiner Düsseldorfer Kollegen. Für Krach ist der er nämlich nicht zuständig. Der Ulmer formt seine Melodien lieber sanft aus Strom und Saiten. Doch für den heutigen Abend werden die schwebenden Nummern etwas zusammen gestrichen und durch seine vorhandenen beweglichen Songs auf der Liste ersetzt. Der düstere Titeltrack seines aktuellen Albums „Minor“ darf an diesen Abend jedoch nicht fehlen. Mit seinen sonderbaren, eigenen Tanzstil will er die Leute vor der Bühne zum Mitmachen animieren. Ihm gelingt es und der Anfang ist gemacht.

Bunt und krachig geht es bei den Australiern von The Red Paintings in Fantasie- Verkleidungen weiter. Zwei Damen mit bleich geschminkten Gesichtern und Geisha Kostümen stehen mit Bass und Violine im Sichtbereich. Außer wirr umherfliegender Haare, Arme und Drumsticks ist von der Drummerin nicht viel zu sehen. Nur der druckvolle Sound ihres Instrumentes ist unüberhörbar. Für eine weitere lebende Figur, die sich zwischen der Band befindet, wird aus dem Publikum ein Painter gesucht, der die Haut mit Farbe verziert. Im Handumdrehen findet sich eine junge Dame aus dem Publikum die mit Farbe und Pinsel umgehen kann. Der einzige Herr zwischen all den Damen ist Sänger und Kopf der Band Trash Mc Sweeney. Auch er trägt ein skurriles Kostüm und hält den Konzertbesuchern ein Weckglas mit einem konservierten Alienfötus vor die Augen. Das optische Durcheinander der Truppe findet sich auch in der Musik wieder. Alles was laut ist wird verwendet- ein Teil Rock, Metal, etwas Punk und manchmal haben die Songs auch eine Melodie. Wer sich von diesem Gemisch angesprochen fühlt wird gut unterhalten. Die Menschen denen das gerade Gebotene zu abgedreht ist, halten mit gerunzelter Stirn tapfer durch!

Dafür bekommen zum guten Schluss alle das serviert, auf was sie die ganze Zeit gewartet haben. Die Show der Krupps ist von Anfang bis zum Ende voller Energie. Die Augen der Besucher richten sich die meiste Zeit auf Frontmann Jürgen Engler, für den Stillstand ein Fremdwort ist. Diese Energie trägt sich schnell auf das Publikum über. Aus der hinteren Reihe sind unzählige Arme zu sehen, die sich schubweise über die flackernden Lichter gen Himmel ausstrecken. Die schärfen Klänge der Gitarren übertrumpfen die Elektronik. Die beiden Gitarristen stehen mit finsterer Mine in Siegerpose am Bühnenrand und schauen über die Leute hinweg. Ralf Dörper bedient in der hinteren Reihe mit seinen Fingern die Tasten und lässt so das elektronische Herz des Sounds kräftig pochen.

Songs vom neuen Album wie etwa „Kaltes Herz“ oder „Battle Extreme“ werden gut angenommen. Doch der jahrelange, mittlerweile ergraute Krupps Fan möchte nicht nur die Neuerscheinungen hören, sondern sich zu Klassikern wie „Wahre Arbeit, wahrer Lohn“ oder „Metal Machine Music“ austoben. Der druckvolle Sound schlägt sich auf die Zeit nieder und lässt mit jedem Drumschlag die Uhr gefühlt schneller laufen.

Dass es schon vorbei ist will keiner der Anwesenden so richtig wahrnehmen. Im Freudentaumel der harten Klänge will nach „Machineries Of Joy“ noch niemand nach draußen befördert werden. Mit dem lautstarken Verlangen lassen sich die Krupps auf eine weitere Zugabe ein. Dann packen sie „Bloodsuckers“ aus und schütteln ihre Fans noch einmal richtig durch. Hiermit ist der finale Schlussstrich endgültig gezogen.

Info: www.die-krupps.de / www.janoschmoldau.com / www.theredpaintings.com