BASIA BULAT: Tall Tall Shadow

BASIA BULAT

(Secret City/ Rough Trade) Wie wundervoll allein schon dieser Name klingt, Basia Bulat, so rund und vollmundig, wie fein drapierter Samt auf einem alten Diwan, da kann ja fast schon nichts mehr schief gehen und das tut es dann auch nicht. „Tall Tall Shadow“ von der polnisch stämmigen Kanadierin   Basia Bulat ist ein Lehrstück in geschmackvollem Songwriting, welches die zarten Gefühle anspricht, ohne emotional über zu laufen. Zurückhaltung ist eine der großen Tugenden dieser Künstlerin, welches ganz genau weiß, wo das richtige Maß an Instrumentierung liegt. Da wäre zum Beispiel „It Can´t Be You“ zu nennen, welches ein Zupfspektakel auf der gefühlt hundersaitigen Ukulele darbietet, dieses aber auch zum einzigen Begleiter von Bulats zärtelndem Gesang macht, es wird dafür gesorgt, dass die einzelnen Elemente ihre gebührende Wirkung entfalten können, weniger ist da oftmals schon mehr als genug. Aber auch die anderen Songs sind geschmackvoll eingerichtet, das Titelstück wärmt mit einem kuschelig orgelnden Beginn und Bulat gibt eine kleine Kostprobe ihres stimmlichen Könnens, die auf einiges hoffen lässt aber auch nicht zu viel preis gibt. Dazu branden im Hintergrund dezente Gospel Vocals auf, die eine sakrale Durchwirkung fundamentieren und das Schlagzeug bugsiert diesen dringlichen Song durchaus in der Nähe von Rockmusik. Auf den Grenzsteinen des Pop balanciert Bulat in “Promise Not To Think About Love”, das von einem aufgeweckt klackernden Claprhythmus ausgeführt wird und bei dem sich die Zither auch mal richtig schüttelt, da kommt Freude auf. Ein stimmungsmäßiger Kontrast wird dagegen mit „The City With No Rivers“ geboten, hier wird der Song von einer finsteren Klangumgebung geprägt, in die Bulats seidiger Gesang eindringt, die verhaltenen Drums tauchen tief ein in undurchsichtiges Wasser und man hat das Gefühl, dieser erinnerungsschwere Abgesang, an dessen Ende das Zurücklassen steht, treibt auf einer einsamen Eisscholle dahin. Noch reduzierter ist dann das fragile „Paris Or Amsterdam“. Man kann sich wunderbar vorstellen wie Bulat alleine mit ihrer Akustischen in einer vereinsamten Küche einer Großstadt-WG sitzt und versonnen dieses Lied spielt, nur für sich, obwohl an einen anderen adressiert, nur dieser andere ist ein Schatz, der unheimlich schwer zu heben ist. Doch Bulat setzt in das Gemeinsame, in eine Verknüpfung ihre Hoffnung, wenn sie fordert: „if you´re lost/ come find me“. In „Never Let Me Go“ zeigt sich anschließend wieder einmal, dass Bulat sich gut in der Reduktion zurecht findet,  einzig ihr Gesang moduliert einen eigenen Rhythmus, der nur durch ein paar leicht ausgeführte Beckenschläge untermalt wird. Der Song wirkt wie eine ätherische Blase, deren Insassen langsam und orientierungslos dahingleiten, gleichzeitig besitzt dieses Stück jedoch auch einiges an Schwere, hier treffen verschiedene Zustände aufeinander. Das abschließende Klavierstück „From Now On“ verbreitet Zuversicht in tristem Szenario, als habe es etwas Bedeutendes herausgefunden und sehe von nun an klarer, „from now on/ every song is about you“. Basia Bulat sorgt mit „Tall Tall Shadow“ für zurückhaltende Verzückung, jeder Song hat etwas zu sagen und beizusteuern und ist passend ausgestaltet. Die Kanadierin erschafft mit Zurückhaltung und viel Feingefühl Musik, die sanft berührt und Fußabdrücke auf der Seele hinterlässt. Ein wunderbarer Leitfaden für einen tristen, grauen Herbst.

Info: www.basiabulat.com

(Martin Makolies)