MAZZY STAR: Seasons Of Your Day

MAZZY STAR

(Rhymes Of An Hour/ Rough Trade) 17 lange Jahre musste man also warten, 17 Jahre ohne Album von Mazzy Star. Man hat sie in dieser Zeit zwar nicht ständig auf dem Schirm gehabt, im Hinterkopf war aber immer die latente Erinnerung an diese verträumten, reduzierten Miniaturen, die sich zu emotionaler Größe aufgeschwungen haben. Klar, Hope Sandoval hat zwei Soloalben rausgebracht aber irgendwie war es nicht dasselbe, es fehlte vielleicht wirklich dieser begnadete Gitarrist der ruhigen Geste, David Roback. Bei der ganzen Dream Pop-Wiederauferstehung der letzten Jahre hat man sich dabei so manches Mal gedacht, etwas Neues von Mazzy Star, das würde jetzt gut passen. Das haben sich Sandoval und Roback wahrscheinlich auch gesagt, warum sollen die ganzen Künstler, die von Mazzy Star mal mehr, mal weniger offensichtlich beeinflusst wurden, den ganzen Rahm alleine abschöpfen. Nun ist es aber glücklicherweise so, dass sich „Seasons Of Your Day“ nicht nach Marktkalkulation anhört, sondern zutiefst inspiriert daher kommt. Jeder Song ist eine Lehrstunde in verträumten Folk, Country oder auch Pop. Es wurde ja immer wieder mit bewunderndem Ton über Sandovals alterslose, ewig junge Stimme gesprochen und dies hatte auch immer seine Berechtigung, dieses Album zeigt aber darüber hinaus sehr eindrucksvoll, welch gesegneter Musiker dieser David Roback ist. Beispielsweise „Common Burn“: wie rund und unglaublich voluminös die Töne da aus Robacks Gitarre tröpfeln, so unglaublich deep und dennoch filigran, das ist schon eine Schau. Oder der bewusst harte Gitarrenanschlag in „California“, der den Song eher in eine abgründige Tiefe führt, als in den alles selig machenden Sonnenstaat. Mazzy Star mögen in der Grundausrichtung weich und verträumt sein, im Detail gibt es jedoch kontrastierende Kleinigkeiten, die den Songs erst ihre wahre Identität verleihen. Die Basis der Songs ist klar, Sandovals Stimme und Robacks Gitarren, dazwischen tummeln sich aber auch nuanciert andere Instrumente, da darf ein Glockenspiel mal ein paar Töne aufs sepiafarbene Tableau tupfen oder in „Flying Low“ eine Mundharmonika den narrativen Gestus ein wenig vertiefen. Aber die Stücke bleiben immer reduziert, die warmen Streicher im Titelsong sind da eine rare Ausnahme.  Die spärliche Instrumentierung sorgt für eine tiefere Konzentration im verträumten Setting und immer hat man das Gefühl, man steht in einer weiten Landschaft, oder am Rande selbiger. Besagten Titelsong imaginiert man da auf die Türschwelle eines der Prairie Houses von Frank Lloyd Wright und das eröffnende „In The Kingdom“ beobachtet den Sonnuntergang von einer Herrenhausveranda aus, während Robacks Gitarre durchs anliegende Weizenfeld kreiselt. Mazzy Star haben, so stellt man fest, nichts von ihrer traumwandlerischen Intuition verloren, die Bewegungen laufen wie im Halbschlaf langsam am Hörer vorbei und man möchte eintauchen in diese Landschaften der sanften Berührungen. Einen kleinen Überraschungseffekt hält das Album dann aber doch noch bereit, das abschließende „Flying Low“ ist ein recht konkreter Blues mit deutlich akzentuierten Konturen, relativ handfest für die Verhältnisse dieser Band.  Und so kann man Mazzy Star nur willkommen heißen im Jahre 2013, die alten Qualitäten sind noch da, das Duo verzaubert nach wie vor mit unheimlich weichen, schwebenden Songs und all die Dream Popper unserer Zeit können huldvoll Anschauungsunterricht bei den Originalen nehmen, denn diese sind qualitativ nach wie vor ganz weit vorne.

Info: www.facebook.com/MazzyStarOfficial

(Martin Makolies)