TO KILL A KING: Cannibals With Cutlery

TO KILL A KING

(X-Tra Mile/Indigo) „Cannibals With Cutlery“ ist ein Album, das Fragen aufwirft. Da wäre zum einen interessant, warum es die Plattenfirma für ratsam gehalten hat, die deutsche Verkaufsversion auf  17 Songs aufzublasen? Denn dies sei vorweg gesagt: To Kill A King sind eine talentierte, ausgereifte Indie-Band, ein derart üppiges Programm von vorne bis hinten spannend auszufüllen, schaffen jedoch auch sie nicht. Dann möchte man gerne von den Briten wissen, warum sie derart versessen auf Streicher- und Bläserbombast sind?  Die Songs dieses Albums, welches zwischen Folk und Indierock changiert, sind in ihrer Grundstruktur durchaus subtil, doch werden den Stücken gerne Rattenschwänze voll pathetischer Orchestrierung angehangen, das sorgt für manchmal recht platte Emphase, wertet die Songs im Zweifelsfall eher ab als auf. Wie man es vorzüglich macht, zeigt dagegen der Opener „I Work Nights And You Work Days“. Dies ist eine betont elegante Pianoballade, angereichert mit blumigem aber eben nicht penetrantem Streichersentiment, die im Morgengrauen ihren Frieden mit den Schwierigkeiten einer Beziehung macht, bei der sich die Protagonisten ständig verpassen, „and though you are asleep/ it seems so natural/ to kiss you/ as the sun comes up“. Auch „Cold Skin“ erfreut mit Gentlemen´s Indie Rock, betreibt ein vor und zurück im Spiel mit der Dynamik und lässt E-Gitarren aufleben, wie sie in der Mitte der 00er Jahre so beliebt waren im UK. Damit wird der Verfall einer einst strahlenden Freundschaft skizziert, „skin and bones is all that´s left/ of me and you/ just two damaged fools“. Die eigene Beerdigung wird in „Funeral“ imaginiert und schnell der Vorsatz gefasst, noch jede Menge Freunde zu finden, die dann alle am Grabe stehen sollen, damit die eigenen Eltern stolz sind. Kontrastierend zum eher ernsten Thema ist die tendenziell luftige musikalische Umsetzung, der Refrain ist sonnig und triumphierend, nur hier fallen sie das erste Mal leicht negativ auf, die hemmungslos jubilierenden Bläser, die so gar nicht recht zum manierlichen Verhalten dieser Band passen wollen.  Schöner ist da dieses beiläufig Unaufgeregte in „Besides She Said“. In der Strophe wirkt der Song, als wäre er am Wegesrand vergessen worden, Sänger Ralph Pelleymounter intoniert  das Stück, als habe er heute nichts mehr zu tun, schwingt sich im Refrain aber zu einem ermüdeten Pathos auf, dem das eigene Aufbrausen aber selber unangenehm zu sein scheint.  Diese Nummer weiß dann doch sehr zu gefallen mit ihrer unaufgeregten Railroad-Dynamik. Ein Song wie „Gasp/ The Reflex“ hat dann seine starken Momente, wenn Pelleymounter scheinbar allein und isoliert im stillen Kellerverließ sitzt, dann also, wenn dieser Song Bodenkontakt hat. Die aufbrandenden Bläser und majestätischen Streicher, welche darauf folgen, mögen zwar als Kontrast gut funktionieren, verwässern aber den substantiellen Gehalt des Stückes, wobei generell das erneute Spiel mit der Dynamik durchaus zu begrüßen ist. Und man kann To Kill A King wahrlich nicht vorwerfen, sie seien in den abgesteckten Grenzen nicht wandelbar, mit „Rays“ gibt es moderat treibenden Rock, der an eine Tweedjacken-Version der Editors denken lässt, eine einfache Nummer, die durch ihre Energie jedoch ansteckend wirkt. Aus der dunklen Schwere kommt „Fictional State“ und kreiert eine spannende Atmosphäre, doch auch hier übertreiben es die Briten mit dem Einsatz dramatisierender Streicher. Und auch „Letters To My Lover( The Dylan Fan)“ krankt daran, dass aus einer an und für sich zurückgelehnten, kleinen Fingerübung, die man sich gerne für zwischendurch in die Hosentasche stecken mag, auch noch das letzte Potential an Emphase ausgeschöpft wird. Schön ist der Song aber so richtig nur in seinen bescheidenen Phasen. Und so hat man es mit einem im Ansatz sehr gelungenen Album zu tun, welches aber merklich darunter leidet, dass die Band ihre Stücke gerne  über den menschlichen Maßstab erhebt. Davon wird man, gerade bei dieser langen Spielzeit, ein wenig erschlagen und bleibt erschöpft zurück. Die guten Manieren haben To Kill A King zweifellos, jetzt müsste noch ein wenig mehr Bescheidenheit hinzukommen.

Info: www.facebook.com/tokillaking

(Martin Makolies)