TY SEGALL: Sleeper

TY-SEGALL
(Drag City/Rough Trade) Na, die Überraschung ist gelungen: Ty Segall hat ja mit seinen unzähligen Veröffentlichungen bisher eher den schroffen, fuzzigen Indie Rock bedient, da verblüfft es schon, wenn er jetzt mit einem Album um die Ecke kommt, dass von der Akustikgitarre dominiert wird. „Sleeper“ ist Segalls ruhigstes Album, wobei dies nicht bedeutet, dass es glattgebügelt und seicht ist. Sein Gitarrenspiel ist auch auf der Akustischen eher rau und grobkörnig, hat einen vergleichsweise harten Anschlag. Das Sanfte kommt auch eher auf anderem Wege in die Musik, so durch den oftmals körperlosen Falsettgesang, bei dem sich windende  Harmonien zueinander finden. Da ist ein klassischer, flotter Folk Song wie das abschließende „The West“ eher die Ausnahme. Es geht ansonsten recht versonnen und spleenig zu, das in seiner Melodieführung unheimlich schräge „Crazy“ ist da die Speerspitze und hätte auch gut ins Oeuvre von Syd Barrett gepasst, dieser Song wirkt wie eine windschiefe Vergnügungsfahrt durch das Wunderland der emotionalen Sondergrößen oder wie eine Drogenrazzia im Streichelzoo. Die Strophe von „She Don´t Care“ erinnert dagegen an die hymnischen Momente von John Lennon und vereinigt  im Refrain Lakonie und Mitgefühl, der Song ist ziemlich brüchig, strahlt dennoch recht kräftig und eine zerlumpte Geige sorgt für die dramatische Zuspitzung. Den einzigen richtigen Krachmoment bekommt man in „The Man Man“ geboten, wo eine zickige E-Gitarre unter lautem Jauchzen effekthaschend implodiert.  Doch das ist generell eher nicht das Anliegen dieses Albums, welches sich immer wieder gerne in mäandrierenden Gesangslinien verliert, die von einer etwas ungelenken Gitarre auf Kurs gehalten werden. Dabei zerläuft das Ganze aber nicht zum haltlosen Schwelgen, diese Songs werfen immer wieder einprägsame Melodien ab, wie im von der Slide Guitar getragenen „6th Street“. An den frühen Marc Bolan erinnert dagegen „Sweet C.C.“, welches zunächst recht entkräftet startet, sich aber für eine memorable Hook zu voller Größe aufrichtet. Ty Segall berührt mit diesem Album abseits vom Krach, diese Songs strahlen eine undefinierbare Faszination aus, bewegen sich zwischen Auflösung und zupackender Dringlichkeit. Segall beweist mit „Sleeper“ also vor allem, dass er auch im ruhigeren Metier seine Glanzpunkte setzen kann, bei dem massiven Output dieses Songwriters tut Abwechslung aber auch merklich gut.
(Martin Makolies)