GROOMS: Infinity Caller

GROOMS-Infinity-Caller

(Western/Cargo) An der Schnittstelle von Postpunk und Shoegaze macht es sich das dritte Album des Trios Grooms aus Brooklyn bequem. „Infinity Caller“ ist dabei wahrlich keine Platte mit revolutionärem Gestus, sie lebt viel mehr von den kleinen Duftmarken, die sie ins oft triste Tableau setzt. Damit reißen Grooms keine Wände ein, sie kratzen jedoch an so manchem Hochglanzlack und das nachhaltig. Schön, wie sich „Lion Name“ mit einem urruhigen Selbstverständnis langsam aufbaut, ohne Hast und ohne vordergründiges Spektakel, jedoch mit verführerischer Songstruktur, die im Unangestrengten ihre Wurzeln hat. Noch schöner ist das latent frühlingshaft stürmische „I Think We´re Alone Now“, das, wenn schon nicht Euphorie, dann doch wenigstens eine gewisse Aufbruchsstimmung verbreitet. Dabei singt Frontmann Travis Johnson wunderbar unaffektiert, dennoch mit einem gewissen Gefühl für kratzige Theatralik. Das folgende „Sleep Detective“ erzeugt eine wunderbar abgehangene Stimmung, getönt in alltagsgrau, man bewegt sich wie durch eine zähe Nebelwand, wobei Johnson aufzählt, woraus der moderne Mann so gemacht ist, aus Milch und Süßigkeiten zum Beispiel. Das untergründige Grummeln der Bassgitarre, das An- und Abschwellen des Schlagzeuges, alles atmosphärisch wunderbar arrangiert, doch das Highlight ist die sehnsüchtige, wunderbar crispe Gitarre, die den matten Vorhang zerschneidet und hinter der starren Maskerade eine gehörige Verletzlichkeit freilegt. In „Iskra Goodbye“ darf Bassistin Emily Ambruso das Mikro übernehmen, dabei kommt ein netter aber auch irgendwie harmloser Song zustande, ein Makel, der einige wenige Songs auf dieser Platte befällt. Es sind halt eher einzelne Songs und Momente, die zeigen, dass Grooms zu Großem fähig sind. Bestes Beispiel dafür ist das grandiose „Play“, das stoisch losstapft und mit einem hypnotisch mysteriösen Gesang ausgestattet ist. Dieses Stück lebt von untergründiger Panik, von einem aufziehenden Kontrollverlust, der sich im schreckhaften „Oh oho oh“ von Johnson manifestiert. Es scheint, dass bei diesem Song dunkle Mechanismen greifen, die größer sind als die handelnden Akteure, das Ungewisse fährt der Gitarre und dem Schlagzeug in die Glieder. „Susie Jo“ gibt sich anschließend als flirrendes Mantra, als aus dem Gleichgewicht geratene Lobpreisung. Hier hat man das Gefühl, dass Grooms aus einer distanzierten Deckung agieren, die Drumbeats und Akkorde sind akkurat platziert und doch erscheint die Struktur irgendwie fehlerhaft und angeknockt, Verunsicherung auch hier.  „Sometimes Sometimes“ wird durch glockenhafte Gitarrenfiguren erhellt, die sich auf einen nervösen rhythmischen Fluss legen, das Stück verraucht vor dem betrachtenden Auge, selten schälen sich konkrete Formen oder Melodiefolgen heraus, und nach zwei Minuten scheint der Song endgültig die Fassung zu verlieren. Der abschließende Titelsong lässt das Schlagzeug Morsecodes versenden, Gitarre und Bass schalten sich sparsam ein um rudimentäre Schlagschatten zu erzeugen und über dem Song liegt generell ein fiebriger Frost. Damit erzeugen Grooms eine spindeldürre Epik ohne Fettrand, die dann von einem fast schon spektakulären Groove ausgekontert wird.  Grooms schaffen es zwar nicht immer, solch spannungsreiche Konstellationen zu erschaffen, „Infinity Caller“ ist aber dennoch ein weitestgehend knisterndes Erlebnis, es gibt immer wieder diese Momente, die sich betont abseits von gängigen Strukturen bewegen und somit für künstlerische Reibung sorgen, die diesem Album einen blassen Anstrich des Besonderen verpassen.

Info: www.grooms.bandcamp.com