SOLAR HALOS: SOLAR HALOS

Review Kritik SOLAR HALOS SOLAR HALOS

(Devouter/Broken Silence) Wenn man über das selbst betitelte Album der Solar Halos spricht, kommt man wahrscheinlich nicht umhin, die ganz großen Naturmetaphern auszupacken. Wir reden über die Kontinental-Drift, den Gletscher, der sich ins Tal malmt oder auch die gewaltige Wirkung eines Tsunami, betrachtet aus dem Weltall. Denn diese Platte entfaltet ihre monolithische Strahlkraft in der gemächlichen Bewegung. Die Riffs und die stoischen Drums scheinen alle Zeit der Welt zu haben um zu zerquetschen und zu zermalmen. Wenn man es etwas humoriger sieht, kann man diese Songs mit dem Steinbeißer aus der unendlichen Geschichte vergleichen, doch das würde wahrscheinlich nicht dem feierlichen aber unheilvollen Ernst der Stücke entsprechen. Frontfrau Nora Rogers gibt den schicksalsschwangeren Unglücksengel, sie scheint immer auf einer wogenden Welle untergegangener Zivilisationen zu reiten und gibt unnahbar die unterkühlte Hohepriesterin. „The Vast White Plains“ setzt den Songtitel mit weitgefassten Melodiestrukturen und einem martialischen Rhythmus um, Verderben und Verdammnis spiegeln sich in den monochromen Eisflächen und es scheint fast so, als stehe der Song unter einem quälenden Joch. Richtig spannend wird es, wenn Rogers gesangliche Unterstützung von Bassist Eddie Sanchez erhält, die beiden Stimmen umgarnen und umkreisen sich in einem Untergangsstrudel, der in hypnotische Tiefen führt. Ganz so aufregend und anregend sind nicht alle Situationen und Elemente dieser Platte, man braucht halt ein wenig Geduld und Konzentration, um die graduellen Veränderungen zu erfassen und würdigend zu goutieren. „Tunnels“ brodelt zum Beispiel erst mal einige Minuten etwas orientierungslos vor sich hin, bis es kraftvoll eine konkrete Richtung einschlägt und dies mit markerschütternden Riffs untermauert. Dann jedoch entfaltet sich regelrecht eine Urgewalt, die einen mit Haut und Haaren verschlingt, simpel aber ungemein kraftvoll auf einer sehr basalen Ebene. Das ist Stoner Rock, der sich einiges beim frühzeitlichen Doom der Marke Black Sabbath abgeschaut hat. Die Dunkelheit ist absolut, ähnlich der Blindheit, nachdem man lange in die gleißende Sonne gestarrt hat. Ein wenig luftiger wirkt dann zunächst „Migration“, die Gitarren streunen auf fruchtbarem Grund umher, doch nach und nach zieht sich auch hier die Intensitätsschlinge zu, auf den Schultern lastet mehr und mehr ein kaum zu tragendes Gewicht, der Weg geht „over a bridge/ that is swallowed by oceans“ und jedes bisschen Zuversicht verliert sich im bleiernen Dampf dieser gut geölten Vernichtungsmaschine, die in aller Ruhe am Knochen unserer modernen Gesellschaft nagt. Der Mensch ist hier tatsächlich winzig klein angesichts der mächtigen, ja übermächtigen Prozesse der unheilvollen Natur. Und so entspinnt sich ein fataler Reigen, der in seinem musikalischen Stoizismus in seinen besten Momenten schier überwältigt aber auch so manche Länge aufweist. Solar Halos lassen es halt mächtig laufen und die Repetition gehört zu ihren liebsten Werkzeugen. Das wird es dann manchmal etwas zu ausufernd und anstrengend, eine beeindruckende Kraftleistung stellt „Solar Halos“ aber auf jeden Fall dar und gibt darüber Auskunft, was auf der Erde geschieht, wenn der Mensch verschwunden ist.

Info: www.facebook.com/SolarHalos