WARPAINT: WARPAINT

Review Kritik WARPAINT WARPAINT

(Beggars/Indigo) Bei dem Rummel um Warpaint, der derzeit in der Medienlandschaft herrscht, bekommt man schnell den Eindruck, die vier Damen aus Los Angeles hätten den ganz großen Wurf gelandet, ein epochemachendes Überalbum. Dabei ist „Warpaint“ schlicht und ergreifend eine sehr gelungene Dream Pop-Platte, die jedoch sicherlich nicht die Welt aus ihren Angeln hebt. Das Quartett hat sich scheinbar mehr Disziplin, einen engeren Focus auferlegt, und wendet sich solcherart von melodischen und strukturellen Einzelereignissen ab, es geht auf diesem Album oftmals eher um Stimmungen, als um konkrete Handlung. Dabei verlieren sich Warpaint in seltenen Fällen auch manchmal in ihrem ätherischen Geflecht, eine gewisse Substanzlosigkeit scheint schon mal durch, maximal betörend ist die Platte aber immer und wie gesagt, in Sachen Atmosphäre ist das Ding eine gewaltige Hausnummer. Die düsteren Keyboardflächen und das stoische Schlagzeug im „Intro“ führen ein in eine Welt der Ungewissheit, der pastellfarbenen Schattenwürfe, Warpaint schicken ihre Musik öfter Mal auf die Reise und schauen dann, was passiert. Der Einsatz von Tasteninstrumenten und Gitarren ist sparsam aber fein nuanciert, getragen werden die Stücke eher vom Bass und dem exzellent maßvollen Schlagzeugspiel, generell ist der Rhythmus der Leitfaden dieser Exkursionen durch das Unterholz zwielichtiger Zauberwälder. Emily Kokals kristalline Stimme tastet sich in den Songs vorsichtig aber durchaus selbstbewusst durch das Terrain, Platz für Zweifel aber auch juvenile Hoffnung bleibt dabei dennoch. „Keep It Healthy“ ist da zum Beispiel so eine enigmatische Reise, die filigran eine ganz eigene Wahrhaftigkeit und ein verzaubertes Klima der Ambivalenz erschafft. „Love Is To Die“ ist das frühe Glanzlicht dieser Platte, obwohl hier Licht nur ganz spärlich und an den Rändern zum Einsatz kommt, dieses Stück ist ein verrauchtes Funkeln, umgeben von dichter, nächtlicher Schwärze. Der Refrain erhebt sich dabei durch eine dezent dringlichere Stimmfärbung über die flächigen Strophen, ganz entschlüsseln kann man dieses geheimnisvolle Stück aber nur schwerlich, „love is to die/ love is to not die/ love is to dance“, alles in einem, Positives und Negatives und dazwischen changiert diese Musik, die sich einfach nicht festnageln und greifen lässt, es ist manchmal fast so, als würde einem etwas Kostbares durch die Finger rinnen. Es ist mitunter faszinierend, wie sich Kokals Gesang langsam entfaltet, mit einem spürbaren Genuss, jedoch meistens auch mit dem Unterton der Verletzlichkleit, ab und zu spielt da auch etwas Gequältes mit rein, wunderbar zu hören in „Hi“. Die Schattensynthies in „Biggy“ vermitteln dagegen eine urbane Kälte, die jedoch von der Sanftheit und Entzückung in „Teese“ ausgekontert wird, ein einziges, verzücktes sich Rekeln auf edlem Bettstoff, „I´m in heaven now“ und weiter: You´re so golden/ I´m so golden now/ I want more now“. Hier finden höchste spirituelle, vielleicht auch sexuelle Zufriedenheit ihren geschmeidigen Ausdruck. Aus dem Dream Pop-Schlösschen raus in den verschwitzten Club geht das atypische „Disco/ Very“, hier laden Warpaint zur Amazonentanzstunde, die Opfer werden verschlungen und es manifestiert sich ein sexy Überlegenheitsgefühl, Warpaint als dominante Clubhexen. „Go In“ dagegen leiht sich die Instrumentierung von Tom Waits, jedoch mit abgeschliffenen Kanten, erneut ist das von einer tiefen, unaufgeregten Spiritualität geprägt. Mitunter schaffen es Warpaint dabei nicht, die nötige Spannkraft zu erzeugen, man ist nicht immer hypnotisch gebannt, bei so manchem  Stück( „Feeling Alright“) verliert man ein bisschen den Faden, man wünscht sich hier dann doch ein wenig mehr Greifbares. Voll erfüllt wird das von dem bedrohlichen Bass in „CC“, dessen Spiel den Blick für im Dunkeln liegende Abgründe schärft, dabei wird das Schreckliche nur kurz gestreift, es bleibt bei einem Damoklesschwert, das unberechenbar über dem Hörer schwebt. Mit ihrer zweiten Platte gehen Warpaint einen ernsthafteren Weg, das Verspielte tritt ein wenig in den Hintergrund. Dabei entstehen Songs, die vordergründig nicht viel anbieten aber in den Details von großem künstlerischen Verständnis künden, minimale Verschiebungen im Songklima, der dezente Einsatz von rudimentären Melodiefiguren, das alles erschließt sich dem aufmerksamen Hörer, zum Anhören im Vorbeigehen taugt dieses Album jedenfalls nicht.

Info: www.warpaintwarpaint.com