BOY & BEAR: Harlequin Dream

(Nettwerk/ Soulfood)  Der australischen Band Boy & Bear anzukreiden, sie seien zu harmlos und brav, wäre in etwas so, als wenn man diesen Vorwurf einem Rehkitz machen würde. Es scheint einfach fest in der DNA dieses Quartetts verwurzelt zu liegen, nicht rüpelhaft rum zu rumpeln oder anzuecken, sondern statt dessen mit wohlfeilen Harmonien und einem dezenten Drive zur gepflegten Nachmittagsunterhaltung auf der Veranda jenseits des Orangenhains beizutragen. Sänger Dave Hasking schätzt nach eigener Aussage die Subtilität in der eigenen Musik, nur muss man konstatieren, dass er das Subtile ab und zu mit dem eher Belanglosen vertauscht. Verstehen wir uns nicht falsch, diese Mischung aus Southern Rock, Country und Americana ist durchaus sympathisch, sie sorgt jedoch nicht für das gewisse Kribbeln. Dabei hat diese Platte durchaus ihre Momente. Den besten hält „Harlequin Dreams“ direkt zu Beginn bereit, „Southern Sun“ ist ein herrlich unkomplizierter, zutraulicher Neuanfangssong, dessen Gitarren vergnügliche Pirouetten drehen und zu einem vitalen aber dezenten Erweckungserlebnis beitragen. Das wirkt unverkrampft und kündet von einer gewissen Leichtigkeit in der Sichtweise aufs Leben, sehr schön. Auch in „End Of The Line“ steckt eine natürliche Einfachheit der Dinge, mit Hundeblick trägt Hasking sein schönes Lied vor, das erinnert an eine weniger effektbehangene Version von Mumford and Sons, luftig und beschwingt durchs Kornfeld. Dazu setzt auf halber Strecke ein markanter Schlagzeugrhythmus ein, der sogar richtig in Hüften und Beine geht. Doch es gibt eben auch die fast als langweilig zu bezeichnenden Songs, die eine etwas ermüdende Betulichkeit vor sich hertragen. Dazu gehört ausgerechnet auch der Titelsong, an den man sich nur aufgrund des golden schimmernden Saxophons erinnern wird. Auch „Back Down The Black“ ist durchaus ein gefälliger Song, doch es scheint so, als hätten Boy & Bear ein großes Drama im Auge gehabt, was bleibt, ist aber nur ein wenig Präriestaub am Fuße der Bühne. Das Problem dabei ist, dass man das alles schon mal gehört zu haben glaubt, nichts steht so wirklich für sich allein, die Wege, die Boy & Bear beschreiten, sind schon ein wenig ausgetreten. Wer jedoch auf Innovation oder das genuine Element in neuer Musik verzichten kann, wird sich durchaus an diesen grundguten Songs laben können, manchmal ist das Vertraute ja auch ein guter Wegbegleiter.

6 out of 10 stars (6 / 10)

(Martin Makolies)

www.boyandbear.com