CHRIS GRANT: It´s Not About War

(359 music/ Rough Trade)  Nein, kriegerisch ist diese Platte wahrlich nicht. 359 Boss Alan McGee hat sich da mit Chris Grant eher einen verschmusten Troubadour an Land geholt, der im Bereich des latent balladesken Pop so manche Anschmiegsamkeit auspackt. „Our Story“ hat da noch einen gewissen, unterschwelligen Drive, doch schöpft die Musik von Grant ihre Identität eher aus der Verlangsamung. Der Liverpooler scheint mit zutraulicher Stimme immer aus dem Schatten heraus zu singen. Das kann durchaus reduziert geschehen, wie in „It´s You“, welches alle anderen Dinge abseits der Geliebten negiert und entsprechend puristisch und minimalistisch erscheint, ein Song, geschult am klassischen Folk. „I Am The One“ treibt dagegen durch einen Zauberhain, entschleunigt  und ultra sanft, steuert dabei auf einen feinfühligen, behutsamen Refrain zu, der Geborgenheit und Wärme gibt, ein romantisches Idyll. Überhaupt ist dieses Album harmoniesüchtig und voll von Romantik und Zutraulichkeit. „Pretty Mean“ kreuzt „Don´t Fear The Reaper“ vom Blue Oyster Cult mit neongestreiften Achtzigerpop und macht dabei eine durchaus elegante Figur. Doch kommt man irgendwann an den Punkt, wo man sich die ein oder andere Störeinheit wünschen würde, eine Varianz in der Gestik oder der Intention. Grant bleibt jedoch brav, mit einer recht gewichtigen Ausnahme: in „Too Cool To Die“ packt der Liverpooler auch mal die kratzige Schrammelgitarre aus und der Postpunk-Beat orientiert sich an der Tanzfläche. Ein bisschen mehr Schwung in dieser Form hätte „It´s Not About War“ sicherlich nicht geschadet, eine schöngeistig harmlose Liebelei stellt dieses Album davon abgesehen aber mindestens dar.

Info: www.facebook.com/ChrisGrantOfficial‎

6 out of 10 stars (6 / 10)

(Martin Makolies)