DEAD GAZE: Brain Holiday

(Fat Cat/ Alive)  Es ist manchmal eine Freude, zu sehen, wie unbedarft und scheinbar konzeptlos junge Künstler zu Werke gehen, es wird keine Zeit damit verschwendet, einen tragfähigen, gedanklichen Überbau zu finden, sondern einfach nur gemacht, was sich richtig und gut anfühlt. Wir wissen zwar nicht genau, ob Cole Furlow, Kopf hinter Dead Gaze, wirklich so unbefangen an das Projekt „Brain Holiday“ gegangen ist, die Platte wirkt aber auf jeden Fall so, als ob hier eine gute Idee nach der anderen einfach mal auf Band gebracht wurde. Zuerst probiert sich Furlow in der Rolle des knittrigen Alternative Rock Star, eine kleine Bühne passt auf jeden Fall in die Garage und die Posen sitzen schon ganz gut. „Yuppies Are Flowers“ präsentiert nacheinander Stromgitarre, Keyboard und Handclaps und bastelt daraus einen Song, den Weezer wahrscheinlich nur nicht auf ihr grünes Album genommen hätten, weil er dann doch ein wenig zu unartig geraten ist. Und es wird erst mal weiter gerockt, „Rowdy Jungle“ nimmt die Gitarre herzlich in den Schwitzkasten, doch das tut der fidelen Stimmung keinen Abbruch, wird schon alles gut, „please believe me when I say/ there´s absolutly nothing/ that can get in our way“. Das folgende „Stay, Don´t Say“ lässt dann die Konzertbühne auf Laptopgröße schrumpfen, statt elektrischer Gitarre säuselt die Akustische und zutrauliche Percussions ebenen den vergnügt holprigen Weg. Hier merkt man das erste Mal, dass man es nicht ausschließlich mit schnoddrigem Garagenrock zu tun hat. Klar, es gibt geradlinige Rocker wie „You´ll Carry On Real Nice“, ja es gibt sogar ein räudiges Drecksmonster, das aus allen Ritzen qualmt( „A Different Way“) aber Furlow findet auch Platz für sonderbar Schöngeistiges. Da wären die majestätischen Bläser in „Runnin´On The Moon“, die dem Song tatsächlich die ehrbare Feierlichkeit einer Weltraummission verleihen, muss ja keiner wissen, dass die Besatzung völlig betrunken ist…So richtig ausgeglichen wirkt dann „Breathing Creatures“, das sich ein Barpiano und glücklich seufzende Trompeten gönnt, alles fließt träge und zufrieden dahin und Furlow scheint seiner Vorstellung von Glück hier ganz nah zu sein. Und dieses einmal gefundene Glück wird in „Possible Embrace“ gehütet und ausgebaut. Beschwingt schaut man der Zukunft entgegen, das Schwere ist fast überwunden und das ist doch mal wirklich ein Grund für das Klavier, vergnüglich zu klimpern während Furlow mit seiner Stimme den Hörer in den Arm nimmt, „it´s true that you and I are almost through/ with the work that must be done/ but now it´s time to have some fun“. Und diesen Spaß hat man mit „Brain Holiday“, das zur richtigen Zeit immer den richtigen Ton trifft und mit seiner Positivität schnell das ein oder andere Herz gewinnt. Cole Furlow hat sich scheinbar über solche Sachen wie die perfekte Balance und eine stringente Struktur nicht viele Gedanken gemacht und erreicht gerade dadurch eine schwer zu erreichende Vollkommenheit der einzelnen Teile und des Ganzen.

8 out of 10 stars (8 / 10)

(Martin Makolies)

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