MAGIK MARKERS: Surrender To The Fantasy

(Drag City/ Rough Trade)  Die Magik Markers rund um Frontfrau Elisa Ambrogio haben eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen. Damals war da vor allem markerschütternder Krach, der sich um Struktur, Melodie oder Song recht wenig Gedanken gemacht hat. Doch spätestens mit der neuen Platte „Surrender To The Fantasy“ sind Magik Markers in bekömmlicheren Gestaden der Rockmusik angekommen. Dies jedoch ohne all die kleinen Ecken und Kanten zu verlieren, die zu verhindern wissen, dass man diese Platte einfach glatt konsumieren kann. Die Widerhaken, die aus Feedbacks, Reverbs und einer schluffigen Lo-Fi-Attitüde bestehen, sorgen dafür, dass man die Songs gewissenhafter in sich aufnimmt, da bleibt einiges hängen. „Crebs“ fällt da gleich unerwartet mit der Tür ins Haus, der Song scheint einfach mittendrin zu beginnen und rockt sich dann durch eine Nebelsuppe, die zwar dicht aber nicht bedrohlich wirkt. In Ambrogios Gesang steckt eine gewisse Sanftmut, eine brüchige Zuversicht, die das Stück ziemlich weit trägt, durch Feedbackschleifen und knatternde Gitarreneffekte hindurch. Einige der Stücke sind übrigens auf J Mascis´ Dachboden aufgenommen worden und so hören sich die Songs auch an, do it yourself und eine gewisse Antihaltung zur Makellosigkeit scheinen da durch. „Acts Of Desperation“ gibt sich zum Beispiel als ultrareduzierter Americana, eine Bluesgitarre geht einen steinigen Weg und wieder muss man feststellen, dass Ambrogios Stimme zu den beeindruckenden der alternativen Rockmusik zählt und zwar ohne große Verrenkungen oder Zaubertricks, in ihrer natürlichen Stimmfärbung steckt eine subtile Varianz, deren Facetten in diesen Songs gewinnbringend eingesetzt werden. Da wird auch schon mal die Psych-Punkbombe gezündet, wie im krachigen „Bonfire“, das über kurze Distanz ganz schön viel Staub aufwirbelt und ordentlich bollert. Dann aber wieder die ruhige Gangart: das lahmende Hufgeklapper in „Mirrorless“ unterlegt wunderbar unaufgeregt den Sonntagmorgengesang von Ambrogio, ein wunderbarer Kontrast zu den ruppigeren Momenten dieser Platte. Angriffslustiger zeigen sich Magik Markers in „American Sphinx Face“, dem Kernstück der Platte, welches im Spoken Word Vortrag mit der Heimat hart ins Gericht geht, „In America, every man´s a king/ no  good king/ but a dead king“, dazu zieht ein bedrohliches Unwetter auf, der Rhythmus marschiert mit weit ausholenden Schritten durch ein Weltuntergangsszenario und die Gitarren leiern ihr kleines Todeslied. Das wirkt in Maßen dramatisch, doch wird die Performance der Band vor allem durch eine eiskalte Nonchalance geprägt. Wärmer geht es in „Young“ zu, das nur wenige musikalische Zutaten, ein Cello zum Beispiel, braucht, um eine gemäßigte Trauer zu erzeugen, „the worst part about being young/ is thinking nothing ever comes“. Tröstlich dabei ist aber, dass Ambrogio jene schlimmen Gedanken überwunden hat, nicht unversehrt zwar, aber immerhin lebendig. Mit diesem Song erlebt ´die Platte ihren intimsten Moment, in Folgenden gehen Magik Markers künstlerisch wieder ein wenig mehr auf Distanz, sei es durch unkonkrete Strukturen, wie in „Empire Building“, oder durch am Galgen baumelnde Gitarren, die das abschließende „WT“ völlig abgebrannt  und desolat erscheinen lassen.  „Surrender To The Fantasy“  hat durch seine unterschiedlichen Stimmungen und klanglichen Ausprägungen so viele Facetten zu bieten, dass dieser Platte zuzutrauen ist, dass sie für jede Lebenslage den passenden Song bereit hält. Zuversicht, vorsichtige Euphorie aber auch Aufbegehren und Niedergeschlagenheit finden sich hier in bescheidener Ausgestaltung wieder. Die Magik Markers machen nicht unbedingt das große Fass auf, sie bieten aber eine nüchtern dargebotene Songsammlung an, die gerade in ihrer spröden, dennoch liebevollen Ausgestaltung die echten menschlichen Gefühle realistisch, ohne Scheinwerfer, ohne Kunstblut, wiedergibt.

Info: magikmarkers.tumblr.com

8.5 out of 10 stars (8,5 / 10)

(Martin Makolies)