AUGUSTINES: Augustines

(Caroline/ Universal)  Sturm und Drang, wohin man auch schaut…Augustines sind Verfechter und Kreuzritter der aufbrandenden Emotionen, halbe Sachen machen sie auch auf ihrem zweiten Album nicht. Ihr Indie-Pop wallt eigentlich immer mächtig auf, „Ohohoh“-Chöre, Fanfarenstöße und ein engagierter Gesang von Billy McCarthy gehören oftmals zur Grundrezeptur dieser nicht gerade abwechslungsreichen Musik. Der Anfang jedoch ist noch sehr schön, verspielt erklingen vorsichtige Glockenklänge, das Album beginnt mit Understatement. Davon kann jedoch spätestens bei „Cruel City“ keine Rede mehr sein. Der afrikanisierte Rhythmus ginge ja noch in Ordnung, wenn er nicht für eine allzu stromlinienförmige Emphase vor den Karren gespannt würde. Das Problem bei den Augustines liegt darin, dass es an Zwischentönen mangelt. Verzweifelt oder euphorisiert, die Tendenz geht immer zum ganz oder gar nicht. Und das ist auf Albumlänge geradezu erschöpfend. Man hat halt das Gefühl, ausagearme Hüllen von Songs vor sich zu haben, alles wird mächtig aufgeblasen, Gitarren, Bläser und Streicher sind Instrumente für eine emotionale Erhebung der Hörerschaft, aber ob man da mitmachen will, das fragt man sich schon recht schnell. Wenig überraschend ist der vielleicht schönste Song dieser Platte eben jener, der am unprätentiösesten ist, nämlich „This Ain´t Me“, welches eine zurückhaltende Orgel an den Beginn stellt und generell niemals übers Ziel hinausschießt. Hier wirkt eben nicht alles überlebensgroß, die unterschwellige Hysterie im Gesang wirkt dagegen realistisch und wahrhaft nachgefühlt. Ansonsten wirkt vieles auf „Augustines“ einfach eine Nummer zu aufgeblasen. Selbst die Klaviernummern wie „Walkabout“ warten nur darauf, ihre Filligranität einer mächtigen Gefühlseruption zu opfern, so dass diese Songs dramaturgisch ausgelutscht wirken. Da haben Augustines wahrlich übers Ziel geschossen, solche Sachen überlässt man lieber Arcade Fire, denn die können das wirklich.

5.5 out of 10 stars (5,5 / 10)

Info: www.weareaugustines.com

(Martin Makolies)