BRETON: War Room Stories

(Cut Tooth/ Believe/ Soulfood)  Was macht man heutzutage, wenn man der kreativen Heimat beraubt wird? Richtig, man geht nach Berlin. Bretons alte Keimzelle, die BretonLabs in London, wurden platt gemacht, also packte man die Siebensachen ein und zog an die Spree. Dort ist „War Room Stories“ entstanden, ein Versuch, den Mittelweg zwischen eingängigem Pop und dem gewissen künstlerischen Anspruch zu finden. Gelungen ist dieser Spagat zuletzt Everything Everything oder auch Foals. Ganz so eine gute Figur machen Breton dabei nicht, doch das liegt sicher nicht an der ersten Albumhälfte. „Envy“ ist direkt mal ein gelungener Start, mit Calypso und Streichern machen sich Breton erst mal so richtig locker und finden noch die richtigen Worte zum Thema Liebe: „it´s not love/ if you aim for it“. Auch „Got Well Soon“ ist ein richtiger Hit, die dumpfen Beats könnten einen Sumpf trocken legen und im Zwielicht der Synthies kann man die Hüften lässig kreisen lassen, sehr sexy, das Ganze. Doch auch abseits der Tanzfläche wird man auf Hälfte 1 fündig, wenn man Musiknahrung für den Kopf sucht. „S4“ lässt sich mit seinen tröpfelnden Soundminiaturen ausgiebig Zeit, man wähnt sich in einem undurchdringlichen Nebel, aus dem sich erst nach einiger Zeit eine mächtige Gesangslinie herausschält. Hier können Breton vor allem damit punkten, dass sie nichts auf die gängigen Dramaturgien einprägsamer Popmusik geben und das Stück erst mal durch unbekanntes Terrain führen. Das erdige „Closed Category“ pendelt ebenso durch verlassene Straßenzüge, liest dabei ein Klavier vom Sperrmüll auf und gibt sich völlig unprätentiös. Leider halten Breton die hohe Qualität nicht  über die gesamte Spielzeit, es folgen ein paar austauschbare Songs, die nicht so recht wissen, wohin. Besonders „302 Watchtowers“ verheddert sich in seiner schummrigen Chill Out-Ecke und kommt nicht so recht zum Punkt. Bei diesen Stücken scheint es so, dass Breton Anspruch und Pop unmittelbar verknüpfen wollten, dabei heben sich jedoch die beiden Seiten der Medaille gegenseitig auf und es bleibt ein klanglich aufwendig inszeniertes Nichts. Doch die Neuberliner laufen noch mal zu großer Form auf, „Brothers“ gibt sich zunächst als melodramatische Klavierballade aus Unterwasserregionen, findet dann aber noch eine wunderbar lässige Dancehook, die den Song nachhaltig auf die Tanzfläche beordert. Hier ist die schwierige Verknüpfung von Bauch und Kopf wunderbar gelungen,  es wird eine intuitive Selbstverständlichkeit erreicht, die einigen Songs dieser Platte leider abgeht. Manchmal wirken Breton zu verkrampft, manchmal aber auch zu unentschieden, als das immer Großes entstehen kann. Doch gerade zu Beginn zeigt die Band, dass sie dazu in der Lage ist, anspruchsvolle Popmusik mit einer Lässigkeit zu erzeugen, die man sich in Zukunft noch eine Spur öfter wünschen würde.

6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

www.bretonlabs.com

(Martin Makolies)