LIARS: Mess

(Mute/ Good To Go)  Und dann machen die tatsächlich ein Dance-Album! Man hätte viel erwarten können von den Liars, nachdem sie sich auf „Wixiw“ musikalisch fast selbst zerfleischt hatten. Doch das sie jetzt mit einer Platte um die Ecke kommen, die massiv auf die Tanzfläche abzielt, dass sie ein Album aufnehmen würden, das vorrangig Spaß macht, hätte wohl keiner so vorhersehen können . Besonders die erste Hälfte von „Mess“ liefert derart konstruktives Material für durchgetanzte Clubnächte, dass man sich verwundert die Augen reibt. „Mask Maker“, Vox Tuned D.E.D,.“ und das fast sechsminütige „I´m No Gold“ sind zwar allesamt tendenziell düster und tragen eine verführerische Gefährlichkeit in sich, doch fahren diese Stücke recht unmittelbar in den bewegungswilligen Körper und setzen euphorisierende Botenstoffe frei. Dabei wirkt die Musik des Trios niemals stumpf oder eindimensional, viele kleine Details in den Tracks machen aus dieser Platte etwas Besonderes, man höre nur die majestätischen Keyboardstreicher in „Vox Tuned D.E.D.“. Auch „Pro Anti Anti“ bolzt ganz schön durch die Gegend und bevorzugt ein Industrial-Stahlgewitter als Tragwerk, was dazu führt, dass man meint, einer postapokalyptischen schwarzen Messe beizuwohnen. Ein richtiger Partytrack ist „Mess On A Mission“, dessen „facts are facts/ and fiction´s fiction” sich derart unwiderstehlich  im Gehörgang fest setzt, dass man diese Zeilen so schnell nicht wieder los wird. Aber auch hier sei gesagt: der Song ist in hohem Maße eingängig, banal oder stumpfsinnig ist er zu keiner Zeit. Auf der zweiten Hälfte des Albums bewegen sich Liars dann ein wenig weg vom Dancefloor, sie kosten beschaulichere Stimmungsbilder aus, wobei diese Musik niemals anstrengend oder all zu sperrig wird, alles befindet sich in einem konstruktiven Fluss, so das herrlich pluckernde und klackernde Instrumental „Darkslide“.  Auch wenn „Mess“ über weite Strecken etwas fürs Herz und die Beine ist, lassen es Liars sich dennoch nicht nehmen, ans Ende etwas Verkopftes zu stellen. „Perpetual Village“   begibt sich auf eine wabernde Reise, die Beats sind ruhig und lässig, das Stück nimmt sich alle Zeit der Welt, um sich konzentriert zu entfalten, ein faszinierender Trip ohne Hektik. Das abschließende „Left Speaker Blown“ hat eine Unterwasserorgel für das Ausmalen des Hintergrunds dabei und tastet sich durch den weichen Nebel, man hört hier seltenerweise eine Gitarre beim Auskleiden des Stückes zu, alles ist ruhig und in einem narkotischen Gleichgewicht, die Euphorie weicht einer zufriedenen Ruhe. Damit finden Liars einen sanften Schlusspunkt für ein Album, dass das New Yorker Trio von seiner zugänglichsten Seite zeigt, „Mess“ gibt sich weniger artifiziell als seine Vorgänger, erreicht den Hörer auf dem direkten Weg. Dass diese Platte dabei kein Stück langweiliger ist, als die anderen Werke der Band, liegt  an der unmittelbaren Begeisterung, die all die Beats und Melodien erzeugen, „Mess“ erschließt sich auf Anhieb, nutzt sich aber nicht ab.

9 out of 10 stars (9 / 10)

Info: www.liarsliarsliars.com

(Martin Makolies)