SAMANTHA CRAIN: Kid Face

( Full Time Hobby/ Rough Trade)  Man sollte Samantha Crain ob ihres kindlichen Gesichts nicht unterschätzen. Klar, die Musik der Chocktaw-Indianerin aus Oklahoma ist warm und sanft, niedlich ist sie jedoch eigentlich nie. Im Gegenteil, Crain formuliert in ihren Songs eine wundervolle Gedankenschwere aus, die tief blicken lässt. Sie ist eher auf abseitigen Pfaden unterwegs, nur manchmal trägt ihre Musik eine gewisse Lockerheit in sich, so im Opener „Never Going Back“, dessen countryeske Aufgekratztheit auf eine leichte Kost vorzubereiten scheint. Doch  Leichtigkeit ist rar im Universum von Crain, ein luftiges Picking in „Churchill“, eine lässige Slackergitarre in „Somewhere All The Time“, das war es auch schon. Die meiste Zeit jedoch sind die Stücke von einer konzentrierten Schwere geprägt, der Weg zur eigenen Wahrheitstreue in „Taught To Lie“ ist ein mühsamer, es geht mit schweren Schritten bergauf, davon kündet schon der schleppende Schlagzeugbeat, „this world that I´m a part of/ asked me for my lies“. Und es steht zu vermuten, dass die 26-Jährige einige wichtige Dinge auf dieser Strecke verloren hat. Die Atmosphäre in den Songs ist sehr dicht, und dass, obwohl die Instrumentierung sparsam und zurückgenommen ist. Da klimpert mal ein Piano, es wird an den Saiten einer Akkustikgitarre zart gezupft, doch es bleiben immer Zwischenräume, die die Stücke atmen lassen. Ganz tief und konzentriert gibt sich „For The Miner“, dessen Gitarren selbstvergessen im Hintergrund tönen und das Stück durch weite Landschaften tragen, ein grummelnder Bass taucht die intuitiven Melodiebögen in schimmerndes Dämmerungslicht und man hat wieder einmal das Gefühl, Crain trage eine schwere Last durch ein berückend schönes Setting. Und dieses Gefühl des Niedergedrücktseins taucht auch im Titelsong auf, nur windet sich Crain hier mit einem elegant betörenden Refrain aus der seelischen Umklammerung, mit das stärkste Stück dieses unheimlich dichten und spannungsvollen Albums. „Kid Face“ findet nach so mancher Anstrengung einen friedlichen Abschluss mit dem einfachen „We´ve Been Found“. Man hat hier das Gefühl, Crain breche das zuvor Gehörte auf seine Essenz runter und das sind dann ein zurückhaltendes Klavier, einige Minimalfiguren von der Akustikgitarre und eine Künstlerin, die ihr randvolles Herz in einfache Worte umwandeln will. Dass dies Samantha Crain zu jeder Zeit gelingt, macht aus „Kid Face“ ein eindringliches Album, welches zwar von großen Anstrengungen kündet, dabei aber niemals bemüht wirkt.

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

Info: www.samanthacrain.com

(Martin Makolies)