TROPHY SCARS: Holy Vacants

(Monotreme/ Cargo) Dass der Post Hardcore nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten muss, beweisen dieser Tage Trophy Scars eindrucksvoll mit ihrem Großereignis „Holy Vacants“. Keine Spur von Limitierung, dafür aber ein sicheres Händchen für das kunstvolle Verknüpfen der Stile. Wenn man das Album auf einen Begriff festnageln müsste, dann währe Blues Rock nicht verkehrt. Doch da ist noch so viel mehr: Post Core Anwandlungen, Gospel, Soul und auch gerne mal eine Prise Southern Rock. Dabei lassen es Trophy Scars erst mal gemächlich angehen, „Extant“ schwankt ein wenig durch nebulöse Nebenräume, man meint, Sänger Jerry Jones in einer frostigen Kälte stehen zu sehen aber ganz sicher kann man sich nicht sein, auf jeden Fall fangen auf diese Weise sonst die Alben von Brand New an. Deutlich detaillierter und auch wirkungsmächtiger ist das ambivalente „Qeres“, das zwar in erster Linie ein räudiger und dreckiger Rocker ist, auf der anderen Seite Gospelgrandezza und weiche Bläsersätze bereit hält. Das führt zu einem epischen Songerlebnis, welches bereits die große Ambition dieser Platte in sich trägt. Dabei wirken die Songs niemals zu verkopft, die memorablen Melodien gibt es im Dutzend und trotzdem kommt man nicht umhin, das Raffinement der Kompositionen zu bestaunen. Da wirkt der überlebensgroße Schmachtfetzen „Archangel“ fast schon simpel, jedoch, auch dieses Stück ist angefüllt mit einer grimmigen Verzweiflung und einer Leidenschaft, die sich allerorts eine blutige Nase holt.  Trophy Scars wollen dabei gar nicht dem Pathos ausweichen, dieser ist willkommenes Stilmittel und wird immer wieder passend in Position gebracht.  Mit einem knarzenden Bass empfängt „Crystallophobia“ den Hörer und gibt sich zunächst ganz zutraulich und gediegen, wozu auch der glockenhelle, weibliche Gastgesang beiträgt. Doch auch dieser Song mündet letztendlich in einer hymnenhaften Grimmigkeit, die aber immer irgendwie tragisch wirkt. Das Tolle bei „Holy Vacants“ ist, dass man sich problemlos vorstellen kann, wie Zehntausende diese Lieder mitsingen und trotzdem hat das nicht mit Massenware zu tun, Trophy Scars sind sozusagen die Stadion-Band für eine bessere Welt, die es so wohl leider niemals geben wird. Bei „Chicago Typewriter“ könnte man sich gut vorstellen, das Tom Waits hier einen Gastpart übernehmen würde, schräg und rumpelig, irgendwie versehrt wirkt dieses windschiefe Stück. In „Every City, Vacant“ kommt in der Strophe zur Abwechslung mal so etwas wie Lässigkeit auf, ansonsten ist „Holy Vacants“ eine emotional eher schwergewichtige Angelegenheit. Aber auch dieser Song stürzt sich in ein wunderbar ausgekleidetes Drama, das mit viel Herzblut an eine Kellerwand geworfen wird. Mit „Everything Disappearing“ gelingt Trophy Scars dann ein wehmütiger Abgesang, der dennoch etwas Beschwingtes hat, hier walzert sich die Niedergeschlagenheit an verlassenen Vorstadtstraßenzügen vorbei und begibt sich dann zielsicher in die Arme einer sahneweichen Streicherfigur. Trophy Scars haben mit diesem Album in erster Linie eine unheimlich vielseitige, mitreißende Rockplatte gemacht. Hier dürfen die Gitarren noch jauchzen und aufheulen, jedoch wagt die Band selbstsicher den Blick über den Tellerand und findet dort so einige Stilmittel und Bestandteile, die diese Platte erst so richtig reichhaltig und wertvoll machen.

9 out of 10 stars (9 / 10)

Info: www.monotremerecords.com

(Martin Makolies)