WHOMADEWHO: Dreams

(Darup Associates/Indigo)  Für die Freunde des gepflegten Synthiepops waren die letzten Wochen ein Freudenfest. Da kamen zum Beispiel kürzlich Wild Beasts mit einem hoch eleganten Werk um die Ecke und jetzt stehen auch schon WhoMadeWho mit ihrer dritten Platte vor der Tür. Wo jedoch Wild Beasts sich mit feinem Zwirn bekleidet in den eher schummrigen Ecken verdingt haben, tritt das dänische Trio mit Nachdruck ans Licht, „Dreams“ findet meistens im hellen Sonnenschein statt. Da gibt der Titeltrack auch gleich die passende Losung vor: „half around the world/ we´re dancing in the sun“, Ibiza, Teneriffa, Madeira, „nothing is sacred/ we just take what we can/ and run“. Dabei gehen WhoMadeWho so fokussiert vor, wie niemals zuvor. Alles wirkt schlüssig und homogen, ohne dass dabei Langeweile aufkommen würde. Und die Songs sind einfach zwingend, die vergnügten Gitarren von „The Morning“ gehen in einen Part über, der so auch auf Arcade Fires „Reflektor“ geglänzt hätte, nur um dann einen Refrain aufzufahren, der in seiner Einfachheit das Zeug hätte, die ganze Welt auf der Tanzfläche zu vereinen. Doch auf „Dreams“ wird nicht nur Material zum Hüften- und Popowackeln erzeugt, es gibt auch die atmosphärischen  Zwischenräume, „Traces“ windet sich zunächst in einer nebulösen Wolke, in der die langsamen Bewegungen verschwinden und wieder auftauchen. Dass dann letztendlich doch noch das Tanzbein geschwungen werden kann, trägt da nur zum tollen Eindruck des Stückes bei. Doch WhoMadeWho haben begriffen, dass sie ihrer bekömmlichen Mischung auch etwas Tiefenwirkung verabreichen müssen, dafür steht zum Beispiel „New Beginning“, das sich in Jazzkneipen-Atmosphäre der Schwermut hingibt. Der Neustart ist hier noch ferne Zukunftsmusik, jetzt herrscht erst mal noch das trübe, alte Gefühlsumfeld. Dazu erklingt eine betrübte Gitarre, die auch nur Beobachter der Tristesse ist und keine entscheidenden Impulse in Richtung Besserung geben kann. Doch negative Gefühle sind auf dieser Platte nur Zaungäste, das Herz schlägt insgesamt doch recht vergnügt, wie der astreine Clubtrack „Hiding In Darkness“ zeigt, dessen Bass so wunderbar in der Magengegend wummert, Geschöpfe der Nacht, vereinigt euch. Im Anschluss daran stellen WhoMadeWho mit „Your Better Self“ noch eine Krankenstation mit Kuschelecke für geschundene Seelen bereit, in luftig leichter Atmosphäre werden Milchkaffee und Croissants als Notmedikation gereicht und auch das abschließende „United“ hält es mit einer gestreichelten Akustikgitarre eher ruhig. WhoMadeWho haben mit „Dreams“ wahrscheinlich ihr bestes Album aufgenommen, fast jeder Beat, fast jede Melodie erzeugt eine angenehme Tiefenwirkung, die Stücke stehen untereinander in einer unzerstörbaren Harmonie, subtil werden hier homogene Klang- und Tanzwelten erschaffen, die sowohl auf der Tanzfläche als auch zu Hause unter dem Kopfhörer genossen werden können.

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

www.WhoMadeWho.dk

(Martin Makolies)