JOACHIM WITT: Neumond

JOACHIM WITT - Neumond

(Oblivion/SPV) Zwischen dem Debüt Album „Silberblick“ und der neuesten Veröffentlichung „Neumond“ liegt fast ein halbes Leben. Schielen wir ins Jahr 1980 zurück, galoppiert Joachim Witt als „Goldener Reiter“ durch die Charts und Clubs des Landes. Die Neue Deutsche Welle hat viele Stars und Sternchen an Land gespült und genauso schnell wieder in die Tiefe gezogen. Witt taucht mit unter, verflüssigt sich aber nicht und steht 1998 wieder strahlend im Rampenlicht.

Bis der Musiker wieder in aller Ohren haften bleibt, dauert es nicht lange. Im Duett mit Peter Heppner und dem gemeinsamen Stück „Die Flut“ schwappt wieder Großes aus dem Hause Witt.

Vom Wasser hoch zum Firmament. 2014 heißt das mittlerweile 14. Album des Altmeisters „Neumond“. Vergleichbar wie die schmale Sichel des dünn geformten Mondes in dieser Phase, beginnt das neue Stück. Flirrende Elektronik leitet den ersten Track ein. Diese dünn unterlegte Musik verändert sich schnell und plustert den Refrain in hymnische Endlosigkeit auf. Die Sinne lenken die Beine. Tanzen ist angesagt und das nicht nur für einen Moment. „Die Erde brennt“ ist voller synthetischem Taktgefühl, welches den Motor der Tanzwütigen schnell auf Hochtour bringt.

Der kraftvolle Rhythmus gönnt sich kaum eine Pause und zieht sich gnadenlos über die Rillen. Die Maschinenmusik dehnt sich stampfend und schnaufend, in kräftigen Brocken dicht darüber aus.

Witt wäre nicht Witt, wenn es auf dem Neunling keine weichgespülten Melodien gäbe die ein ganzes Lied formen, ohne kitschig zu klingen- wie etwa das betrübte „Bis ans Ende der Zeit“.

Joachim Witt gehört nicht zu den Künstlern die sich ein Leben lang nur mit einem Hit identifizieren müssen, auch wenn das Innenleben des Covers einen Reiter ziert. „Neumond“ beweißt, dass der Kopf dahinter immer noch voller Ideen ist und den Hörer faszinieren kann.

8 out of 10 stars (8 / 10)

Info: www.joachimwitt.de