Eagulls – Ullages

Eagulls – Ullages

Leeds. West Yorkshire. Schwindende Industrie. Neue Jobs im „service sector“. Eine wachsende Metropole. 40.000 neue Einwohner in den letzten 10 Jahren. Der Griff zur „Millionen-Metropole“ ist nur eine Frage der Zeit. Hier sitzen viele der Banken. Barclays, HSBC, Lloyds Banking Group und die RBS sind hier in England zu Hause. Mit über 200.000 Studenten ist man reich an Bildung und Nachtleben. Fast 10% der Bevölkerung ist gegenwärtig ohne Arbeit. Bis London sind es fast 300 Kilometer….

Leeds. Nicht die führende Musikstadt Englands. Aber mit Künstlern wie Alt-J, Gang Of Four, Soft Cell, The Mekons, The Sisters of Mercy, Pale Saints, Red Lorry Yellow Lorry, Scritti Politti, The Wedding Present und den Wild Beats hat man in den letzten 25 Jahren gerade den Underground stilprägend mitgestaltet.

Leeds. Als die Eagulls 2013 mit der 7“ „Nerve Endings“ auf deren B-Seite eine spröde, harte Coverversion von Killing Jokes „Requiem“ präsentieren, nahmen sie einiges ihres Anspruchs vorweg. Die Wurzeln im Post-Punk verorten, dennoch kompromisslos voranzublicken. Das selbstbetitelte Debüt erschien 2014 auf Partisan. Der Rolling Stone lud die Band zu ihrem Weekender ein und bemerkte trefflich: „Der alte Glaube an ehrliche, handgemachte Musik ist wieder da. Ganz stark, ganz echt, ganz wahr. Genau so ist das auch mit den Eagulls. Diese Kombination aus Punk, Rock, Garage, Krach und Wahnsinn, die die Musiker aus Leeds live nur so von sich schmettern, haut einen als Zuschauer einfach aus den Socken. Hier trifft Punk in seiner rohsten Form auf sehr persönliche Lyrics. Das was die Nordengländer da geschaffen haben, ist beeindruckend und weckt eindeutig das Fieber und Verlangen nach mehr“.

2014. Die internationalen Medien waren sich über das Erstlingswerk einig: NME, The Guardian, Vice, Stereogum, The Fader und Pitchfork erklärten es zu dem neuen, aufregenden, kantigen Sound. Franz Ferdinand beriefen noch im gleichen Jahr die Eagulls in ihr Vorprogramm.

2015. Lange Proben liegen hinter der Band. Nächte in einer ehemaligen katholischen Kirche in Leeds, die als Proberaum umfunktioniert wurde. Die Band hat hier über Monate neue Songs komponiert. Man setzt sich abermals mit Produzent Matt Peel zusammen, um aus den Entwürfen spannende Songs zu entwerfen. Gitarrist Mark Goldworthy beschreibt die Periode: „Nach der Tour und den Festivals wollten wir uns gar nicht erst in eine Komfort-Zone zurückziehen. Wir haben uns unter Druck gesetzt. Und die Erwartung von außen gespürt. Wir wollten es noch besser machen. Songs schreiben die nicht nur einer harten Haltung entspringen, sondern Höhen und Tiefen durchmessen, eine Dynamik entfachen und die inhaltlich wie kompositorisch durchdachter sind“.

2016. Geblieben ist der Rausch der Energie, der entsteht wenn Gitarren Wände aus Klang zaubern. Man spürt den Biss, der die Punk-Vergangenheit offenbart. Da ist die Haltung sich nicht vor Ecken und Kanten zu fürchten, sondern diese musikalisch auszureizen. Doch auf „Ullages“ wirken die Melodien klarer, sie treten aus den Schatten des Sounds und tragen die Kraft der Songs mit. So entstehen reiche Texturen – Stücke wie „Lemontrees“ und das majestätische „On My Life In Rewind“ müssten eigentlich wegen der vielen Klangschichten unsauber wirken – aber in dem bestechenden Mix von Craig Silvey (Portishead, Nine Inch Nails, Depeche Mode, R.E.M.) findet jeder Ton seinen idealen Platz. Der Gesang von George Mitchell passt sich melodiös perfekt ein. Die Musik-Kritik hat seine Tonlage schon verschiedentlich in der Nähe von Robert Smith (The Cure) gerückt. Was die Emotionalität angeht, kein schlechter Vergleich.

2016. „Ullages“ ist ein Anagramm von Eagulls. Damit zeichnet der Titel die Entwicklung zwischen dem ersten und zweiten Album unbewusst nach. Man bleibt sich treu, wirbelt aber doch die Rezeptur ein durch um damit zu neuen Resultaten zu kommen. Mitchell sieht die neuen Songs auch textlich positiver: „Das erste Album und die damit verbunden Erlebnisse haben uns viel Kraft gegeben. Es hat uns verwandelt. Damit wir uns nicht missverstehen, die Welt ist nicht unbedingt ein besserer Ort geworden, aber ich vermag nun auch Optimismus auszudrücken. Ein bisschen Gutes in all dem Schlechten zu sehen. Ich bin in meinem Leben so oft deprimiert, dass ich diesmal Songs schreiben wollte, die mich selbst nach oben ziehen“.

Leeds. „Ullages“ wird nun in die Welt entlassen. Die Band wird die Insel wie den Kontinent bereisen. Die Eagulls werden auch in Deutschland für Konzerte Station machen. Neue Eindrücke sammeln. Ihre Musik leben. Emotionen teilen. Das Fieber der Zuschauer wecken.

Info: www.facebook.com/eagulls