Jenny Hval: Blood Bitch

Review/Kritik - JENNY HVAL: Blood Bitch - SMASH-MAG.com 2016

(Sacred Bones/Cargo) Was „darf“ man als Frau in der Popmusik. Es wäre zu wünschen, wenn die Antwort „eigentlich alles“ lauten würde. Aber sind wir schon so weit? Wie viel Befremden löst es aus, wenn eine Künstlerin ein Konzeptalbum unter anderem über ihre Körperlichkeit macht, genauer, über den Part der gemeinhin nicht als gerade sexy gilt? Blut, Menstruation etc.

Jenny Hval ist auf „Blood Bitch“ der „Female Vampire“, ewig jung und genau deswegen uralt. Die Unmöglichkeit einer aufrichtigen, tiefgreifenden Liebe, das emotionale Versagen, wegen oder vielleicht auch trotz der fleischlichen Triebe, „but flesh is the loneliest creature“. Hval scheint sich auch musikalisch stark mit der Erwartungshaltung an eine junge Künstlerin auseinandergesetzt zu haben. Ihr Album wirkt geradezu zerrissen.

Da hat man auf der einen Seite die ziemlich eingängigen Popnummern wie „Female Vampire“ und „Conceptual Romance“,Songs, die voller Raffinement sind, wunderbar ausformuliert und elegant. Die andere Hälfte des Albums besteht dagegen aus verunsicherten Tagebucheinträgen und Klangfetzen, Ambient aus der geschlossenen Abteilung.

Dies ist kein Album, dass man freudestrahlend einfach so hinnimmt. „Blood Bitch“ fordert Arbeit und starke Nerven vom Publikum. Durch die Stücke weht eine ungesunde Verunsicherung, Hval bilanziert sehr oft, meistens zu ihren Ungunsten. Dem wird aber zum Beispiel im bereits erwähnten „Conceptual Romance“ ein verzauberter, wunderbar spielerischer Schwebezustand entgegengesetzt. Fast könnte man meinen, es wäre alles in Ordnung. Es wird aber doch recht schnell deutlich, dass Hval hier zynisch eine Pose vorstellt, das brave Mädchen macht zauberhafte Musik. Der Eindruck hat solange Bestand, bis man sich den Texten zuwendet, „stuck in erotic self oscillation/this landmine of a heart/the only one I ever had“.

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

Info: www.jennyhval.com