Bonobo: Migration

(Ninja Tune/Rough Trade) Selten konnte man reineren Gewissens sagen, dass ein Album einfach schön ist. Bonobos „Migration“ gelingt das Kunststück, trotz zahlreicher Zutaten homogen und wohlklingend zu erscheinen. Simon Green setzt die Stücke der Platte raffiniert zusammen, bringt Elemente zusammen, die sich aufs Trefflichste ergänzen und bereichern und achtet immer darauf, dass der Wohlklang im Zentrum steht. Dabei haben die Stücke allesamt ein dynamisches Eigenleben, wirken wie natürlich entstandene Lebewesen, die atmen und sich mal hierhin, mal dorthin bewegen.

Den Auftakt macht das Titelstück, bei dem man beobachten kann, wie das Klavier erst schüchtern einige Tupfer verstreut, bevor es an Selbstvertrauen gewinnt und weiter und voluminöser ausholt und so dem Track seinen Stempel aufdrückt. Bereits hier merkt man, wie trefflich Green organisches Instrumentarium und digitale Studiofrickelei verschmilzt. Ein weiteres Beispiel dafür ist „Second Sun“, welches Gitarre und tief brummelnden Kontrabass in ein Elektronik-freundliches Setting stellt.

Gerne wird auf „Migration“ gesungen: mal in traurigen Seufzern („Break Apart“ mit Rhye), mal hoffnungsfroh gelöst ( „Surface“ mit Nicole Miglis). Selbst afrikanische Folklore wirkt im Kontext von tiefergelegten Beats nicht befremdlich, wenn Innov Gnawa dem hypnotisierenden „Bambro Koyo Ganda“ seine Stimme leiht.

Klassische Club-Musik findet man auch auf „Migration“, das lässig groovende „Outlier“ ist sicher eines der Highlights des Albums. Man staunt mitunter Bauklötze, wie sich alles so homogen zusammensetzt, als würden den Stücken die natürlichen Grundgesetze eingeschrieben sein. Hier geht die Homogenität nicht auf Kosten der Vielfalt, alles ist vollmundig ausformuliert, niemals jedoch überladen oder üppig. Ein jedes ist am passenden Platze, erfüllt eine Funktion und besitzt Bedeutung für den Track.

Natürlich könnte man kritisieren, dass Platten, die keine Reibungsfläche bieten, von geringeren künstlerischen Wert seien. Doch selbst dann muss man mindestens anerkennen, mit welcher Beflissenheit Simon Green seine Stücke arrangiert hat und aus den verschiedensten Elementen ein geschlossenes Klangerlebnis geschaffen hat.

7 out of 10 stars (7 / 10)

Info: www.facebook.com/bonoboofficial