FEIST: Pleasure

(Polydor/ Universal) Bei Leslie Feists fünftem Album ist es nicht uninteressant, sich noch einmal zu vergegenwärtigen, wo die Dame herkommt. Ihre Wurzeln stecken im kanadischen Musikerkollektiv Broken Social Scene und die waren vor allem für eigensinnige und verblüffend unkonventionelle Arrangements bekannt. Diesen Geist hat sich Feist über all die Jahre als Solokünstlerin bewahrt. Die Verlockung mag vielleicht groß gewesen sein, irgendwann einmal ins Lager der niedlichen Folkelfen zu wechseln, doch Feist hat widerstanden. Ihre Musik besitzt nach wie vor Ecken und Kanten.

So säuselt sie die Strophen vom Titelsong sanft dahin, nur um mit ramponierten Gitarren und einem unterkühlten „It´s my pleasure“ dazwischen zu funken. Überhaupt ist die Gitarrenarbeit typisch für den verwackelten, unperfekten Stil dieser Platte. Die Saiteninstrumente schmecken nach Staub und Rost, als würden sie aus einem ausgeschlachteten Autowrack vom Schrottplatz tönen. Feist schafft es mit großer Sicherheit, einem Song wie „Wish I Didn´t Miss You“ eine fragile Transaparenz zu verleihen, ohne ins Liebliche abzudriften. Die Gitarren stehen isoliert von Feists Stimme im Raum, die durch einige Effekte ins Endlose verlängert wird. Richtig brilland ist die Struktur von „Any Party“, in welchem Feist konstatiert: „you know I would leave any party for you/ coz no party´s so sweet as a party of two“. Hier wird der Weg von der lärmenden Öffentlichkeit eines berauschenden Fests hin zu partnerschaftlicher Intimität zu Hause musikalisch nachgezeigt, sägende Gitarren, ein beschwipster Chor auf der einen, der in sich zurückgezogene Gesang der Kanadierin und ein Schlagzeug, welches sich mitten im Song auch mal ausruht, auf der anderen Seite.

Der angesprochene Chor kommt in „A Man Is Not His Song“ noch mal in voller Stärke zum Einsatz um zu verhindern, dass das Stück vielleicht zu zaghaft und zurückhaltend erscheinen könnte. Es ist immer wieder die Kombination aus zögerlicher Behutsamkeit und spröder, mitunter schroffer Instrumentierung, die den Reiz von „Pleasure“ ausmacht. Dazu steuert Feist oftmals eben nicht auf melodische Höhepunkte zu, sondern lässt Stücke auch mal einfach ausbluten oder einfach der Atmosphäre nachspüren, ohne den Zwang eines zündenden Refrains. Ein gutes Beispiel dafür ist „The Wind“, welches sein Heil in einer tief gestimmten Akustikgitarre und einem seltsam körperlosen Gesang findet. Die wunderbar warm akzentuierten Bläser tragen dann das ihrige zur verwunschenen Stimmung bei.

Neben einem Gastauftritt von Jarvis Cocker ist vor allem noch das dunkel schimmernde „I´m Not Running Away“ erwähnenswert, dass den knorrigen Blues in seiner DNA eingewoben hat und dennoch freiheitlich weit über die nächtliche Wüstenlandschaft schweift. Einen süßlichen Pop-Moment integriert Feist in „Baby Be Simple“ dann doch noch. Doch fügt sich dieser in die meditative Folkarbeit nahtlos ein und zeigt auf, dass der Wunsch nach Eingängigkeit auch zu bewundernswerten Eergebnissen führen kann. Ansonsten ist sich Leslie Feist treu geblieben: die Füße fest im Folk, der restliche Körper und vor allem der Kopf werden jedoch von vielfältigem Instrumentarium umschwirrt, welches sich überzeugend, dabei oftmals sperrig in die Songminiaturen von Feist hineinfühlt.

7 out of 10 stars (7 / 10)

Info: www.listentofeist.com