MAC DEMARCO: This Old Dog

( Captured Tracks/ Cargo) Es ist mehr als bezeichnend, dass Mac DeMarco für die Aufnahmen seines neusten Werkes das heimische Kanada verlassen hat. Dort gibt es zwar reichlich Meer aber keine sommerlichen Strände, an denen man in Schlabbershorts abhängen könnte um dem Tag müßig nachzuhängen. Also lieber Los Angeles, da existieren schon eher die Chillout-Refugien am Meer mit Sonnengarantie.

Und das passt dann auch viel besser zu DeMarcos Wohlfühlfolk. Die Akustische wird gestreichelt, die Percussions machen sich locker, Stress oder Hektik sind Fremdwörter, die Seele liegt in der Hängematte. Dabei kennen DeMarcos Songs durchaus Trübsal und Melancholie, nur werden diese immer wieder durch ein beschwingt weiches Instrumentarium abgefedert. Die Sorge, dass man seinem alten Herren immer ähnlicher wird? Vielleicht nicht das, was man sich immer vorgestellt hat aber halb so wild, wenn die Gitarre akzentuiert aber sanft den Weg vorgibt und DeMarcos Gesang eine bewundernswerte Gleichgültigkeit zur Schau trägt. Der behäbige Swing vom Titeltrack klingt dann auch nicht gerade nach drohendem Unwetter, ein paar Wölkchen am blauen Himmel vielleicht, mehr auch nicht.

In solchen Momenten kommt man nicht umhin zu registrieren, dass DeMarco ein Meister des niveauvollen Easy Listenings ist, der genau die richtigen Kniffe für einen entspannten Hörgenuss kennt. Der nasale Touch in DeMarcos Stimme in „Baby You´re Out“ kombiniert mit unangestrengten Lockerungsübungen von Schlagzeug und Gitarre sorgen für ein breites Grinsen im Angesicht des dritten Feierabendbieres. Dass DeMarco auch den Umgang mit kuscheligen Synthesizern beherrscht, zeigt „For The First Time“, dessen romantischer Gestus um einen relaxten aber gewichtigen Groove tänzelt. „One Another“ demonstriert dann die rhythmischen Freuden eines unangestrengten Spaziergangs über sommerliche Feldwege, und wird von „Still Beating“ zum Ausruhen auf die abendliche Veranda gelockt. Dort ist auch der bittersüße Schmerz vergeblicher Liebe zugegen, doch die kleinen und etwas größeren Sorgen wachsen sich bei samtigem Groove und sahnigem Wetter nie zu existentialistischen Krisen aus.

Im letzten Abschnitt der Platte lädt DeMarco ins Schlafzimmer ein, das Licht wird gedämmt, die Vorhänge zugezogen und erneut dürfen die Synthies ihr relaxed erotisches Spiel treiben. Das alles aber bitte ohne größere Anstrengungen. Aus dem beständigen Fluss der Platte sticht eigentlich nur das Finale des ausufernden „Moonlight On The River“ heraus, welches ein kleines Alptraumszenario aus psychedelisch aufheulenden Gitarren bietet und zum einzigen Mal dem Umstand Rechnung trägt, dass DeMarco thematisch auch dunklere Gefilde ansteuert. Die Musik dazu ist jedoch ein einziger Naherholungsort zum Aus- und Entspannen. „This Old Dog“ strahlt eine allumfassende Genügsamkeit und Zufriedenheit aus, die fast neidisch macht. Diese Seelenruhe möchte man auch mal erreichen.

7 out of 10 stars (7 / 10)

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