BENJAMIN BOOKER: Witness

(Rough Trade/ Beggars/ Indigo) In Zeiten, in denen es musikalisch als chic gilt, allzu direkte Leidenschaften aus dem Klangbild herauszuhalten und stattdessen über popkulturelle Querverweise den eigenen Intellekt bauchzupinseln( Distanz und Ironie als Waffen der Wahl), ist es eine überraschende Wohltat, wenn jemand über die emotionale Schiene auf den Hörer zukommt. Benjamin Booker ist ein Instinktmusiker, dem eine schöne beziehungsweise eindringliche Melodie viel wert ist. Seine Musik ist schlau aber eben nicht intellektuell, er geht übers Gefühl. Markantes Zeichen dafür ist seine rauhe aber dennoch warme Stimme, die jedem Stück einen originären Stempel aufdrückt. Die stilistischen Wereabouts liegen bezeichnenderweise bei den Spielarten, die sich durch eine hohe Emotionalität auszeichnen, Blues, Soul aber auch Punk.

Letzterer ist im eröffnenden „Right On You“ federführend, das Brodeln und Gähren ist schwer in Bann zu halten und dann rumpelt Booker los, Mit Wehmut in der Stimme und Rotz und Schmutz auf instrumentaler Ebene galoppiert das Stück intuitiv und spontan durch die Garage. Endlich mal wieder etwas, bei dem man haltlos mit einstimmen will. Die materielle Qualität der Instrumente wird im folgenden „Motivation“ auch nicht besser, die Akustikgitarre geht merklich aus dem Leim und ist wurmstichig, doch ein paar zurückhaltende Streicher halten das Stück auf Kurs. Schön, wie angeknackst und doch würdevoll Booker hier seine nachdenklichen Exkursionen in berührende Melodien packt.

Vollmundig und selbstbewusst steht dagegen der strahlende Gospel vom Titelstück im gleißenden Licht und verzichtet auf eine falsche Bescheidenheit. Dies ist sicherlich der Hochglanzmoment einer Platte, die ansonsten eher erdig ist. Der bluesige laissez faire von „The Slow Drag Under“, die rauchige Erotik von „Truth Is Heavy“, egal welches Stück man betrachtet, Benjamin Booker findet vielfältige Ausdrucksweisen, um seine gefühlvollen Lieder zu präsentieren. Darf es vielleicht ein duftendes Streicherbouquet sein? Gerne, „Believe“ kombiniert dieses mit einem feinen Bluestouch. Musiker vom Kaliber des Südstaatlers haben Lieder wie „Stand By Me“ geschrieben,

Sehnsucht, Liebe, Trauer, auf direktem Weg präsentiert, dabei immer frei von Kitsch. Dem krachigen Garagenfuzz wird dann in „Off The Ground“ noch einmal Sendezeit gegönnt, indem Booker eine Ballade mit viel Drive und Schmutz elektrifiziert. Auch das abschließende „All Was Well“ gönnt sich einen rauhen Umgangston, brodelt, zuckt und gährt gefährlich, womit eine Brücke zum explosiven Auftakt dieser Platte geschlagen wäre.

Und so kann man sich sicher sein, dass Benjamin Booker keine distanzierenden Charaden spielt, bei ihm hat man das Gefühl, das Musiker und Musik eins sind. Für ihn sind seine Songs kein Projekt, sondern eine Verlängerung seines Wesens nach außen. Gut, dass der Mann so freundlich war, das mit uns zu teilen.

8 out of 10 stars (8 / 10)

Info: www.benjaminbookermusic.com