WAVVES: You´re Welcome

(Ghost Ramp/ Cargo) Die Band Wavves reicht eine dieser Mixturen zum Genuss, denen man sich schwer widersetzen kann. Hier trifft noisige Punkattitüde und der Wille zur Dekonstruktion auf lauwarm runtergeköchelten Zuckerwattepop. Das muss man sich so vorstellen, wie wenn jemand die Musik der Beach Boys mit einem Vorschlaghammer zerdeppert hätte und jemand ohne Sachverstand daran gehen würde, das Ganze wieder zusammenzupappen. Dabei entstehen offen aufbrechende Nähte, Dellen und es bleiben gehörige Kratzer zurück. „Daisy“ hat direkt diesen unwiderstehlichen Surf-Drive, die Drums bollern schön im Hintergrund und man freut sich von der ersten Sekunde an auf den Refrain, der dann auch stürmisch polternd liefert. Das dumpf stampfende Titelstück schmiert sich gehörig Glam-Schminke ins Gesicht, widersetzt sich dabei aber jeder Aufhübschung, denn mit dem Make Up werden Grimassen gezeichnet.

Die Mischung aus verzerrten, gestörten und durchs Feedback gejagten Gitarren und einer gewissen Popart-Bubblegum-Melodik sorgt für herrliche Schieflagen, die Chöre lalalaen und nononoen durch die Stücke, in der Zuckerwatte verfangen sich indes Granatstücke aus mitunter kompromissloser Punkgarstigkeit. Bestes Beispiel dafür ist „No Shade“, dessen ultrafies verzerrte Gitarren den poppigen Anwandlungen gehörig den Hintern verwackeln. Solche Momente sind nicht selten auf „You´re Welcome“, oftmals obsiegt aber auch die Eingängigkeit über die Zerschredderung. „Million Enemies“ hat einen virulenten Refrain, wirkt insgesamt aber wie eine etwas gezwungene Collage. Das macht aber nix, da dieses Album einen beträchtlichen Teil seines Charmes aus seiner Unfertigkeit und scheinbaren Improvisation zieht.

Der zu Beginn von „Stupid In Love“ aufgefahrene Kitsch verwandelt sich in eine flüssig runtergeschraddelte Punkabfahrt, die Gitarren knattern und rumoren und wieder fragt man sich, wie es Wavves schaffen, das alles so zünftig zu verknausern. „Exercise“ ist dann fast schon eine klassische Punknummer, die diesmal nicht ganz so arg mit dem Pop flirtet, doch ist das eher die Ausnahme. Typisch sind Stücke wie „Hollowed Out“, welches Klimperpiano und Grummelbass zusammen bringt und im Refrain den Marc Bolan der frühen Jahre wiederauferstehen lässt.

„You´re Welcome“ ist eine gelungene Kreuzung zwischen wüstem Noisepunk und poppiger Lieblichkeit. Die Stücke zünden allesamt ohne lange Warmlaufphase, so dass man Wavves dazu beglückwünschen kann, sich aus der Bequemlichkeit eines Major Deals wieder befreit zu haben.

7 out of 10 stars (7 / 10)

Info: www.wavves.net