KACY HILL: Like A Woman

( G.O.O.D./ Def Jam/ Universal) Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Kacy Hill, diese junge Amerikanerin, nicht viel falsch macht auf ihrem Debüt. Sie präsentiert mit klarer Stimme vorgetragene Popnummern, deren instrumentale Reduktion geschmackvoll und zurückhaltend daherkommt. Die Backgroundtänzerin von Kanye West weiß sehr gut, wo Zurückhaltung angebracht ist und an welcher Stelle sie ihre helle aber kräftige Stimme gut zur Geltung bringen kann. Dafür ist der Titelsong ein gutes Beispiel: ein bescheidenes Klavier gibt nur an den absolut notwendigen Stellen einige Einwürfe von sich, das Stück in seiner Gänze wird jedoch durch Hills markanten gesanglichen Vortrag geprägt.

Auch „Keep Me Sane“ lebt von der glasklaren Stimme Hills, die Instrumente samt Percussions halten nur mit minimalem Einsatz die fragile Spannung, man hat den Eindruck, hier die auf das puure Skelett reduzierte Essenz der Stücke zu belauschen. Das hat dann so manch reizvollen Moment, beweist aber leider auch, dass eben jene Seele der Songs nicht besonders inhaltsschwer ist. Hill bewegt sich allzu oft in den herkömmlichen Gefilden des Female Pop, ihr textliches Ich bekundet immer wieder eine gewisse Schwäche, die nur durch das Gegenüber überwunden werden kann. Damit steht sie in einer relativ unreflektierten Tradition der weiblichen Popmusik, wirkt etwas zu passiv und uneigenständig.

Dabei gibt es jedoch immer wieder Momente auf der musikalischen Ebene, die über die Schablonenhaftigkeit dieses Albums hinwegtrösten. Wenn in „Cruel“ tief grummelnde Synthies den Refrain stärken oder „Arm´s Length“ eine unverstellte Popigkeit auspackt, merkt man schnell, dass die eigentliche Stärke der Platte immer dann zum Vorschein kommt, wenn „Like A Woman“ eine einfache, unkomplizierte Wirkung entfalten will.

Denn für den großen Anspruch ist Kacy Hill nicht differenziert und tiefgründig genug, mitreißende Balladen und Popnummern bekommt sie jedoch relativ schlüssig hin. Auch „Hard To Love“ gerät in dieser Manier zu einem leicht verdaulichen Vergnügen, die Uptempo-Passagen erzeugen eine mitreißende Bewegung hin zum Horizont, man ist erfrischt und fühlt sich wachgeküsst.

An diesen Stellen verzichtet Hill auch auf die artifizielle Verknappung der Instrumentierung und geht in die Vollen. Dadurch reiht sie sich zwar in eine fast unüberschaubare Schar von weiblichen Popkünstlerinnen ein, das Anstreben einer Einzigartigkeit durch ein reduziertes Klangbild geht aber ohnehin schief, da es Hills auf künstlerisch anspruchsvoll gemachten Stücken an Leben und Unverwechselbarkeit mangelt. Dann lieber doch die vollmundige Popnummer, die wenigstens die basalen Emotionen des Hörers anspricht, das kann Hill und das macht sie gut.

 

5.5 out of 10 stars (5,5 / 10)