KANE STRANG: Two Hearts And No Brain

( Dead Oceans/ Cargo) Dieser Kane Strang aus Neuseeland ist schon ein interessantes Kerlchen: bewegt er sich mit seiner Musik doch irgendwo an der Schnittstelle von Grunge und College Rock und spricht somit alle Alt-Rock-Freunde der 90er an. Manch einer fantasiert sich schon einen neuen Stephen Malkmus zurecht, dessen melodische Verrücktheit erreicht Strang jedoch in den allermeisten Fällen nicht und das ist auch weiter gar nicht schlimm. Denn man findet im Verlässlichen und Soliden dieser Songs eine große Freude.

Stoisch arbeitet die Rhythmusgruppe in „Lagoons“, die Gitarren schneiden sich wirkungsmächtig ein Stück vom Kuchen ab, bis Strang im Refrain die Zügel etwas schleifen lässt und so eine schluffige Lockerheit etabliert, auf die man als Hörer mit einem verschmitzten Lächeln reagiert. Obendrein delektiert man sich an folgender Textstelle: „if your heart is a dog/ then my head is a firework“. Jeder, der schon mal einen Hund bei der Silvesterböllerei erelbt hat, kann mit solch einer Passage einiges anfangen.

„Silence Overgrown“ strebt danach mit heller Stimme und frischen Akustikgitarren eine sommerliche Leichtigkeit an, wird aber durch die Melodien an die Fußfesseln der Melanchole gebunden, ein sehr schlüssiger Kontrast, der auch in „Not Quite“ mit engagierter Knarzgitarre fortgeführt wird und der in einem formvollendeten Moll-Refrain seine Erfüllung findet, „I´m not feeling very well“.

Der Grummelbass von „Oh So You´re Off I See“ setzt das Stück tief in der Magengegend an, auch die Gitarren sind rustikal burschikos, doch schafft es auch dieser Song, eine verletzliche Sanftheit mitzuvermitteln. Und das ist der Trick bei Kane Strang. Die Instrumente stehen gut und kräftig im Saft, lassen aber immer wieder eine luftige Zartheit durchscheinen.

In „My Smile Is Extinct“ klingt dann sogar sonniger 60s Pop an, mit klischeehafter Romantik und schmachtendem Blick hin zur Angebeteten, herrlich wie locker hier die Harmonien um die Akustische gewoben sind. Der Titelsong ist da schon schwerer zu durchschauen. Strang agiert im Falsett, das Stück scheint mit Unterstützung der körnigen E-Gitarre etwas wiederfinden zu wollen, was aber verschollen bleibt. So direkt niedergeschlagen ist sonst nichts auf dieser im Ganzen lockeren Platte, auch das betont fatlistische „Don´t Follow Me( I´m Lost)“ nicht, welches trotz einer gewissen Schwere nicht verhindern kann, dass ein wenig Sonne durchscheint.

Insgesamt ist „Two Hearts And No Brain“ eine wunderbar unkomplizierte Übung in emotionalem Songwriting. Die Instrumente werden kernig eingesetzt, sie strotzen vor Gesundheit und Leben und dennoch schleicht sich immer wieder diese schwer greifbare Melancholie ein, die die Stücke auf eine deutlich vielseitigere Emotionsebene hebt. Kane Strang ist somit fest auf der Merkliste für talentierte Songwriter platziert, wir erwarten Großes.

 

7 out of 10 stars (7 / 10)