WASHED OUT: Mister Mellow

( Stones Throw/ Groove Attack) Nein, kann das denn sein!? Die Sonne lacht, die Temperaturen grooven sich jenseits der 20 Grad ein, zumindest heute können wir den Tag unter Sommer abheften. Schön, wenn man die passende Musik direkt zur Hand hat. Wir schlagen „Mister Mellow“ von Washed Out vor.

Nur mal kurz ein Blick auf das Cover-Artwork: da tummelt sich Tiffy von der Sesamstraße und hat eine kleine Armee von gelben Smiley-Ballons im Rücken, Absicht und Ansinnen von Projekt-Mastermind Ernest Green bleiben da nicht lange ein Geheimnis. Und dazu passt die musikalische Ausrichtung von „Mister Mellow“ ganz vorzüglich.

Irgendwo zwischen Chillwave, House und Hip Hop sind die Tracks angesiedelt, Green dirigiert seine Tunes genüsslich vom Rand des Swimming Pools aus, keine Hektik, keine dringenden Aufgaben, lass mal laufen. Die lateinamerikanische Rhythmik spielt dabei auch eine gewisse Rolle, wie man dem Bossa Nova-Auftakt von „Floating By“ unschwer entnehmen kann. Ein Track heißt „I´ve Been Daydreaming My Entire Life“, und das trifft es eigentlich schon ganz genau. Die Beats zeichenen sich meist durch eine elegante Lässigkeit aus, Hektik oder Trubel werden vermieden, kleine Bläserfiguren setzen einige melodische Marken, halten sich aber angenehm zurück.

Ernest Green lässt es auf dieser Platte laufen erzwingt nichts und übt schon mal gar keinen Druck aus. Viel schöner ist es da, einem Glockenspiel bei seinen Trippelschritten zuzuschauen, man selber muss sich dazu ja nicht bewegen. Dass man dies aber durchaus könnte, dafür sorgen die luftigen Beats, die unter anderem dem Old-School Hip Hop entlehnt wurden.

Dass auf eine entspannte Gartenparty gerne mal eine durchtanzte Clubnacht folgt, hat Green ebenfalls berücksichtigt und liefert auf der zweiten Albumhälfte den passenden Soundtrack. Gerade „Get Lost“ schraubt die Dynamik des Rhythmus einige Grad nach oben, man fängt an, seine Beine hypnotisch zu bewegen, ganz unterschwellig machen sich die Muskeln bemerkbar, jawohl, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um sich der Tanzfläche zu widmen, Ekstase und Euphorie wären hier dennoch fehl am Platz, es geht dann doch eher um eine entspannte Eleganz.

„Mister Mellow“ legt mehr Wert auf Erholung, als auf Körperertüchtigung, Fingerschnippen und Fußwippen reichen hier schon als Sport völlig aus. Der narkotische Gesang von „Hard To Say Goodbye“ in Kombination mit dem genügsamen Bläsermotiv laden freundlich zum mentalen Dahingleiten, eben zum Tagträumen ein.

Man kann an dieser Platte also nicht viel aussetzen, nur hat Ernest Green einen kleinen Fehler begangen. Denn der eigentlich genussvolle Fluss der Platte wird immer wieder durch etwas unmotivierte Interludes zum Stocken gebracht. Da wären stattdessen noch ein bis zwei „richtige“ Tracks mehr eine bessere Lösung lebt dieses Album doch in erster Linie von seinen hypnotisierenden Qualitäten. Eine ausgesprochen nette Sommerplatte ist dieses Album aber ohne Frage.

 

6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)